campus-web Bewertung: 2/5
   
Wie baut man schnell und einfach Spannung auf? Nichts leichter als das: Man behauptet einfach, dass gerade etwas Spannendes passiert. Mit etwas Glck schluckt das Publikum den Hinweis, und der Rest erledigt sich von selbst. Schnell und einfach bringt aber auch Nachteile mit sich, wovon man sich anhand von Jonathan Barnes Horror-Roman Das Knigshaus der Monster selbst berzeugen kann.

Barnes erzhlt die Geschichte durch die Erinnerung seines Protagonisten: Henry Lamb schreibt selbst ein Buch, und zwar ber die unheimlichen Ereignisse, die ihn und ganz London in jngster Vergangenheit heimgesucht haben. Selbst in den Prolog, der Jahre vor Lambs Geburt spielt, bringt die Hauptfigur eigene Erkenntnisse ein. Und immer wieder deutet Lamb an, dass da was passieren wird in seiner Erzhlung. Denn es ist ja schon passiert. Und wenn er zu diesem Zeitpunkt in der Vergangenheit schon gewusst htte, was noch passieren sollte... Um was es genau geht, verrt er seinem Leser aber erst mal nicht. Auf diese Weise ist das Ganze ja direkt viel spannender, nicht wahr?

Jonathan Barnes Das Knigshaus der Monster

Verlag: Piper
Erschienen: Februar 2010 (Taschenbuch)
Genre: Horror
ISBN: 978-3-492-26750-2
Bindung: Taschenbuch
Preis: 9,95
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Das erste Drittel des Buches verluft dementsprechend gemchlich. Henry Lamb ist ein recht unscheinbarer Mensch mit einem ziemlich langweiligen Leben. Bis er eines Tages einen neuen Job erhlt beim Direktorium, einer Geheimorganisation, die London vor bernatrlichem bel schtzt. Der Eingang zum Hauptquartier ist in einem Riesenrad versteckt, und ein wenig fhlt man sich an die Absurditt vergleichbarer Organisationen in Men In Black oder Hellboy erinnert. Die abgebrhten Agenten wirken entsprechend wie ein Kuriosittenkabinett. Allen voran Chef Dedlock, der in einem Wassertank sitzt und durch Kiemen atmet.

Henry kann diese Truppe nur durch eins untersttzen: Seine Herkunft. Sein Grovater hatte im Direktorium gearbeitet, und nun bentigt man einen Menschen mit hnlicher DNS. Ansonsten ist Henry wertlos, was ihn in eine illustre Riege britischer Anti-Helden wie Arthur Dent aus Per Anhalter durch die Galaxis einreiht. Der steife, mausgraue Englnder, der pltzlich mit ungebremster Phantastik konfrontiert wird ein Garant fr schrgen Humor. Den Vergleich vergisst man aber besser sofort wieder, denn Henry Lamb bietet wenig. Vor allem wenig zu lachen.

Von Knigshusern und Monstern

Dabei knnte es noch alberner kommen: Gegner des Direktoriums scheint niemand anders als das britische Knigshaus zu sein. Da die Royals heute eigentlich nur noch in der Klatschpresse ernst genommen werden, knnte man sich hier ebenfalls auf einen offensichtlichen Spa einstellen. Autor Barnes stellt sich vorsichtshalber zwischen die Sthle, indem er den Familiennnamen Windsor zwar bernimmt, jedoch keine realen Personen verwendet. Sein Knigshaus ist somit vollkommen fiktiv, jegliche Parodie der Wirklichkeit erstickt im Keim. Und man merkt schnell: Wer sich auf ein phantastisches Abenteuer mit komdiantischen Untertnen eingestellt hat, wird schwer enttuscht. Zu lachen hat man praktisch gar nichts. Henry ist manchmal ein stinknormaler Ermittler in einem paranormalen Fall, oft aber nur ein Fuabstreifer. Dem Thronerben der Windsors geht es da hnlich: Wenn er nicht gerade per Seitenhieb zum Versager abgestempelt wird, wird er zum hilflosen Spielball der dsteren Mchte.

Aber eigentlich geht es ja auch gar nicht um Das Knigshaus der Monster, wie der deutsche Titel nahelegt. Das Monster, welches das Knigshaus benutzt wre da schon treffender. Hauptproblem scheint nmlich ein Wesen zu sein, das sich an den Verstand-kontrollierenden Tentakelmonstern von H.P. Lovecraft orientiert. Leviathan nennt sich das Ungetm, das durch die Windsors London unterjochen will. Findige Leser denken hier vielleicht an die Staatstheorie des Thomas Hobbes und versuchen, eine erhellende Verbindung zwischen Leviathan und Knigshaus herzustellen. Wahrscheinlicher ist aber, dass man sich darum gar nicht erst kmmert so interessant ist die Geschichte nun auch wieder nicht. Nachdem Henrys Erzhlung im ersten Drittel den Plot so gut wie mglich verschleiern wollte, wird im zweiten Drittel alles explizit ausgesprochen was man sich so oder so hnlich jedoch eh schon gedacht hatte. Im letzten Drittel darf ein wenig mit der Apokalypse gespielt werden. Dabei gibt sich das Direktorium so nutzlos, dass man sich fragt, warum man ihm zuvor 300 Seiten Aufmerksamkeit gewidmet hat.

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