Halle 3
   
Unendliche Weiten: Acht Hallen mit 172.000 Quadratmetern Ausstellungsflche, 7.539 Aussteller aus 111 Lndern von Albanien bis Vietnam, ber 400.000 ausgestellte Titel, davon ber 120.000 Neuerscheinungen. Die Frankfurter Buchmesse ist die grte Buch- und Medienmesse weltweit. Bis ins 11. Jahrhundert lassen sich die historischen Wurzeln zurck verfolgen. Doch wer sich an den fnf Messetagen mit den ber 279.000 anderen Besuchern durch die sauerstoffarmen Hallen drngt, stellt sich irgendwann zwangslufig nur noch die eine Frage: Wer soll das alles lesen?

Eine Anleitung nicht am berangebot zu verzweifeln

Dass man in einem Menschenleben nur einen mikroskopisch kleinen Teil all dieser Bcher lesen kann, wird jedem Otto-Normal-Leser bereits nach wenigen Sekunden Bcherrummel klar. Wenn man diesen Gedanken erst mal akzeptiert hat, sollte man sich als Messebesucher am besten direkt der zweiten unausweichlichen Wahrheit stellen: Man kann unmglich alles angucken, was Einen interessiert. Und wie soll man auch den berblick behalten, bei zustzlich fast 3.000 Lesungen, Preisverleihungen, Vortrgen und Signierstunden? Die Antwort lautet: berhaupt nicht. Sich-treiben-lassen lautet das Geheimrezept. Nicht traurig sein ber das, was man verpasst, sondern sich freuen ber alles, was sich einem unvermittelt in den Weg stellt.

Wer sich zum Beispiel ausnahmsweise mal nicht mit den geschriebenen Worten zwischen Buchdeckeln beschftigen will, kann die Zeit nutzen, um die Kunst des Stand-Baus unter die Lupe zu nehmen. Whrend die Groen auf altbewhrten Schick nach neusten innenarchitektonischen Erkenntnissen setzen, sind es gerade die kleineren Independent-Verlage, die mit viel Liebe zum Detail ihre eigenen drei Wnde gestalten, sei es der Hamburger mairisch-Verlag mit selbstgeklebter Retro-Tapete oder der Berliner Onkel & Onkel Verlag mit einer eigens entworfenen Tischauflage, auf der die Bcher wie Puzzleteile in - ihrer Gre entsprechenden - Ausbuchtungen gelegt werden.

Der Insider-Tipp

Und berhaupt ist die Halle 4.1 der place to be, wenn man wirklich Neues entdecken will. Denn hier findet man die Verlage, die jenseits vom Mainstream mit viel Herzblut ihren Traum vom guten Buch verwirklichen. Da sitzen die Autoren entspannt mit den Verlegern auf gelegentlich nur vier Quadratmetern und teilen ihre Butterbrote. Und wenn gerade nicht ber neue Bcher und den Messetrubel im Allgemeinen getratscht wird, geht es oftmals auch um weltliche Dinge, wie die Frage, wie man das perfekte Schnitzel brt. Der Bahnhofsatmosphre zum Trotz lohnt es sich dann auf den Holzbnken der Leseinsel der unabhngigen Verlage Platz zu nehmen und den frischen, neuen Stimmen zu lauschen, die die jungen deutschen Verleger aus ihren Hten zaubern.

Der Letzte macht das Licht aus!

Aber ob man sich systematisch von Aufbau bis Zsolnay Verlag durcharbeitet, die Halle des Gastlandes Argentinien erforscht, sich in den Fachbereichen ber die Zukunft des Buches informiert oder die Manga-Kinder mit ihren teils grotesk hsslichen Verkleidungen beobachtet: Nach fnf Tagen Messe reicht es selbst dem berzeugtesten Messe-Messi und er ist froh, dass der Buchzauber vorbei ist und er sich in die vllig berfllten S-Bahnen und Zge gen Heimat bewegen darf. Und dort, im ICE zwischen Frankfurt und Hamburg, Berlin oder Mnchen, kann man auch endlich wieder das zu tun, fr was die letzten Tage keine Zeit war: Lesen.

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