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Thomas Franke ist auch im August fleißig: Die szenische Lesung der Novelle "Koxkox und Kikequetzel" von Christoph Martin Wieland findet im Theater "Die Pathologie" diesen Monat noch viermal statt: Am 13., 14., 27. und 28. August, jeweils um 20:00 Uhr. Ebenso präsentiert Franke den fünften Abend der Lesungen-Reihe "SEITEN-SPRUNG - Franke intertextualisiert klassische Bestseller". Am 15. August ab 20:00 Uhr stellt er unter dem Titel "Kafkas 'Ein Bericht für eine Akademie' - A Tribute to Leopoldo Lugones' 'Yzur'" die frappierende Ähnlichkeit beider Erzählungen zur Schau. So ganz nebenbei trägt er das eine oder andere seltsame Wort aus den Nachschlagewerken Ror Wolfs vor. "Hohe Herren von der Akademie! Sie erweisen mir die Ehre, mich aufzufordern, der Akademie einen Bericht über mein äffisches Vorleben einzureichen." So beginnt der allen wohlbekannte Schriftsteller Franz Kafka (1883 – 1924) seine Erzählung "Ein Bericht für eine Akademie", die er 1916/1917 schrieb. Ganz anders fängt die 1906 verfaßte Geschichte "Yzur" des argentinischen Dichters und Essayisten Leopoldo Lugones (1874 – 1938) an: "Ich kaufte den Affen in einem Zirkus, der Bankrott gemacht hatte." Beiden literarischen Werken liegt die Idee zugrunde, einen Affen in die menschliche Zivilisation einzufügen, wobei der Argentinier seine Idee zehn Jahre früher zu einer Geschichte machte. Deutsch erschien sie in einer Anthologie des Kurt Wolff Verlags, Leipzig, in dem ab 1913 auch Kafkas Werke veröffentlicht wurden. Nach der Erstveröffentlichung 1917 in der Zeitschrift "Der Jude" erschien "Ein Bericht für eine Akademie" 1919 im Rahmen des Bandes "Ein Landarzt": Der ehemalige Affe namens Rotpeter legt einer Akademie den Bericht über seine Menschwerdung vor. Der Gegenstand des Berichts ist aber, anders als von der Akademie gewünscht, nicht die Erinnerung an das äffische Vorleben, sondern die Schilderung des Anpassungsvorganges an die menschliche Zivilisation. Eingefangen von einer Jagdexpedition, monatelang verschifft in einem bedrückend engen Käfig auf einem Dampfe, sucht der Affe einen Ausweg. Er ahmt die Menschen nach, weil er meint, dadurch ebenso unbehelligt zu sein, wie sie es offensichtlich sind. Es wird behauptet, daß die im September 1908 und im April 1909 in einem Prager Varieté gegebenen Vorführungen eines dressierten Schimpansen Kafka zu seiner Erzählung anregten. Das kann sein, meint Franke, aber zu dem "Bericht für eine Akademie" existieren im Nachlaß Kafkas mehrere kleine Fragmente, die zusätzliche Ähnlichkeiten zu Lugones' "Yzur" aufzeigen: Da gibt es eine skurrile Begegnung mit des Schimpansen Impresario und der Beginn eines Schreibens seines zeitweise verrückt gewordenen ersten Lehrers. Lugones' Geschichte "Yzur" endet in einer Weise, daß der Lehrer des Schimpansen dem Wahnsinn anheim fällt… In seinem Werk "Las fuerzas extrañas" (Merkwürdige Kräfte), das 1909 erschien, experimentierte Leopoldo Lugones mit Gruselgeschichten und phantastischen Erzählungen, weswegen man ihn als einen der ersten Science-Fiction-Autoren des Kontinents betrachtet. Zusammen mit dem Erzählband "Cuentos fatales" (Fatale Geschichten, 1926) begründete Lugones die Tradition der argentinischen Kurzgeschichte, die für das gesamte 20. Jahrhundert so bedeutend werden sollte. Zwischen 1911 und 1914 lebte er hauptsächlich in Paris, bereiste Europa jedoch immer wieder. Franke vermutet, daß Kafka Lugones' Erzählung gelesen und sich davon hatte anregen lassen. Das ist mutig, und wahrscheinlich wird man ihn für diese Behauptung richten, aber wenn auch nur das, soll dieser Abend beweisen, daß zumindest Ideen kein absolutes Urheberrecht beanspruchen können. Zur Theaterhomepage.
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