Arthur C. Clarke
   
 

Philip K. Dick
   
Der 16. Dezember ist ohne Untertreibung ein besonderer Tag fr die Science-Fiction. Gleich zwei der wohl wichtigsten Autoren des Genres erblickten an diesem Tage das Licht der Welt der eine 1917 im kleinen englischen Stdtchen Minehead, der andere 1928 in der US-Metropole Chicago. Die Rede ist von Arthur C. Clarke und Philip K. Dick. Ein Zukunftsvisionr und ein Erforscher der menschlichen Psyche jeder auf seine Art unverzichtbar fr das Genre der unbegrenzten Mglichkeiten.

Visionen von phantastischen Mglichkeiten: Arthur C. Clarke

Clarkes Geburtstag hat in diesem Jahr eine besondere Note: 2010 ist in seinem Werk Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen. Der Roman, der im Original den simplen Titel 2010: Odyssey 2 trgt, setzt die Geschichte fort, die in 2001: Odyssee im Weltraum beginnt. Hher entwickelte Wesen haben mehrere Monolithen im Sonnensystem hinterlassen, welche die Entwicklung der Menschheit berwachen, antreiben und vielleicht sogar unterbinden sollen. Basierend auf seiner Kurzgeschichte The Sentinel entwickelte Clarke den Roman 2001 parallel zur Entstehung der Filmversion gemeinsam mit Regisseur Stanley Kubrick. Die vierjhrige Zusammenarbeit endete zwar mit einem Klassiker des Sci-Fi-Kinos und einem ebenso bedeutenden Roman; glcklich war Clarke mit dem Ergebnis jedoch nicht. Hufige Verzgerungen fhrten dazu, dass das Buch erst sechs Monate nach dem Film erschien, als wre es nur die untergeordnete Adaption. Darber hinaus wird bei der jeweilige Namensnennung der Schpfer viel zu oft eine klare Trennung vollzogen, obwohl beide Medien dieselbe Basis haben. Untersttzt wird dies durch die unterschiedlichen Herangehensweisen. Wo Clarke die Hintergrnde der Story genau benennt und das Auerirdische sehr weltlich erklrt, verfolgte Kubrick eine eindeutig metaphysische Sichtweise mit stummen Bildern. Clarke soll die Erstauffhrung mit Trnen in den Augen verlassen haben.

Als Schriftsteller stand Clarke stets auf dem Boden der Tatsachen, selbst, wenn er Unmgliches auf Papier brachte. Gerade, wenn er Unmgliches auf Papier brachte: 1945 hatte er die Technik des Nachrichtensatelliten so exakt vorhergesagt, dass er sich um ein Patent htte bemhen sollen. Zwei Jahre spter entwickelte er eine Historie der menschlichen Raumfahrt und landete mit der ersten Mondrakete im Jahr 1959 einen Volltreffer. Den ersten Menschen auf dem Mond sagte er im gleichen Werk erst fr 1978 hervor, was er selbst seinem Konservatismus zur Last legte. Zwischen der wissenschaftlichen und der phantastischen Perspektive sah er wichtige bereinstimmungen. Zwar werde ich keinen Augenblick lang meinen, da mehr als ein Prozent der Science-Fiction-Leser verlliche Propheten abgeben wrden; aber ich behaupte, da fast hundert Prozent der verllichen Propheten Science-Fiction-Leser oder Autoren sind.

1946 wurde seine erste Kurzgeschichte professionell verffentlicht, 1951 wurde er hauptberuflicher Schriftsteller. 2001: Odyssee im Weltraum sollte sein bekanntestes Werk bleiben. Nach 2010 im Jahr 1982 widmete er sich noch zwei weitere Male der Geschichte von den auerirdischen Monolithen: 1987 mit 2061: Odyssee III und 1997 mit 3001: Die letzte Odyssee. 2010 wurde ebenfalls verfilmt deutlich konservativer als Kubricks Werk. Weiterhin bestand Interesse an einer Verfilmung des Zyklus Rendezvous with Rama, die jedoch bis heute nicht zustande kam. Dafr gab es in den Neunzigern neben einem wenig beachteten Rama-Computerspiel eine musikalische Umsetzung eines anderen Romans: Mike Tubular Bells Oldfield vertonte The Songs Of Distant Earth kreativ als Instrumental-Album. Natrlich sollte man aber trotzdem zuerst auf Clarkes literarisches Vermchtnis schauen, das ihn neben Isaac Asimov und Robert Heinlein zu einem der Groen Drei der Sci-Fi werden lie und das er bis zum Schluss fortsetzte. Wenige Tage vor seinem Tod am 19. Mrz 2008 hatte er gemeinsam mit Frederik Pohl seinen letzten Roman, Das letzte Theorem, fertiggestellt.

Visionen von ungewisser Realitt: Philip K. Dick

Philip K. Dick htte sich selbst wohl kaum Konservatismus attestiert. Gegen seine Eltern beide Regierungsbeamte lehnte er sich auf, und zu seinen Interessen gehrte auch der bewutseinserweiternde Drogenkonsum. Dies sollte jedoch nicht berschatten, dass Dick sich intensiv mit Religion und Philosophie auseinandersetzte und ein leidenschaftlicher Leser war. Seine Fhigkeiten im Erzhlen von Geschichten wurden ihm bereits in der Grundschule attestiert. Gegen seinen Willen wurde er schnell auf das Genre der Science-Fiction festgelegt. Nach seinem Erstling von 1956 Eye in the Sky widmete er sich Szenarios aus den Bereichen Realittszweifel und Raumfahrt. Seine nicht-phantastischen Werke wurden in den Fnfzigern und Sechzigern dagegen direkt von seinen Agenten abgelehnt.

Insgesamt schrieb Dick circa 120 Erzhlungen und 40 Romane, 20 davon allein in den Sechzigern. Finanziell brachte seine Arbeit ihn nie auf einen grnen Zweig, weshalb er kontinuierlich, manchmal auch unter Aufputschmitteln, weiter schrieb. Ein groes Kapitel des Ruhms und zumindest einigermaen beruhigenden Reichtums htte im Jahr seines Todes begonnen. 1982 war er an der Filmadaption seiner Kurzgeschichte Trumen Androiden von elektrischen Schafen? beteiligt. Unter der Regie von Ridley Scott wurde das Werk namens Blade Runner zu einem zeitlosen Klassiker, der gleichberechtigt neben 2001 steht. Dick erlebte die Premiere jedoch nicht mehr.

Nachdem sich 1990 der Schwarzenegger-Streifen Total Recall ebenfalls bei einer Dick-Erzhlung bediente, scheint der Schriftsteller zu einer beliebten Drehbuch-Grundzutat geworden zu sein. Seit dem Jahr 2000 wurden bereits fnf weitere Werke mit wechselhafter Qualitt adaptiert, am bekanntesten wohl Steven Spielbergs Minority Report. Im nchsten Frhjahr wird dann Matt Damon in The Adjustment Bureau ebenfalls durch Dicks Fantasien streifen, und eine kleine Suche im Internet offenbart bereits vier weitere Projekte. Die wichtigste Verfilmung von Dicks Werk drfte dabei A Scanner Darkly sein, der ungewhnlich nah an seiner Vorlage bleibt. Damit nicht genug Dicks Geschichte ber einen Undercover-Drogenfahnder, der immer tiefer in der Szene versackt und die Realitt schlielich selbst nicht mehr eindeutig bestimmen kann, weist Parallelen zum Leben des Autors auf. Dessen Haus galt eine Zeit lang genau wie das seiner Hauptfigur als Treffpunkt fr zwielichtige Gestalten. Regisseur Richard Linklater fand den idealen Stil fr den surrealen Realittsverlust; seine Filmbilder sind nachtrglich mit Zeichnungen berdeckt worden, was smtliche Sehgewohnheiten ber den Haufen wirft.

Eine passende Illustration der Vorstellungen eines Schriftstellers, der Drogenerlebnisse und gttliche Visionen, zahlreiche gescheiterten Ehen und einen Selbstmordversuch in seinem Lebenslauf vorweisen kann. Auch wenn Philip K. Dicks Werk den Blick in die menschliche Psyche richtet, gibt es eine wichtige Parallele zu Arthur C. Clarkes Betrachtung des Universums, das den Menschen umgibt. Beide beschftigten sich meisterhaft mit der Wahrnehmung dessen, was eigentlich nur im Phantastischen angesiedelt wird. Das Leben, das Universum und der ganze Rest - viel mehr und viel weniger kann man von Science-Fiction-Literatur nicht erwarten.

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