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Yung Wook Yo, Keiko Hattori & Dmitri
Demiashkin
   
Zwar gab es weder versiegelte Umschläge noch Trommelwirbel, aber dennoch war die Spannung in der ausverkauften Beethovenhalle greifbar, als der Juryvorsitzende Pavel Gililov am Donnerstagabend, den 13.12.2007, die Gewinner der zweiten Beethoven Competition verkündete. Die drei Finalisten Dmitri Demiashkin (Russland), Yung Wook Yo (Südkorea) und Keiko Hattori (Japan) hatten zuvor ihr Können mit Interpretationen der Klavierkonzerte Beethovens im Zusammenspiel mit dem Beethoven Orchester unter der Leitung Roman Kofmans demonstriert und so nicht nur bei den neun Juroren für Uneinigkeit über das Ergebnis gesorgt. Dass diesen die anschließende Wahl nicht leicht fiel, räumte Gililov – Klavierprofessor an der Kölner Musikhochschule und mit Telekom-Finanzchef Karl-Gerhard Eick einer der Wettbewerbsinitiatoren – ein: „Verdient hätte jeder den Preis.“ Große Auseinandersetzungen habe es aber dennoch nicht gegeben und so sicherte sich der in New York lebende 30-jährige Yung Wook Yoo den mit 30.000 Euro hoch dotierten und mit einer CD-Aufnahme verbundenen ersten Preis vor Keiko Hattori und Dmitri Demiashkin, die zu den Urkunden über ihre Platzierungen immerhin Schecks über nicht zu verachtende 20.000 und 10.000 Euro erhielten.

Anders als in der ersten Auflage vor zwei Jahren, als der Sieger Henri Sigfridsson auch den Publikumspreis erringen konnte, waren sich Publikum und Jury dieses Mal nicht einig, gaben doch über 50% der Anwesenden mit den ausgeteilten, an Wer-wird-Millionär erinnernden Abstimmungsgeräten per Knopfdruck Keiko Hattori ihre Stimme. Die 28-jährige Japanerin hatte sich schon im Halbfinale in die Herzen vieler Zuhörer gespielt und lieferte eine technisch fast perfekte Version des G-Dur-Konzerts. Ihr weicher Anschlag, der vor allem den exponierten Solostellen des ersten Satzes mit ihren kaskadenartigen Läufen Brillanz verlieh, unterstrich die – diesem vierten Klavierkonzert Beethovens oft nachgesagte – „lyrische Grundstimmung“. Leider hätten besonders die Reibungspunkte zwischen zarten Klavierpassagen und hartem Streicherklang im Andante etwas mehr musikalische Ausgestaltung vertragen. Dass ihr als einziger direkt nach ihrem Auftritt ein Strauß weißer Lilien überreicht wurde, war sicherlich ein Akt der Höflichkeit seitens der Veranstalter und nicht mit Symbolgehalt auf die Ergebnisse zu deuten, steht die Lilie in Japan doch für unerreichbare Schönheit, während Weiß die Farbe des Todes und der Trauer ist.

Weniger überzeugen konnte der 25-jährige Dmitri Demiashkin, dessen jungenhaftes Erscheinungsbild sich in seinem Spiel wieder fand. Mit leichtem Übermut bügelte er über manche Details und Endungen hinweg, wodurch besonders das Rondo einen frechen, spritzigen Eindruck bekam und er seiner Interpretation des B-Moll-Konzertes einen frischen Anstrich verlieh. Gleichzeitig ließ dadurch aber auch unreifer wirken als die der Konkurrenten. Nach nur einer Probe mit dem Orchester ist keine perfekte Harmonie zu erwarten, aber hörbar waren doch mehrere Unstimmigkeiten zum Beispiel über die gemeinsamen Schlusspunkte einer Phrase zwischen Solist und Orchester.

Der koreanische Gewinner des Abends dagegen bot eine selbstbewusste Lesart des C-Moll-Klavierkonzerts, welches er in absolut mitreißender Art gestaltete. Besonders ausdrucksvoll formte er mit viel Dynamik und recht freier Tempogestaltung die Melodiebögen und stellte im dritten Satz den tänzerisch-spielerischen Themen die drängenden mit entsprechender Dramatik überzeugend entgegen. Wechselte die Melodie ins Orchester, nahm sich Yung Wook Yoo so zurück, dass der Zuhörer eine Einheit von Pianist und Ensemble im Geist und zur Huldigung der Musik erlebte. „Da bleibt einem der Atem weg“, war anschließend zu hören – was natürlich das Auditorium in keinster Weise daran hinderte, zwischen den Sätzen kollektiv in lautes und produktives Husten auszubrechen, wie man es sonst aus Köln gewohnt ist.

Bis zum Finale hatten sich die drei in mehreren Vorrunden gegen 29 Pianisten aus der ganzen Welt durchgesetzt und einen musikalischen Mehrkampf bestanden, dessen Disziplinen mit Sonderpreisen geehrt wurden. So erhielt Keiko Hattori den Preis für ihre Interpretation des zeitgenössischen, von Lera Auerbach eigens für den Wettbewerb komponierten, Stücks „Ludwigs Albtraum“ und den Preis für Kammermusik für ihr Zusammenspiel mit dem Cellisten Mischa Maisky im Halbfinale, wobei sie sich letzteren mit dem deutschen David Meier teilte. Dieser wurde schon nach der zweiten Runde mit dem jüngsten Teilnehmer, dem 19-jährigen Alexej Gorlach (Ukraine), zum Publikumsfavorit erkoren, was ihnen einen weiteren Auftritt bescherte.

Etwas überflüssig war die Moderation Reinhold Beckmanns, der wohl für die – ohnehin entstehende – Spannung sorgen und durch den Abend führen sollte, was er denn auch tat, indem er sich – wenn möglich – auf vertrautes Terrain zurückzog. Die Unterzuckerung einer Teilnehmerin, die vor Aufregung mehrere Tage das Essen vergaß, verglich er mit den medizinischen Problemen der Radfahrer, die der Telekom redlich bekannt sein dürften und hob mehrfach auf die Kombination von Anzug und Turnschuhen Karl-Gerhard Eicks ab, die lediglich einem Bänderriss zuzuschreiben war. Schön waren allerdings die Ansagen als er die Juroren zur Entscheidung zu sich herauf bat, weil Größen der nationalen und internationalen Musikszene wie im Stadion auf die Bühne gerufen wurden. Es fehlten lediglich die von den Zuschauern skandierten Nachnamen.

Dass auch die zweite von der Telekom getragene Beethoven Competition ein voller Erfolg war, ist nicht nur an den hochkarätigen musikalischen Leistungen und den vielen Bewerbungen ablesbar, sondern schon an den Zuschauerzahlen zu erkennen. Nach Veranstalterangaben kamen mehr als 7000 Klavierbegeisterte zu Ausscheidungen und Finale, was den Wettbewerb als Publikumsmagnet qualifiziert und einer Stadt wie Bonn und ihrer Kulturlandschaft einen weiteren Höhepunkt beschert.


Im Rahmen der Beethovennacht und des 100-jährigen Jubiläums des Beethoven Orchesters werden die Preisträger am Sonntag, den 16.12.2007 um 19.00 Uhr nochmals zu hören sein.

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