Sven-Andr Dreyer
   
 

berraschungsgast Petra
   
 

Armin Bings
   
 

Matthias van den Berg und Christian Breuer
   
Was ist Kunst, was ist real und was bilde ich mir gerade selbst ein? Beim Besuch der Freien Geister im Artheater verschwimmt fr mich zeitweise die Grenze zwischen Kunst und Leben.

Schon zu Beginn ahne ich, dass dies ein besonderer Abend werden wird. So sorgt das schummrige Licht der Kerzenleuchter fr eine geheimnisvolle Atmosphre und das kleine Publikum weist auf eine alternative Veranstaltung, womglich einen Geheimtipp fr Freidenker, hin.

Christian Breuer, Initiator der Lesereihe, tritt als erster vor die Zuschauer. In seinen Hnden hlt er eine leicht zerknitterte Ausgabe seines neuen Buches Verdichtete Zeit. Seine Texte offenbaren Zwiesinn-Surrealismen, die jeweils ein (Un-)Behagen mit sich und der Welt, ein Hineinsteigern ins eigene Leben und die Kunst, erklingen lassen. Whrend er sie vortrgt, wippt er auf den Zehenspitzen hin und her, gestikuliert mit den Hnden in der Luft und changiert mit der Stimme zwischen verschiedenen Lautstrken und Geschwindigkeiten.

Bilder der Knstlerin Talishja van Aaken sind auf eine Leinwand projiziert und bebildern die nun folgenden - angekndigten sowie spontanen - Auftritte der brigen Knstler, die sich mit kurzen Beitrgen abwechseln.

Sven-Andr Dreyer prsentiert nachdenkliche Texte und Gedichte, die oft humoristische Wendungen nehmen: So sehnt er sich in einer Kurzgeschichte ber Pommesbudentrume nach den erlsenden Worten des Pommesbudenbesitzers Was drauf?. In einem Gedicht vergleicht er die Welt mit Onkel Ferdinands alter brauner Cordhose und berlegt in einem anderen, wie es so ist, wenn man sein Pausenbrot zuhause vergessen hat.

berraschungsgast Petra, eine kleine, dunkelhaarige Frau um die Fnfzig, mit einem etwas wunderlichen Hut auf dem Kopf, hlt eine Art Blasrohr in der Hand. Mit rauchiger Stimme kndigt sie es als Kazoo oder auch einfach eine Trt an und prsentiert den schrillen Klang dieses virtuosen Instruments.

Zwischen den Vortrgen betritt Breuer die Bhne, blttert in verschiedenen Bchern herum und sucht per Zufallsprinzip ein Gedicht heraus, das dann frei im Raum herumschwebt. Zudem prsentiert er schrille Performances wie das Gitarrenstck Tintenfisch-Soda oder einen Ausschnitt aus seiner Horror-Lesung "Begrab mich bitte noch einmal, Baby" mit Michael Bammes.

Armin Bings trgt sowohl schwere als auch leichte Gedichte vor, begeistert aber vor allem mit einer kurzen Mystery-Geschichte ber Die andere Hlfte, einen Schatten, der ihn im Alltag verfolgt. Bings fragt sich, ob vielleicht auch er selbst der Schatten dieses anderen Etwas sein knnte.

Whrend mich die Geschichte nachdenklich stimmt, ertnt aus den hinteren Reihen pltzlich ein Gebrll. Ein stmmiger Mann mit Glatze und Bierflasche in der Hand hlt unvermittelt einen Monolog, luft aufgeregt durch die Reihen, sttzt sich an meiner Stuhllehne ab, geht vor mir auf die Knie und schaut mir mit manischem Blick ins Gesicht. Dann nimmt er Christian Breuer in den Schwitzkasten und redet auf ihn ein. Breuers berraschte Miene verunsichert mich: Gehrt das nun auch zur Show?
Kurz darauf wird das Rtsel zum Glck gelst: Vielen Dank, das war unser berraschungsgast, der Schauspieler Matthias van den Berg! Van den Berg und Breuer lachen, das Publikum applaudiert.

Auch ich muss lachen vor allem ber mich selbst und darber, dass ich die Showeinlage nicht gleich als solche erkannt habe. Es mag ein etwas skurriler und verrckter Abend gewesen sein, aber wie auch immer - die Freien Geister haben eine groe Wirkung bei mir hinterlassen und den Abend zu einem besonderen Erlebnis gemacht.








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