Ruth Klger
   
Ich vermisse die alte, reife Frau in der Literatur.

Im Zusammenhang mit der Buchmesse gibt Radisch ihr Bedauern darber zum Ausdruck, dass im Vergleich zu den mnnlichen Autoren wenig alte, reife Autorinnen ihre Werke auf der Buchmesse vorstellen und rhmt Klger als lobenswerte Ausnahme. Als Beispiele fr Autorinnen, die sie auf der Buchmesse vermisst, nennt Radisch u. a. die bedeutende Lyrikerin Sarah Kirsch oder die Literaturnobelpreistrgerin Elfriede Jelinek und fragt offen, warum sich diese Autorinnen der Buchmesse entziehen.

Eine Kolumne mit Rezensionen zu Bchern ber Frauen

Schlielich kommt Radisch auf Klgers neuverffentlichten Essayband Was Frauen schreiben (2010, Zsolnay Verlag) zu sprechen, in welchem Klger erstmals gesammelt Besprechungen aus ihrer monatlichen Literarische Welt-Kolumne Bcher von Frauen ber bemerkenswerte Bcher mit berwiegend weiblichem Personal publiziert. Eine Generalisierung darber, ob Frauen grundstzlich anders lesen, welche Klger in ihren Essayband Frauen lesen anders (1996) als Behauptung in den Raum stellt, ist jedoch zu verallgemeinernd. In Klgers neuverffentlichtem Essayband findet sich so beispielsweise auch eine Rezension zu Henning Mankells Daisy Sisters (2009), in welchem er sehr anschaulich drei Generationen von schwedischen Arbeiterfrauen beschreibt. Wenn man diesen Titel ohne Kenntnis des Autornamens lese, wrde man von einem weiblichen Autor ausgehen, so Klger. Ihrer Leseerfahrung zufolge arbeiten Autorinnen Nebenfiguren besser aus und greifen vermehrt das Familienleben und die Kindheit thematisch auf.

Zurckhaltung gegenber Verallgemeinerungen wahren

Viele Frauen htten sich jedoch auch eine sogenannte mnnliche Schreibweisen angeeignet, wie etwa Christa Wolf oder auch Herta Mller, welche vergangenes Jahr den Literaturnobelpreis erhielt. Nach einer Gedichtzeile Mllers, deren Atemschaukel sie schtze, benannte Klger auch ihr zweites autobiographisches Werk, Unterwegs verloren.

Als empfehlenswerte Literatur nennt Klger weiterhin Agota Kristofs Roman Das groe Heft (1987). Jeder, der den Roman noch nicht kenne, habe die groe Freude vor sich, ihn noch lesen zu drfen. Klger outet sich jedoch im Gesprchsverlauf auch, der Skepsis Radischs zum Trotz, als begeisterter Fan von Joanne K. Rowlings Harry Potter-Romanen (1997-2007) und bezeichnet diese als so eine Art Kinder-Proust. Harry sei stets auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Ihre Kolumne mit Rezensionen zu lesenswerten Bchern von und ber Frauen wird Ruth Klger fr das Branchenblatt Literarische Welt fortsetzen.

Gegen Ende des kurzweiligen Gesprchs werden die Zuschauer nach vielfltigen Hinweisen zu entdeckungswerten Romanen mit Klgers exklusiver Buchmesseempfehlung, Eva Kollischs Roman Der Boden unter meinen Fen (2010), wieder in das gerusch- und eindrucksvolle Messegeschehen entlassen.

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