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Filmgeschichtsschreibung ist eine streitbare Wissenschaft. Oftmals viel zu umfangreich oder spezialisiert auf nur einen Teilaspekt, verpassen es zahlreiche Autoren, dem Leser einen geeigneten berblick zu verschaffen. Verwirrt durch die berflutung historischer Daten und Informationen bentigt der Leser dann mindestens drei weitere Bcher, um die filmgeschichtlichen Entwicklungen zu ordnen und zu verstehen.

Werner Faulstich ist sich diesem Problem offensichtlich bewusst. Denn er beweist durch sein Buch Filmgeschichte, dass es durchaus mglich ist, die Geschichte des Films bersichtlich und kompakt zu bndeln.

Filmgeschichte als Produktgeschichte

Im Vordergrund stehen nicht nur Avantgarde-Werke oder internationale Erfolgsfilme. Faulstich bercksichtigt auch reprsentative Durchschnittsfilme. Neben sogenannten Klassikern wie Panzerkreuzer Potemkin von Sergej Eisenstein oder Auer Atem von Jean-Luc Godard erlutert Faulstich immer wieder Mainstream Filme, bei deren Auflistung er auch Genre wie Horror, Science-Fiction oder Erotik nicht auer Acht lsst.

Zustzlich whlt Faulstich einen geeigneten Mittelweg zwischen einer exklusiv deutschen Filmgeschichte und einer universalistischen Perspektive. Obwohl hier insbesondere die Filmkultur zur Zeit des zweiten Weltkrieges eine herausragende Rolle spielt, nimmt er auch Bezug auf franzsische, italienische und amerikanische Filme. Beispielsweise skandinavische Alternativen erweitern dieses Spektrum zustzlich.

Werner Faulstich Filmgeschichte

Verlag: Wilhelm Fink Verlag / UTB Basics
Erschienen: 2005
Genre: Fachliteratur
ISBN: 3-7705-4097-2
Bindung: Taschenbuch
Preis: 16,90 Euro
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Acht historische Phasen

bersichtlich wird seine Filmgeschichte insbesondere durch die Einteilung der einzelnen Epochen in acht historische Phasen. Sie reichen von der Vor- und Frhgeschichte des Films mit dem Fokus auf technische Vorlufer und erste Filmproduzenten ber die Phase vom Stummfilm zum Tonfilm bis zur heutigen Digitalisierung. Stets ist dieser geschichtliche Rahmen gespickt mit Erluterungen zu berhmten Filmschaffenden und der Epochen-spezifischen Genrevielfalt. Neueste Entwicklungen wie 3D-Filme finden in diesem Buch jedoch keinerlei Erwhnung. Als jngster Film wurde Lost in Translation von Sophia Coppola aus dem Jahr 2003 bercksichtigt.

Faulstichs Filmgeschichte schafft dennoch einen gelungenen berblick ber alle wichtigen Wendepunkte der Filmgeschichte. In dessen Zentrum steht der narrative Kino-Spielfilm, umrahmt von wirtschaftlichen, politischen und sozialen Ereignissen.

Fazit

Ein Spezialist kann man durch dieses Buch nicht werden. So fehlen berlegungen zu entwicklungstechnischen Rckschritten oder Stillstnden sowie detailliertere Anmerkungen zur vernderten Wahrnehmung von Filmen. Doch wie Faulstich selbst in der Einleitung festlegt, ist das Buch ein Vorschlag fr die Basics eines Filmkanons. Und dieser Vorschlag bildet durch die vermittelten Grundkenntnisse, die zustzlich durch Merkstze und bungsaufgaben hervorgehoben werden, eine hervorragende Folie fr ein erweitertes Lernen.

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