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"Mit herzlichen Gren" eine Floskel wie "Bitte" und "Danke". Eine Floskel im Geschftsleben, mit der nahezu jeder Brief, jede E-Mail endet. Eine Floskel ohne Bedeutung. Von Herzen kommen diese Gre nur selten. Andrea Bajani fhrt in seinem gleichnamigen Roman diese Worte ad absurdum, gibt ihnen einen bitteren und zynischen Beigeschmack. Die Worte bedeuten hier nur eins fr ihre Empfnger: Arbeitslosigkeit. Und damit Hoffnungslosigkeit, Existenzangst, Selbstzweifel.

Andrea Bajani - Mit herzlichen Gren

Verlag: dtv
Erschienen: Juli 2010
Genre: Satire
ISBN: 978-3-423-24793-1
Bindung: Taschenbuch
Preis: 12,95
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Bajanis Protagonist hat den sichersten Posten in seiner Firma: In einem Wettbewerb entpuppt er sich als der kreativste und begabteste Verfasser von Kndigungsschreiben. Seine Schreiben sind frei von jeglicher Sachlichkeit. Sie klingen wie eine Ode an den Empfnger: schmeichelnd, mitfhlend, verstndnisvoll. Schildern diesem seine Zukunft ohne Arbeit wie das Paradies auf Erden. Und das macht sie umso zynischer, umso bser.

"Mit herzlichen Gren" liest sich beinahe wie eine Chronologie, ein Tagebuch. Die Hauptfigur schildert nchtern und sachlich die firmeninternen Entwicklungen. Neben der Arbeit kmmert er sich um die Familie eines krzlich entlassenen Kollegen, der im Sterben liegt. Auch hier findet der nennen wir ihn Chronist kaum warme Worte. Im harten Gegensatz dazu stehen die Kndigungsschreiben: sie sind voller Poesie, enthalten malerische Metaphern und die schnsten Schmeicheleien. Und immer enden sie "mit herzlichen Gren". Bajani kehrt typische Schreibmechanismen um und setzt dies konsequent als Stilmittel ein, welches die Klte des Inhalts sprbar werden lsst. Bajani provoziert mit seiner distanzierten Erzhlweise, gibt dem Leser Rtsel auf, lsst ihn fast ratlos zurck.

"Mit herzlichen Gren" ist ein Zeugnis unserer Zeit. Einer Zeit, in der Arbeitslosigkeit eine der grten Existenzbedrohungen darstellt und die fr viele zur bitteren Wahrheit wird. Viel Hoffnung hinterlsst das Buch nicht, nur eine Floskel, die nur noch pure Ironie bleibt: "Mit herzlichen Gren".

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