Veranstaltungen: Bonner Lesebühne öffnet Tore für alle Satzakrobaten
Bonn hat einen weiteren festen Termin für alle Literaturjunkies. Am 24. März öffnete erstmals die Lesebühne in der Bonner Altstadtkneipe Limes seine Tore für alle Worttäter. Unter dem provokanten Titel "Lies ma' vor, du Opfer" lud der Kopfnussverlag Schreibtalente oder alle, die sich dafür halten, ein, es der Welt zu beweisen.
Die Welt waren etwa 30 Gäste, die sich an dem warmen Mittwochabend zum Lauschen eingefunden hatten. Die quirlige Moderatorin Nora führte durch die Veranstaltung, die erstaunlich frei war von der üblichen Reglementierungswut. Kein Zeitlimit, keine Beschränkung der Kontrahenten, abgestimmt wurde diesmal per Bierdeckel. "Wir arbeiten noch daran", erklärt uns Verlagschef Ök. Erst einmal wolle man sehen, wie die Veranstaltung ankommt. Und wer mehr als eine halbe Stunde lesen sollte, der würde eventuell den Unmut des Publikums zu spüren bekommen.
Das Schicksal blieb den Phrasenakrobaten des Abends aber erspart. Sechs Kontrahenten hatten sich versammelt, um wortgewandt gegeneinander eigene Kreationen zum besten zu geben. Das Spektrum der Texte war groß und reichhaltig: Berichte aus dem Leben einer Stalkerin von Nora, wie der Kauf einer Gasflasche zu einem Höllentripp werden kann von Sunna, oder seinen Lebenstraum im Pennerdasein suchen von Alex Gräbeldinger. Letzterer mag dem einen oder anderen aus dem Ox Magazin bekannt sein. 2000 begann er als Praktikant, heute schreibt er Kolumnen. Eines seiner Bücher ist bereits in ebenjenem kleinen Kopfnussverlag erschienen.
Nach drei Runden und einem spannenden Stechen nahm Sunna das Preisgeld der ersten Lesebühne mit nach Hause. Am 28. April gilt es diesen Titel zu verteidigen. Ob sich der Name der Veranstaltung noch ändern wird, darüber gibt es intern Diskussionen.
Wir freuen uns jedenfalls auf mehr!