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"Das Mittelalter war eine tolle Zeit, wenn man ein Junge war und nichts an den Zähnen hatte." So lakonisch kommentierte der Kabarettist Jochen Malmsheimer die Epoche, die den vergangenen Freitagabend im Bonner Pantheon bestimmen sollte. Zwar nicht historisch korrekt, dafür aber umso unterhaltsamer. Denn der wortgewaltige Bochumer präsentierte mit der Lesung von T.H. Whites "The Once and Future King" (deutsch: "Der König auf Camelot") eine der schönsten Erzählungen rund um Arthur Pendragon, Merlin und die Ritter der Tafelrunde. Episch, verrückt und voller Poesie – und Malmsheimer mittendrin.

Mit viel Liebe zum Detail entrollte der bekennende Mittelalter-Fan die Geschichte des jungen Arthur, der im ersten der vier Bände noch den Namen Wart (= Warze) trägt, und seine Erziehung durch den Zauberer Merlin. Dieser verwandelt seinen Schüler in alle möglichen Tiere, um ihm die Pflichten eines großen Regenten nahezubringen. Denn natürlich weiß Merlin ganz genau, wen er da unterrichtet, ganz im Gegensatz zu Arthur. Wem dies jetzt bekannt vorkommt und wer vor seinem inneren Auge einen schlaksigen Jungen sowie einen blaugewandeten älteren Herrn mit spitzem Hut vor sich sieht, liegt richtig: "Das Schwert im Stein" ist, in verkürzter Form, die Grundlage für Disneys Zeichentrickfilm "Die Hexe und der Zauberer". Doch eine Lesung, vor allem mit Jochen Malmsheimer, ist noch einmal etwas völlig anderes. Zwar ohne die rosa Unterwäsche von Madame Mim, aber dafür in anderer Hinsicht viel amüsanter.

Im Pantheon verlieh Malmsheimer all den bekannten Charakteren des Films und noch einer Vielzahl anderer Nebenfiguren eine Stimme. Beziehungsweise mehrere. Denn natürlich klang Merlin anders als Arthur oder die Eule Archimedes (besonders die Stimme der letzteren ist einfach zum Niederknien). Und Malmsheimer liebte es, das ganze Repertoire seiner Stimme in die Lesung zu legen. Das Ergebnis war einfach gigantisch. Zwischen dem tiefen Bass des Zauberers Merlin, dem jugendlichen, meist aufgeregten Tenor Warts bis hin zu der zwitschernden, hellen Stimme eines panischen Fischweibchens wechselte Malmsheimer blitzschnell und scheinbar ohne Mühe hin und her. Dazu zischte und schnatterte, quietschte und polterte, blubberte und stotterte er voller Vergnügen, um selbst einen alten Hecht authentisch klingen zu lassen – wenn so etwas überhaupt geht.

Das Publikum war dementsprechend begeistert, zumal es deutlich merkte, dass Malmsheimer den "König auf Camelot" nicht einfach lustlos vorlas – vielmehr genoss er jedes einzelne Wort und konnte sich selbst teilweise ein Lachen nicht verkneifen, womit er immer noch deutlich mehr Contenance bewahrte als die Gäste im Saal. Zu absurd war das erste Treffen von Wart mit König Pellinor, der auf der Jagd nach dem Aventuren-Biest eher an den Weißen Ritter bei "Alice im Wunderland" oder an Don Quixote erinnerte, zu lustig der mutige und nervenaufreibende Zweikampf zwischen eben jenem König und einem anderen Ritter. So macht eine Lesung erst richtig Spaß, auch wenn man der Vollständigkeit halber anmerken muss, dass Malmsheimer mit der Einschränkung auf den ersten Band des "Königs auf Camelot" die dunkleren Passagen bewusst außen vor gelassen hat.

Viel zu schnell waren die angesetzten zwei Stunden rum, in denen man sich einfach zurücklehnen und Malmsheimers Stimmen lauschen konnte. Das Hörbuch zu "Der König auf Camelot" (insgesamt 24 Stunden lang) hat dieser Meister der deutschen Sprache auf jeden Fall dem ein oder anderen schmackhaft gemacht und ansonsten großes Interesse an einem wunderschönen Buch geweckt. Was will man mehr?

Kommende Termine mit Jochen Malmsheimer in der Region Köln/Bonn
  • 24.09.: Brühl, Galerie am Schloß
    "Zwei Füße für ein Halleluhja!" mit Uwe Rössler
  • 22.- 24.10.: Köln, Klügelpütz
    "Flieg Fisch, lies und gesunde! oder: Glück, wo ist Dein Stachel?"
  • 18.11.: Bonn, Springmaus
    "Zwei Füße für ein Halleluhja!" mit Uwe Rössler
  • 18.12.: Bonn, Pantheon
    "Flieg Fisch, lies und gesunde! oder: Glück, wo ist Dein Stachel?"

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