campus-web Bewertung: 3,5/5
   
Nicht schon wieder ein Roman ber die Selbstfindung moderner, leicht promiskuitiver, leicht neurotischer, leicht unsicherer Frauen. Sex and the City lsst gren. Das mag man denken, liest man den Titel Ich wr gern wie ich bin in Verbindung mit dem Klappentext. Aber man irrt sich, zumindest zur Hlfte. Bereits nach dem Lesen der ersten zehn Seiten berrascht yehaug mit Tiefgang. Sie gibt einen derart grndlichen, plastischen und berzeugenden Einblick in die Charaktere und die Gedankenwelt der Protagonisten, dass man das Gefhl bekommt, man msste ganz leise und heimlich lesen, um nicht als Voyeurist enttarnt zu werden.

Indes ist yehaug eine Art Fhrerin durch den Roman, in dem man sich vorkommt, als ginge man in eine Ausstellung. Ausgestellt sind die Leben vllig verschiedener Menschen, die sich mehr oder weniger zufllig begegnen. Episodisch dargelegt erklrt die Autorin dem Leser, wen man sieht, was er oder sie tut, warum und was diese Person dabei denkt. Scheinbar beilufig, immer geschickt, manchmal weit ausgeholt, aber nie bertrieben oder unglaubwrdig, verflicht sie die Geschichten der Dargestellten.

Gunnhild yehaug Ich wr gern wie ich bin

Verlag: Suhrkamp
Erschienen: 2010
Genre: Contemporary
ISBN: 978-3518461792
Bindung: Taschenbuch
Preis: 13,90
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Worum es geht? Das Leben! Im weitesten Sinne. Um das Leben der Protagonisten und wie sie mit diesem und dem Universum klarkommen, im engeren. Um es im yehaug`schen Stil zu sagen, haben wir da zunchst Sigrid, die 23jhrige Studentin. Ihr bedeuten Van Goghs Sonnenblumen wirklich etwas. Deswegen hngen sie bei ihr an der Wand. Dann ist da noch Linnea, die Regisseurin, 27. Sie hat gerade eine Affre mit Gran, Professor fr vergleichende Literaturwissenschaften, 47. Trine, 32, ist Knstlerin, schwanger von einem Kurator, den sie wohl nie wieder sehen wird und denkt: Fuck. Sie also hinterfragen sich, ihr Sein und berhaupt einfach alles. Dabei geraten sie, alle sehr belesen und weltoffen, in eine Art Strudel aus Gedanken, bei dem man vom Betrachten eines einfachen Portrts schon mal zu der Frage nach dem Sinn des Lebens kommen kann.

yehaugs Strke ist die Ironie und der Sarkasmus im Unterton ihrer Erzhlweise. Trotz der Egozentrik aller Charaktere kann man nicht anders, als sie zu mgen. Obwohl, oder gerade weil, yehaug ihre Eitelkeiten, Schwchen und manchmal Pseudo-Intellektualitten vollstndig entlarvt, findet man sie liebenswert.

Alles in allem ist Ich wr gern wie ich bin ein gelungener Roman, der durch Witz, Lockerheit und eingebaute Fragmente der Popkultur besticht, phasenweise aber etwas ermdend wirkt.
Unwillkrlich wnscht man: Leb doch einfach mal! Es ist nicht schlimm, wenn man nicht jeden Tag ber den Sinn des Lebens philosophiert. Nicht alles muss eine Bedeutung haben. Manches ist eben einfach nur da, um schn zu sein.

Also: (Dieses) Buch schnappen, lesen und einfach mal sein.

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