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Wir sind Heuchler, und die groen Korruptionsflle der letzten Jahre sind Lehrstcke an Heuchelei, schrieb Hans Leyendecker vor Kurzem.
Und tatschlich steht in Zeiten der globalen Wirtschaftskrise die Frage im Raum, ob Unternehmen neuer ethischer Grundlagen bedrfen. Aber was steckt eigentlich hinter diesem fabulsen Wort, das zynische Zeitgenossen auch gerne als Oxymoron, als inneren Widerspruch sehen? Gibt es so etwas wie Unternehmensethik berhaupt? Und wie ist sie geartet? Dieser Frage widmet sich Elisabeth Gbel in ihrer neu aufgelegten Monographie zur Unternehmensethik.

berzeugende Gliederung

Das Buch ist berzeugend aufgeteilt. Zuerst werden die Grundlagen der Ethik geklrt, anschlieend folgen Verhltnis und Beziehung zwischen Ethik und konomik. Auf diesen theorielastigen ersten Teil folgen die Bereiche, die eine angewandte Wirtschaftsethik abdecken soll: Was bedeutet Unternehmensethik? Wie haben Unternehmen mit ihren Adressaten umzugehen? Anschlieend bespricht die Autorin zuerst die strategische, dann die personale Seite von Verantwortung. Schlielich widmet sie sich den innerbetrieblichen und berbetrieblichen Institutionen des Unternehmens und ihrer Rolle in Hinblick auf moralisches Verhalten.
Bereits an der Einteilung des Buches wird klar, dass es sich vor allem an Studenten der Betriebswirtschaft wendet und etwas wirtschaftstheoretisches Grundwissen verlangt. So wird zwar grundlegendes Ethikverstndnis extensiv dargelegt, konomische Grundstzlichkeiten (Mikro/Makro) werden jedoch nicht geschildert.

Elisabeth Gbel - Unternehmensethik. Grundlagen und praktische Umsetzung

Verlag: UTB
Erschienen: 2010
Genre: Lehrbuch
ISBN: 978-3825227975
Bindung: Broschiert
Preis: 21,90
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Ein staubiger Einstieg

Was ist Ethik? Stringent, wenn auch nicht immer leicht verdaulich vermittelt das Buch einige Grundlagen der Ethik. Das menschliche Verhalten wird schon zu Beginn durch verschiedene Grundannahmen zu klren versucht.
Hieran anschlieend steht das Verhltnis zwischen Ethik und konomik zur Debatte. Im Laufe der Zeit htten sich die Disziplinen auseinanderentwickelt, urteilt Gbel in Kapitel II. Daher folgt eine Analyse verschiedener Modelle der Beziehung beider Bereiche. Zentral fr Gbel ist dabei die angewandte Ethik als Dialog zwischen Vertretern dieser Fcher, um abstrakte Prinzipien in der Realitt zu konkretisieren.
Auch die Modelle der marktwirtschaftlichen Rahmenordnung und der sozialkonomischen Rationalitt werden genau unter die Lupe genommen und hinreichend kritisiert.
Obgleich diese Grundlagen nicht gerade Unterhaltungsliteratur hchster Gte entsprechen, sind sie notwendige und wissenswerte Anlagen mithilfe derer man sich dem eher praktisch orientierten Teil des Buches zuwenden kann.

Das Ende der trockenen Theorie

Nach diesen staubtrockenen Worten gewinnt die Darstellung ab Kapitel IV, Bereiche angewandter Wirtschaftsethik, deutlich an Fahrt. Insbesondere dreht sich hier alles um die Darstellung der Akteure. Was leistet ein Konsument bei seiner Produktwahl? Was ist Produzentenethik, wie entwickelt sich die Investorenethik? Auf der anderen Seite geht es um die Rahmenordnung, die Makroebene der Wirtschaftsethik.

Verantwortungsstrategien

Wie muss sich das Unternehmen gegenber Mitarbeitern, Kunden, Zulieferbetrieben, dem Staat, NGOs verhalten? Wie trennt es legitime Ansprche der Stakeholder von illegitimen, welche Mittel stehen zur Verfgung, um diese zu erfllen? Das Management von Verantwortung ist Thema dieses achten Kapitels. Gbel geht auch hier systematisch vor. Sie betrachtet etwa Einzelaspekte wie z.B. Nachhaltigkeit und Tierschutz als ethisches Bewertungsprinzip. Anschlieend wird auf eine mgliche Interessenkollision eingegangen. Was passiert mit den Menschen, die vom Tropenholzabbau leben, wenn die Groabnehmer aus dem Markt aussteigen? (S. 187). Es bedrfe also einer sorgfltigen Abwgung solcher Hrten und Interessen. Pflichten, Gter und Werte helfen bei einer solchen Entscheidungsfindung.

Die Rolle des Menschen

Der interessanteste Aspekt der Unternehmensethik wird in Kapitel VIII beleuchtet: Die personale Komponente. Auf die Individualmoral der Wirtschaftsakteure zu setzen sei inzwischen veraltet, urteilen Ethiker wie Karl Homann. Gbel ergnzt dies anhand einiger berlegungen, kommt aber zu einem anderen Schluss. Gerade aufgrund der durch Gesetzeslcken und Globalisierung steigenden Mglichkeiten Einzelner wird Individualmoral immer wichtiger.
Auch das Verhalten gegenber Untergebenen wird thematisiert. Eine Umetikettierung von Gammelfleisch zu befehlen ist nicht nur illegal, sondern illegitim. Wirtschaftlich sind Mitarbeiter Humanressourcen, moralisch aber sind sie Zweck an sich und Personen mit Wrde.
Die gewnschte moralische Gesinnung solle dem Guten Prioritt gegenber dem Profitablen einrumen. Dies spiegelt sich auch in der Thematik des Nestbeschmutzers wider. Der ffentlichkeit unternehmerisches Fehlverhalten bekannt zu machen (Whistle Blowing) sei legitim solange dabei kein Geld fliet. Aber auch fr Mitarbeiter gelte ein Arbeitsethos: Loyalitt, Kollegialitt, Integritt.

Inner- und berbetriebliche Kontrollmglichkeiten

Die Kapitel IX und X beschftigen sich mit Anspruch, Mglichkeiten und Grenzen inner- und auerbetrieblicher Kontrollen und Institutionen vom unparteiischen Schiedsmann bis hin zu Controlling-Abteilungen oder etwa Schutzverordnungen fr Verbraucher, Anleger und Umwelt. Dabei wird deutlich gemacht, dass Betriebe Gesetze ignorieren und umgehen. Aber auch auf die Reichweite von Konventionen und Mglichkeiten von NGOs oder internationalen Organisationen wird hingewiesen. Abschlieend geht es um Kontrollmglichkeiten und Bestrafung durch den souvernen Verbraucher.

Kritikpunke

Trotz der zweiten Auflage gibt es einige Kritikpunkte anzumerken. Als empfundener Makel entpuppt sich die Zitationsweise. Die Kurzzitationen am Ende des Satzes stren den Lesefluss ungemein, zudem wird gelegentlich uneinheitlich zitiert. Funoten wren da wnschenswerter.
Anschaulich werden Infoboxen in den Text eingebaut, in dem prgnant Begriffe erlutert oder Ergebnisse zusammengefasst werden. Aber auch hier ist das Vorgehen uneinheitlich. Mal gehren diese Boxen in den Flietext, mal stehen sie mit ihm in keinem Verhltnis. Zudem tauchen durch diese insbesondere zu Beginn einige Bezugsunklarheiten auf.
Trotz einiger eingestreuter Beispiele lesen sich besonders die ersten drei Kapitel recht drge. Die reine Innerlichkeit des guten Willens (S. 30) ist nur ein Beispiel hierfr. Gbel wei um diesen Umstand, legt jedoch Wert auf die Notwendigkeit.
Da sich das Buch an angehende konomen richtet, werden wirtschaftliche Begriffe nicht weiter thematisiert.

Fazit

Was sagt uns dieses Buch? Der gewhnliche Leser erfhrt wenig Neues, was ihm sein gesunder Menschenverstand nicht bereits gelehrt haben sollte. Schtze die Umwelt, stelle Profit nicht ber alles, behandle deine Angestellten/Kollegen gut. Hre auf die Interessen deiner Kunden, halte dich an gesetzliche Regelungen, wenn die allgemeinen Werte dies fordern. Bereits im Vorwort stellt Gbel ihr Ziel heraus: BWLer und Fhrungspersnlichkeiten das ethische Verhalten nahezubringen, das im Studium oft zu kurz kommt.
Alles in allem aber gelingt die Darstellung von derzeitigem und mglichem richtigen Handeln sehr gut. Kompakt werden Themengebiete angeschnitten und trotz Einschrnkungen anschaulich erklrt. Was soll die Unternehmensfhrung leisten? Was knnen Kunden tun? Was sind die Richtlinien berbetrieblicher Institutionen? Wie sollen Unternehmen handeln und was sind Rechte und Pflichten von Mitarbeitern? Ein, zwei reale Beispiele mehr, einige Worterklrungen fr Nichtkonomen, und das Buch wre fr jeden uneingeschrnkt empfehlenswert

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