Die Biennale Bonn steht diesmal ganz im Zeichen des Bosporus.
 Yangin Duasi (Feuergebet)
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 Evridike´Nin Cigligi (Der Schrei der Eurydike)
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Vielgeschmäht und kritisiert, aber doch lebendig: Die Künstlerszene der Türkei. Freie Entfaltung der Persönlichkeit und das Recht, ungehindert seine Meinung kundtun zu dürfen sind Wesensmerkmale einer modernen, liberalen und aufgeklärten Gesellschaft. Die Türkei möchte genau das, nach ihrem Selbstverständnis sein, eine Laizistische Demokratie.
Die diesjährige Biennale, die unter dem Motto Bosporus steht und vom 14. – 22. Juni stattfindet, eröffnet die Möglichkeit, genau dies unter Beweis zu stellen. An über 20 Spielorten findet ein spartenübergreifendes Programm statt, das einen Einblick in die Lebendigkeit und kulturelle Vielfalt der zeitgenössischen Kunst- und Kulturszene der Türkei ermöglicht.
Die Veranstaltungen werden zentrale Fragestellungen des Spannungsfeldes zwischen Orient und Okzident behandeln. Kann es "Jenseits aller Gegensätze" einen Konsens geben? Hier trifft der Säkularismus auf einen tief verwurzelten islamischen Glauben. Die Türkei will ein moderner Industriestaat sein, hält gleichzeitig aber an Patriarchat und traditionellen Konzepten von "Familienehre" fest. Wie wird sich der Weg der Türkei nach Europa gestalten? Wie verhält sich das Land den eigenen ethnischen Minderheiten gegenüber? Wie weit ist die Trennung zwischen Staat und Religion gediehen? Wo wird die Türkei in einigen Jahrzehnten stehen? Die Künstler werden viele heiße Eisen anpacken.
Auch das Schicksal von Migranten in Deutschland wird beleuchtet. Und darüber hinaus gibt es eine Reihe Inszenierungen, die frei von politischen und sozialen Fragestellungen einfach nur Kunst sein wollen. Gerade für die türkischen Künstler ist dies besonders wichtig. Kunst ist erst dann wirklich frei, wenn sie sich nicht rechtfertigen muss oder eine Existenzberichtung, eingebettet in sozialen Fragestellungen, sucht. So gibt es einige interessante Inszenierungen, die klassische Themen und Motive von der Antike über Dante, bis hin zu Shakespeare und T.S. Eliot, aufgreifen und "auf Türkisch" interpretieren.
Insgesamt ein Dutzend Theatervorstellungen, sieben Tanzproduktionen, fünf Literaturveranstaltungen, sechs Konzerte, 3 Partys, Filme, Ausstellungen, Podiumsdiskussionen und eine Ringvorlesung stehen auf dem Programm. Das reichhaltige Angebot, wird tiefe Einblicke in die Kultur eines Landes ermöglichen, in dem Tradition und Moderne, östliche und westliche Einflüsse miteinander ringen. Für die Türkei ist die Biennale eine hervorragende Gelegenheit unter Beweis zu stellen, dass sie zumindest in der zeitgenössischen Kunst auf der Höhe Europas angekommen ist.
Der Kartenvorverkauf läuft seit dem 3. Mai. Weiterführende Informationen gibt es unter: www.biennale-bonn.de
Autor: Dimitrios Athanassiou// Fotos: Müjdat Coban, Ersen Cörekci / 11.06.2008 | Artikel drucken |