Man kann die Spannung im Saal beinahe spren. Die letzten Gste trudeln nervs ein, es ist kein Platz mehr frei. Punkt 20:00 Uhr betritt Goldt die Bhne. Die Beleuchtung ist hnlich unspektakulr wie seine Erscheinung selbst. Er setzt sich, sieht flchtig in die Menge und bedankt sich, ebenso kurz, fr deren Erscheinen. Dann erklrt er, welche seiner Werke er lesen wird und dass das im Programm angekndigte Best of Titanic nicht dazu gehre. Denn es sei ja ein Bildband. Und los gehts.

Querschnitt durch ein Sammelsurium aus drei Jahrzehnten

In typischer Titanic-Manier war vieles der Rezitation etwas sarkastisch, etwas provokativ, etwas respektlos. Aber auch amsant. Daran bestand kein Zweifel. Die Zuhrerschaft machte eine Reise durch die 80er, sprang ab und an in die Gegenwart und machte Halt in den 90ern. Von New Yorker Apartment-Absurditten ber mittelmige italienische Gastronomie und japanische Albernheit bis hin zur Sprachkritik am Wort lecker war alles dabei. Die meisten Lacher erntete Goldt allerdings bei den weniger hohen Geistesflgen. Ein Beispiel: Warum sind gro-busige US-Brgerinnen unterhalb des besagten Busens immer schmutzig? Weil die amerikanischen Brausen exakt senkrecht ber der Duschenden installiert sind, sodass das Wasser keinen Weg vorbei am hgeligen Hindernis findet. Grlendes Gelchter. Bei jedem Anflug eines politischen oder als intellektuell zu bezeichnenden Scherzes erscholl zudem bertrieben lautes Lachen der Marke affektiert.

Max Goldt Routinierter Wortknstler

Dass Goldt ein ausnehmend begabter Schriftsteller und Rhetoriker ist, ist bekannt und unbestritten. Das belegen letztlich auch zahlreiche Preise. Dass er mindestens ebenso scharfsinnig und unterhaltsam ist, ist ebenfalls klar. Daran ist jedoch nichts Neues und genau das fehlte irgendwie. Leider berzeugte das Programm nur sehr begrenzt. Es wirkte oftmals wie eine Pflichtbung, in der aneinander gereihte Essays abgearbeitet wurden. Goldts Sprechart ist durchgngig angenehm und er betont an den richtigen Stellen. Jedoch wirkte das Ganze etwas zu routiniert.

Fazit

Wir sind von Max Goldt Besseres gewohnt. Schlielich gibt es einen Grund warum er vor ausverkauften Slen liest. Bekannt ist er bisher fr seine blendend helle moralische Intelligenz, wie Daniel Kehlmann sie beschreibt. Das eher halbherzige Durchziehen seines Abendprogramms ist eher ungewohnt. brigens: Ab Januar gibt es wieder seine berhmt berchtigte Doppelseite im Titanic-Magazin. Wir freuen uns drauf und hoffen Goldt wieder in seiner altbewhrten Fabelhaftigkeit zu erlesen.

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