Team des Ringbuch Verlag
   
Sechs Studierende der Berliner Humboldt-Universitt grndeten im Juli 2008 einen eigenen Verlag. Ziel war es, zu einem gnstigen Kaufpreis wissenschaftliche Arbeiten von Studierenden und Hochschulabsolventen in Buchform herauszugeben. Ihren Verlag nannten sie Ringbuch Verlag, um beim Leser die eigene Studienzeit in Erinnerung zu rufen, whrend der er stets mit Ringbchern arbeitete. Dementsprechend ziert jedes der acht Bcher des Verlags mit wissenschaftlichen Arbeiten Studierender ein seitlich aufgedruckter Ringbucheinband. Die Verffentlichungen des Ringbuch Verlags sind im Buchhandel und in Universittsbibliotheken erhltlich und haben stets ihre ganz eigene Geschichte. campus-web sprach mit Belinda Bindig und Lydia-Maria Ouart vom Ringbuch Verlag ber die Verlagsgrndung, sein Programm, und darber, wie sich der Verlag eigentlich finanziert und seine Projekte bewirbt.

Ngel mit Kpfen machen: Der Weg zur Verlagsgrndung

Vor der Verlagsgrndung hatten drei der Mitstreiter, Belinda Bindig, Andrea Vetter und Sebastian Mohr, die feldnotizen, eine studentische Zeitschrift am Institut fr europische Ethnologie der Humboldt-Universitt zu Berlin, ins Leben gerufen. In den feldnotizen werden ausgewhlte, studentische Hausarbeiten aus dem Fachbereich Europische Ethnologie, teilweise aber auch institutsbergreifend aus anderen Fachbereichen wie Politik, Geschichte oder Kunstgeschichte, verffentlicht. Nachdem die feldnotizen zwei Ausgaben lang als so genannte graue Literatur ohne ISBN-Nummer erschienen, wollten die Herausgeber sie in einer Form verffentlichen, in der sie auch ber Buchhandlungen bestellbar sind. Wie Anfang 2008 die Idee einer eigenen Verlagsgrndung entstand, beschreibt Belinda folgendermaen: Wir haben uns ein paar Verlagsprofile angeschaut, die uns nicht besonders gefielen. Schlielich berlegten wir uns recht spontan, selber einen Verlag zu grnden, um die Zeitschrift herauszubringen und auch andere studentische Werke zu verffentlichen. Wir haben sozusagen Ngel mit Kpfen gemacht.

Belinda Bindig, Sebastian Mohr, Lydia-Maria Ouart, Matthias Schbe, Andrea Vetter und Georg Weichardt meldeten zusammen ein Gewerbe an und grndeten eine GbR (Gesellschaft brgerlichen Rechts). Damit waren sie nun offiziell ein Verlag mit eingetragenem Namen. Danach gingen sie zur MVB (Medien Vermarktung Bremen GmbH), einer zentralen Institution, die alle ISBN-Nummern verwaltet. Dort kauften sie dann eine Liste der begehrten Zahlenfolgen.

Wir sind nur zu sechst und mssen schon alle bei allem irgendwie anpacken.

Alle Verlagsmitarbeiter sind durch Jobs und Projekte auch anderweitig eingebunden und haben oft nur eingeschrnkt Zeit fr die Verlagsarbeit. Zwei von ihnen studieren noch. Die Zustndigkeitsbereiche im Verlag sind demgem kooperativ geregelt. Es ist immer so, dass wir alle von allem etwas mitbekommen. Wir besprechen und planen stets gemeinsam die Projekte und die Organisation der damit verbundenen Aufgaben, so Lydia-Maria. Zur besseren Organisation wurden trotzdem intern grobe Kernbereiche festgelegt. Die Buchhaltung macht Lydia-Maria. Matthias, der Medientechnik studiert hat, ist sehr hufig fr das Layout zustndig. Andrea und Sebastian gewinnen Projekte fr den Verlag und betreiben Akquise und Auenkommunikation. Belinda und Georg koordinieren vor allem den Vertrieb. Sie berlegen, bei welchen Veranstaltungen und in welchen Locations Bcher verkauft werden knnen. Das Lektorat und Endlektorat machen schlielich meistens Andrea, Belinda, Lydia-Maria und Sebastian.

Eine Art Belohnung fr Studierende Ziele des Ringbuch Verlags

Auf drei Anliegen grndet sich die Verlagsphilosophie des Ringbuch Verlags. Das erste und wichtigste Ziel beschreibt Lydia-Maria folgendermaen: Wir finden es schade, dass viele gute Texte von Studierenden hufig nur fr die Schublade des Professors geschrieben werden. Es soll fr die Studierenden eine Art Belohnung sein, endlich ein Ergebnis in Form eines Buches in der Hand zu haben, welches einen selbst verffentlichten Text enthlt. Ein weiteres Anliegen des Ringbuch Verlags ist es, Studierenden durch ihre Mitarbeit an Projekten dabei zu helfen, ihre Art zu schreiben zu verbessern. Zu ihren beiden regelmig erscheinenden Zeitschriften feldnotizen und Fensterplatz bieten die Mitarbeiter des Ringbuchverlags jhrlich Workshops und Seminare an. Lydia-Maria meint im Gesprch: Das Handwerkszeug, das wir erlernt haben, mchten wir gerne an andere Studierende weitergeben.

Zustzlich sieht das Team auch eine Schnittstelle zwischen studentischem Lernen, studentischer Wissenschaft und einer ffentlichkeit. Ich packe meinen Koffer. Eine ethnologische Spurensuche rund um OstWest-Ausreisende und Sptaussiedelnde, die erste Einzelpublikation des Ringbuchverlag aus dem Jahre 2009, behandelt die besonderen Probleme und Identittskonflikte von Ausreisenden und Sptaussiedlern, die von der DDR in die BRD, von der BRD in die DDR und aus den so genannten Ostblockstaaten in die BRD bergesiedelt sind. Diesen Herbst organisierte der Ringbuch Verlag eine Lesung im Berliner Bezirk Marienfelde mit Autoren, die im Studienprojekt zu diesem Thema geforscht haben. ber ihre Texte und Forschungsergebnisse diskutierten die Autoren bei der Lesung mit anwesenden Anwohnern des vorgestellten Berliner Bezirks. Lydia-Maria berichtet ber diese Veranstaltung: Das hat groen Spa gemacht und war eine tolle Gelegenheit, bei der das, was Studenten an der Uni lernen und produzieren, wieder zurck zu Leuten getragen wird, ber die geschrieben wurde. Die Themen stoen hier dann auf besonderes Interesse.

Frdertpfe im universitren Bereich

Ein Anliegen des Ringbuch Verlags ist es auch, mglichst preiswerte Bcher zu verffentlichen. Projekte, die an den Ringbuch Verlag herangetragen werden, mssen die Druckkosten und die Kosten fr das Layout und das Lektorat deshalb selber mitbringen. Der Ringbuch Verlag selber kann Projekte nicht finanzieren. Wenn z. B. die Teilnehmer von Studienprojekten, bei denen gute Aufstze entstanden, diese nun gesammelt in Buchform beim Ringbuch Verlag verffentlichen wollen, werden sie von den Verlagsmitarbeitern hinsichtlich potentieller Frdertpfe beraten. Lydia-Maria erklrt die Vorgehensweise des Verlages dabei folgendermaen: Wir berlegen dann gemeinsam, welche Stiftung das interessant finden und den Autoren Geld geben knnte, wovon sie uns einen Anteil fr Druck und Herausgabe bezahlen und sie vielleicht auch noch eine Veranstaltung durchfhren knnen.


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