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Wenn man einen Superhelden vom Comic auf die Leinwand bringen mchte, muss man scheinbar immer einen bestimmten Teil der Vorlage bercksichtigen: Die origin story. Warum bekmpft Batman das Verbrechen, woher hat Spider-Man seine Superkrfte? Ans Eingemachte darf man erst, wenn man erklrt hat, was der ganze Kram berhaupt soll. Da liegt es eigentlich nahe, dass man sich auch mal mit den origin stories einer anderen Gattung von Superhelden auseinandersetzt den Rockstars.

Mirjam Kolb und Manuel Schneider sammeln in ihrem Band My Way into RocknRoll gleich 34 Geschichten von jungen Menschen, die irgendwie bei der Musik landen und schlielich einen Plattenvertrag bekommen. Die Zahl wirkt ein wenig zufllig, und sie ist es auch. Und auch die Auswahl der Knstler scheint ein wenig all over the place. Die Autoren haben sich hauptschlich auf die Indie-Szene konzentriert, ein paar gerade noch coole Rockmusiker aus dem Mainstream sind auch dabei. Herkunftslnder der Befragten sind natrlich Grobritannien und die USA, aber auch Deutschland. Da das Werk nur den deutschen Markt erreicht, kann man die heimische Szene natrlich nicht so gut ausklammern wie vergleichbare junge Talente aus dem restlichen Europa oder anderen Ecken der Welt (zugegeben, Phoenix haben sich als Vertreter Frankreichs auch noch eingeschlichen). Einen richtigen gemeinsamen Nenner gibt es dagegen nicht. Vielleicht haben wir es hier mit der Schnittmenge der Kolb-Schneiderschen Plattensammlung zu tun.

Das erste Kennenlernen

Und vielleicht sind dies hier nur die Knstler, die den Fragebogen zurckgeschickt haben, den sie ausfllen sollten. Zur besseren Vergleichbarkeit der Lebenswege wird jeder Musiker mit denselben zwlf Fragen konfrontiert. Das Kindesalter beim Musikunterricht und der Weg zur ersten Platte werden erfragt. Dann gehts nicht mehr um den Karrierebeginn, sondern um Einblicke la Wie bringt man Tour und Privatleben unter einen Hut ?". Thees Uhlmann von Tomte nennt dies im Vorwort Fragen, die wir selber einer sympathischen Person in einer Bar beim ersten Kennenlernen stellen wrden.

Mirjam Kolb & Manuel Schreiner My Way into RocknRoll

Verlag: Edel Germany
Erschienen: September 2010
Genre: Musik/Interview
ISBN: 978-3941376205
Bindung: Broschiert
Seiten: 240
Preis: 18,95
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Das mit dem ersten Kennenlernen ist da vielleicht gar nicht so falsch. Auerhalb der oben erwhnten theoretischen Plattensammlung wird man nur selten einen Hrer finden, dem bereits alle Bands gelufig oder hrenswert sind. Aus Deutschland kommen neben Element Of Crime und Tocotronic (von denen nur der nachtrglich dazugestoenen vierte Mann interviewt wurde) auch Tomte, Get Well Soon und Polarkreis 18 hier werden fast schon Generationen zusammengefasst. Neben einem Oasis-Mitglied gibts dann noch die Snger von Bloc Party und Travis (beide bewerben dieses Jahr Solo-Platten und freuen sich bestimmt ber die Aufmerksamkeit). Danach landet man schnell bei britischen Indie-Aufsteigern und Szene-Hypes, die hierzulande wohl nur Eingeweihten bekannt sind. Und jetzt mal ehrlich wer kann schon auf Anhieb Bandnamen wie Silversun Pickups (nicht britisch) oder Two Door Cinema Club (britisch) zuordnen? Und wer steht bitte schn auf die talentierten Underdogs und ertrgt gleichzeitig Mainstream-kompatible Acts wie The Gaslight Anthem, die hierzulande bestimmt als One-Hit-Wonder im Gedchtnis bleiben?

Wegweiser zum Ruhm, Leitfaden zur Kontaktaufnahme

Ein Blick in den Fragenkatalog weckt schlielich den Verdacht, dass die Autoren hier nicht nur den Fans der Musiker einen Gefallen tun wollen. Explizite Fragen nach Musikunterricht, der Fhigkeit zum Notenlesen (die kaum ein Indie-Musiker mitzubringen scheint, da man fr Rock-Musik eben keine Noten braucht) und der ersten Band klingen nach einem Wegweiser fr hoffnungsvolle Indie-Kids, die auch mal gerne money for nothing and chicks for free htten. Wenn die es geschafft haben, warum nicht auch ich? Schlielich sind auch die Superhelden des Rock nur Menschen wie du und ich. Blo mit Plattenvertrag.

Wissen ist natrlich keine Macht in der Musik, aber Unwissenheit ist auch keine, so lautet eine gar nicht mal so schlechte Weisheit vom Element Of Crime-Frontmann und Herr Lehmann-Autor Sven Regener. Selbstverstndlich sind die Ausfhrungen der Musiker irgendwie interessant, und trotz des festen Rahmens der Fragen schaffen es die meisten doch, ihre Geschichte lebendig zu erzhlen. Wo nicht nachgehakt wird, schreibt man eben selbst ein wenig mehr auf den Fragebogen. Und da man den Band kaum am Stck lesen kann, wird man wenigstens durch die Aufmachung wieder zum Nachschlagen animiert; Fotos aus Kindheit und Karriere werden durch ein Sammelsurium von Flyern, Plattencovern und anderer Andenken ergnzt. Zwingend notwendig wird das Buch fr den Musikfreund dadurch natrlich nicht. Als Geschenk fr den Bekannten, der sich genau wie die Autoren gerne vor Indie-Plattenlden in Szene setzt, ist My Way into RocknRoll durchaus brauchbar. Als Leitfaden fr die Kontaktaufnahme zu sympathischen Personen in Bars sollte man den Fragebogen dagegen nicht benutzen. Auch nicht bei Superhelden. Die sind bestimmt schon genervt, weil sie jeder als erstes nach der Herkunft ihrer Krfte fragt.


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