Unter dem Titel „Begrab mich bitte noch einmal, Baby!" plauderten letzten Sonntag im Kellergewölbe des Severin-Burg-Theaters zwei Totengräber aus dem Nähkästchen. In ihrer „nicht ganz todernsten" Grusel-Lesung sinnierten die Autoren Christian Breuer und Michael Bammes über diesen außergewöhnlichen Berufszweig, das Leben im Allgemeinen und das Sterben im Speziellen. Gruftig-düstere Klänge von Gitarrensynthesizer, Mellotron und dem geisterhaft ohne körperliche Berührung gespielten Theremin begleiteten die Lesung wirkungsvoll.

Das kleine Kellergewölbe, seit 1988 dem Severin-Burg-Theater angehörig, wurde für diesen Abend in eine Gruft umgestaltet: leicht modriger Geruch, Kerzenlicht erhellt flackernd die kalten Steinwände, ein Totenkopf mit Vampirzähnen grinst boshaft. Zwei Totengräber sitzen an einem Tisch und halten – so scheint es – ein nettes Pläuschchen während ihres Mitternachtssnacks: der eine fröhlich naiv, Neuling im Unternehmen, der andere, ein alter Hase, abgebrüht und vom blutroten Wodka, den er ohne Unterlass zu sich nimmt, zunehmend verwirrt. Rechts und links von ihnen stehen die mit Kutten vermummten Musiker.

Die Gesprächsthemen sind vielfältig. Da geht es um die Bedrohung der eigenen Arbeitsstelle – und damit des qualifizierten Totengräbertums – durch 3,50 €-Totengräber aus Rumänien; durch Discounter-Angebote von OBI und Co. für Pressspan Särge zum Selbstzimmern; durch die Weiterverarbeitung von Toten zu Gammelfleisch. Kurz: Es geht um den Tod des seriösen Bestattungsunternehmens.

Und weiter: Sterben im Wandel der Zeit - früher war wie immer alles besser und der Tod wurde angemessen gewürdigt. Ganze Gebäude wurden im Andenken an die Toten und zum Aufbewahren derselben erbaut: die Pyramiden, das Taj Mahal und der Kölner Dom (wo ja angeblich die Gebeine der Heiligen Drei Könige zu finden sind), um nur einige zu nennen. Und was ist übrig nach 30 000 Jahren Bestattungstradition? Das historische Archiv stürzt ein und die Leute fallen einfach unter die Erde. Kein Wunder, dass es da an Aufträgen mangelt. Auch wenn der Papst fleißig für Tote in Afrika sorgt, indem er sich gegen Kondome ausspricht.

Weitere Themen der zweistündigen Lesung sind unter anderen: das Leben als übertragbare Krankheit und die Frage: „Leben – warum?" (auf die aber leider keine Antwort gegeben wird), die Zukunft der Bestattung im virtuellen Zeitalter, Sterbehilfe (oder: was versteht eigentlich der Bestatter unter Vorsorge, wenn doch schon alles zu spät ist?) und radikale Politiker, Hartz 24, die Zukunft der Rüstungsindustrie, die passende Beerdigungsmusik (wie wär´s mit „Another one bites the dust"?) sowie viele andere Obskuritäten.
Bleibt schließlich nur noch der Tod als letztes Rätsel...und der freundliche, doch ein wenig scheppernd gesungene Hinweis: Death is not the end.


Christian Breuer und Michael Bammes begannen ihre gemeinsame Lesung im letzten Jahr zur Theaternacht. Seitdem haben die beiden Autoren das Programm ausgeweitet und diesmal gab es zum ersten Mal auch Live-Musik auf die Ohren. Sie wollen unterhalten und informieren; das alles mit einer ordentlichen Prise Gesellschaftskritik gewürzt. Dass die Realität sie manchmal überholt, erzählt Christian Breuer im Gespräch: „Manchmal kommen wir gar nicht hinterher – wir erfinden etwas und am nächsten Tag wird es Wirklichkeit..." Ein beunruhigendes Zeichen dafür, wie absurd die Realität in der heutigen Welt manchmal sein kann.

Wer auf den Geschmack gekommen ist, kann auch die Bücher der beiden Autoren käuflich erwerben: Christian Breuer, Verdichtete Zeit, eine graphisch aufbereitete Lyrik-Sammlung, Aaken Verlag sowie Michael Bammes, Absinth Geschichten, Edition Paper One.
Weitere Informationen unter: www.christbreu.de und www.michael-bammes.de

Das Severins-Burg-Theater, seit 2007 unter der Leitung von Gerd Buurmann, bietet jeden Tag verschiedenste Veranstaltungen von klassischem bis zu modernem Theater, darunter Ur- und Erstaufführungen sowie Lesungen und Diskussionen.
Weitere Informationen hier.

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