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Die Wiederaufführung des rekonstruierten Mammut-Werkes „Metropolis“ wurde auf der diesjährigen Berlinale zum Massenspektakel, selbst die öffentliche Projektion am Brandenburger Tor wurde trotz klirrender Kälte zahlreich besucht. Zur Eröffnung der diesjährigen Bonner Stummfilmtage wird die Zukunftsvision aus dem Jahr 1925 nun ein weiteres Mal gezeigt. Seinen Platz sollte man sich rechtzeitig sichern – auch im Arkadenhof des Uni-Hauptgebäudes wird mit großem Andrang gerechnet. Aber auch sonst sollte man sich die Termine des Festes – den Zeitraum vom 12. bis zum 22 August – gut merken. Wer die Stummfilmtage dieses Jahr verpasst, kann nicht damit rechnen, im nächsten Jahr eine weitere Gelegenheit zu bekommen.

In der aktuell vorgeschlagenen Kürzung des städtischen Kulturhaushaltes ist die schon traditionelle Veranstaltung für das Jahr 2011 komplett gestrichen. Damit fiele für die Veranstalter nicht nur ein Drittel des Budgets weg – die Beteiligung der Stadt stellt ein Fundament dar, mit dem andere Geldquellen ebenfalls wegbrechen könnten. Und auch mit eingeschränkten Mitteln seien die Stummfilmtage im gewohnten Umfang nicht mehr umsetzbar, so Sigrid Limprecht, Geschäftsführerin des Fördervereins Filmkultur Bonn. Es ist eindeutig, dass hiermit nicht nur ein beliebiges Element im Freizeitangebot der Stadt wegfallen könnte: Die Stummfilmtage stellen durch ihre internationale Bedeutung eine große kulturelle Bereicherung für die Region dar. Was vor 25 Jahren als studentische Initiative begann, ist längst zum weltweit führenden Festival des Stummfilms geworden. Sollte eine Durchführung in Bonn nicht mehr möglich sein, wäre im Extremfall sogar eine Abwanderung nach Berlin oder München denkbar.

Heilsamer Kontrast zum Mainstream

Dabei sind die Stummfilmtage den Bonnern ans Herz gewachsen – die Besucherzahlen der vergangenen Jahre sprechen Bände. Die Finanzierung durch dieses Stammpublikum sei aber auch keine Option, Eintrittsgelder sollen definitiv nicht verlangt werden. Sobald die Filmkopien im kommerziellen Rahmen gezeigt würden, entstünden zusätzliche Lizenz-Kosten. Der Preis für den Zuschauer würde das Gelegenheitspublikum mit Sicherheit abschrecken, und man hätte wieder nur eine Nischenveranstaltung für das Fachpublikum. Prof. Dr. Jürgen Fohrmann, seitens der Uni Bonn an der Organisation beteiligt, betont im Gegensatz aber gerade die pädagogische Funktion: Nicht nur Filmstudenten und Experten sollten von Vorführungen der teilweise seltenen Werken profitieren, auch den Bürgern der Stadt gegenüber wolle man sich öffnen. Der „heilsame Kontrast zum Mainstream“ sei von großer Bedeutung.

Diesen Kontrast hat das Festival auch in seiner 26. Auflage verwirklicht. Nun stellt die rekonstruierte Fassung von „Metropolis“ natürlich ebenfalls eine Form des Mainstreams dar – es sei fast schon zu offensichtlich, diesen Film ausgerechnet jetzt zu zeigen, so Limprecht. Und auch „The Cameraman“, die berühmte Komödie mit Buster Keaton in der Hauptrolle, bietet leicht zugängliche Unterhaltung. Am anderen Ende des Spektrums wartet jedoch mit „Grass“ auch ein fast unbekannter Dokumentarfilm, der die Wanderung des Bakhtiari-Volks im Iran der 1920er Jahre festhält. Ein kleines Highlight für das lokale Publikum dürfte der Detektiv-Film „Der Bettler vom Kölner Dom“, 1927 von Rolf Randolf gedreht, bieten: Ein internationaler Polizei-Agent muss eine Diebesbande in der Domstadt aufhalten.

Gerade weil die Zukunft der Stummfilmtage ungewiss ist, sollte man das Festival dieses Jahr mit Freude erwarten. „Metropolis“ legt nahe, dass das Herz zwischen Hirn und Hand vermitteln muss, damit die Welt sich weiterdreht; nun liegt es am Publikum, zu zeigen, wie stark das Sommerkino im Arkadenhof zur Herzenssache geworden ist.

***Offizielle Homepage***

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