Wolfgang Kaes
   
 

   
Kaes neuer Thriller handelt von Zoran Jerkov, der 12 Jahre lang wegen Mordes unschuldig inhaftiert war und nach seiner Entlassung Rache schwrt, von Kristina Gleisberg, einer jungen Journalistin, die Zorans Freilassung erzwang und von David Manthey, einem ehemaligen Polizisten und Jugendfreund Zorans, der sich auf die Suche macht, um diesen zu finden.
Als die ersten Menschen sterben, setzt sich Manthey mit Gleisberg in Verbindung. Gemeinsam erkennen sie, dass Zoran Jerkovs Verhaftung weniger das Ergebnis eines Justizirrtums, sondern vielmehr das einer Intrige eines Mdchenhndlerrings war. Manthey wei, dass er nicht viel Zeit hat, um seinen Freund zu finden.

Ein Polizeireporter mit dem richtigen Gespr fr Spannung

Als der Einlass beginnt, dauert es nicht lange bis alle Pltze in der Buchhandlung besetzt sind. Einige aus dem Publikum unterhalten sich mit ihren Nachbarn, andere bestellen sich etwas zu trinken.
Als Kaes die Bhne betritt, wird er kurz von einer Mitarbeiterin der Buchhandlung Bouvier vorgestellt. So erfhrt das Publikum, dass der mittlerweile leitende Redakteur des Bonner General-Anzeigers 1958 in der Eifel geboren wurde und bereits whrend seines Studiums eine Arbeit als Polizeireporter begann. Mit Bitter Lemon verffentlicht er seinen fnften Roman.
Als anschlieend die Lesung beginnt, kehrt vllige Ruhe in dem Raum ein. Das Publikum lauscht aufmerksam Kaes' ruhiger Stimme, whrend er aus seinem Roman vortrgt.
Der Autor versteht es, seine Zuhrerschaft zu fesseln: Anstatt mit dem Anfang des Buches zu beginnen, stellt er in seiner Lesung einige Figuren vor, indem er prgnante Auszge aus Bitter Lemon zu Gehr bringt, die jeweils mit einem Cliffhanger und daher mit vielen offenen Fragen enden.

Nie gab es mehr Sklaven als heutzutage oder: Was tut eigentlich die Politik?

Kaes entwickelte die Idee fr Bitter Lemon beim Lesen eines Berichts der Vereinten Nationen. In diesem stie er auf einen Satz, der so sehr in seinem Gedchtnis haften blieb, dass er begann, auf dem angesprochenen Gebiet zu recherchieren: Noch nie in der Menschheitsgeschichte gab es auf diesem Erdball so viel Sklaverei wie heute..

Whrend seiner Erkundungen lernte er die Arbeit von Benjamin Skinner, dem amerikanischen Journalisten und Autor des Buches Menschenhandel (A Crime So Monstrous), kennen. Skinner beschreibt in seinem 2008 erschienenen Werk sein Experiment: Er unternahm eine Reise mit dem Ziel, herauszufinden, wie schwierig es sei, eine Sklavin zu kaufen. Skinner startete am Hauptquartier der Vereinten Nationen in Manhattan und fuhr mit dem Taxi zum Flughafen. Dort nahm er die nchste Maschine nach Port-au-Prince, betrat einen Friseurladen und fragte nach Sklaven. Er bekam eine Adresse genannt, bei der man ihm ein junges Mdchen anbot. Sie sei unkompliziert: Sie brauche kein eigenes Zimmer, nur ein Handtuch auf dem Boden. Das sei sie gewhnt. Und er knne mit ihr machen was er wolle. Der Preis war geringer als der fr die Taxifahrt zum Flughafen, der Zeitaufwand betrug nur wenige Stunden.
Die Aktualitt der Thematik zeigt sich auch in der an die Lesung anschlieenden Diskussion ber den Menschenhandel, Zwangsprostitution und Kinderarbeit. An dieser Stelle werden auch kritische Fragen gegenber der Politik laut. So scheint es unverstndlich, wieso Politiker derart lange brauchen, um auf gesellschaftliche Vernderungen zu reagieren.

Eine Lesung, die nachwirkt

Die Lesung begann als spannender und unterhaltsamer Abend, der schnell an Tiefe gewann und zu ernsthaften politischen Fragestellungen fhrte.
Vielleicht wird das Phnomen Menschenhandel durch Bitter Lemon, welches noch an diesem Abend von vielen als signiertes Exemplar gekauft wurde, mehr in das Bewusstsein einer breiten ffentlichkeit rcken, sodass eine mangelnde Reaktion von Seiten der Politik nicht mehr ewig mglich sein wird. Was nach diesem Abend bleibt, ist daher ein mulmiges Gefhl, aber auch ein Fnkchen Hoffnung auf Vernderung.

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