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„Am besten fickt man erst und badet dann.
Du wartest, bis sie sich zum Eimer bückt,
besiehst den nackten Hintern, leicht entzückt
und langst sie, durch die Schenkel, spielend an.“

Bertolt Brecht. Begründer des epischen Theaters, Lyriker, Egozentriker, Kommunist und vor allem Chauvinist. Er schrieb, wie es ihm in den Sinn kam, ohne Rücksicht auf Verluste. Kritisches, Nachdenkliches und zeitweilig auch Erotisches. Anständig und unanständig.

Pascha und Provokateur

Sein Verhältnis zu Frauen war zeit seines Lebens gespalten. Sie dienten ihm zur Befriedigung der eigenen Bedürfnisse, sexuell wie sogar intellektuell als Musen oder gar, wie Elisabeth Hauptmann bei der Dreigroschenoper, als Mitarbeiterinnen. Somit waren sie einerseits lebensnotwenig für ihn, andererseits jedoch keines weiteren Respektes würdig.

„Der frechste Hund! Der schlimmste Hurentreiber!
Wer kocht ihn ab, der alle abkocht? Weiber!
Das fragt nicht, ob er will – er ist bereit.
Das ist die sexuelle Hörigkeit.“

Er bevorzugte die Polygamie, reduzierte seine Frauenriege dabei aufs Wesentliche.
„Was brauchen den Dirnen die Stirnen breit sein. Viel besser, die Hüften sind breit. Es kommt mehr heraus, und es geht mehr hinein und das fördert die Seligkeit."

Ein Patriarch mit männlichen Potenzallüren, der sich nicht scheute, auch Unanständiges in saloppem Ton wider alle Konventionen auf Papier zu bringen.

„Engel verführt man gar nicht oder schnell.
Verzieh ihn einfach in den Hauseingang,
steck ihm die Zunge in den Mund und lang
ihm untern Rock, bis er sich nass macht,
stell ihn das Gesicht zur Wand, heb ihm den Rock
und fick ihn. Stöhnt er irgendwie beklommen,
dann halt ihn fest und lass ihn zweimal kommen
sonst hat er dir am Ende einen Schock.“

Bewusste Provokation, wider alle gesellschaftlichen Konventionen. Und doch, oder vielleicht sogar wegen dieser Ungeniertheit, zog er die Damenwelt an; ein Umstand, dessen er sich bewusst war. „Ach, wenn er sich doch zum Teufel scherte! (Wenn ich ihn nur nicht so sehr begehrte)“.

Brecht lebt!

Maren Pfeiffer und Christoph Pfeiffer inszenieren diesen Brecht in seinem Privatleben, sie erwecken ihn und seine Frauen zum Leben. Christoph Pfeiffer gibt mit schmieriger Gelassenheit einen Chauvinisten par excellence, der sich in der Bewunderung der Frauen suhlt, sie paschahaft von oben herab betrachtet und sie mit selbstgefälliger Leichtigkeit verführt. Bertold Brecht erwacht für eine Stunde zu neuem Leben!

Maren Pfeiffer schlüpft in die Rollen diverser Stereotypen: Mal die harsche Hure, die den wollüstigen Schriftsteller mitleidig betrachtet, mal das eigentlich anständige Mädchen, das gerade dem unanständigsten Mann nicht widerstehen kann. Und auch mal die aufgebrachte Partnerin, die lautstark ihr Aufbegehren gegen Brecht probt, weiß sie doch, dass er ihr nicht guttut (und dann trotzdem einbricht, kaum dass er vor ihr auftaucht).

Man schmiegt sich aneinander, stöhnt, spielt Katz und Maus und liefert sich ebenso harsche Wortgefechte wie liebliche Tête-á-Tête-Gespräche. Das überwiegend Unanständige wird zwar zensiert, aber doch eindeutig dargestellt, das wenige Anständige mit ebengleicher Inbrunst auch mal zärtlich und sanft ausgedrückt. Lediglich die Zettel in den Händen erinnern daran, dass es sich um eine szenische Lesung handelt. Vielmehr jedoch wird ein Zwei-Personen-Theaterstück über Brechts erotische Fantasien geboten.

Und das ist gut, sehr gut sogar. Keine Frage: gerade die erotischen, zuweilen pornografisch anmutenden Exkurse muss man mögen. Sie sind direkt, dreckig und vulgär. Man kann darüber streiten, ob sie salonfähig sind, aber unbestreitbar sind sie lyrische Kunst auf höchstem Niveau und verdienen eine angemessene Würdigung. Die Schauspieler der Pathologie haben ihnen diese fraglos zuteil werden lassen.


Die nächste Aufführung findet am 19.März 2010 statt, weitere Informationen auf der Homepage der Pathologie.

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