ber das eigentliche Programm der Benefizgala Senda Baschi Du sollst leben! war im Vorfeld der Veranstaltung recht wenig zu erfahren. Nur, dass prominente Gste erwartet wurden, darunter die Schauspieler Christoph Waltz, Christine Urspruch und Sophie von Kessel, Comedian Bastian Pastewka und Ex-Viva-Ikone Charlotte Roche. Jeder der Teilnehmer sollte seinen persnlichen Teil zum Abend und zur Hilfe fr Afghanistan beitragen und einen Programmpunkt gestalten. Dies entpuppte sich dann meist als kleine Lesung aus Texten, die die Prominenten selbst aussuchten. Moderator Gerd Scobel las zum Beispiel aus Musils Mann ohne Eigenschaften, Sophie von Kessel rezitierte Gedichte von Ingeborg Bachmann und Christine Urspruch gab ein paar Jandl-Stcke zum Besten.

Die kleinen unterhaltsamen Einlagen waren aber in jederlei Hinsicht nur Mittel zum (guten) Zweck. Im zentralen Interesse des Abends stand die Hilfe fr Afghanistan ein Land, das 25 Jahre im Krieg lag, ein Land, fr das sich Roger Willemsen schon seit langer Zeit engagiert; unter anderem unternahm er mehrere Reisen in den zentralasiatischen Staat, die er in seinem Buch Afghanische Reise festhielt, und bernahm die Schirmherrschaft ber den Afghanischen Frauenverein. Dieser feiert dieses Jahr seinen 15. Geburtstag und kann auf zahlreiche erfolgreiche Projekte zurckblicken, die Afghanistan und seinen Bewohnern bereits groe Hilfe und Untersttzung waren. Willemsen versprach dem Verein vor einiger Zeit ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk zu ihrem Jubilum und lie nun Worten Taten folgen. Er organisierte die Benefizgala Senda Baschi in der Oper Bonn und erhielt hierbei Untersttzung bei befreundeten Prominenten und Bonns Grand Dame der Kultur, Rita Baus. Der Reinerls des Abends kommt komplett dem Afghanischen Frauenverein zugute.

Gleich am Anfang des Abends war zu erkennen, wie sehr Willemsen das Thema am Herzen liegt, als er mit Herzblut und Leidenschaft sein Anliegen vorstellte. Wir machen Ihnen nichts vor, wir wollen an Ihre Taschen! verkndete er unverhohlen gleich nach wenigen Minuten. 700 Euro kostet es, einen Brunnen fr ein ganzes Afghanisches Dorf zu errichten nicht viel, wenn man bedenkt, dass ein Brunnen das Leben vieler Dorfbewohner schtzt und in vielen Fllen sogar rettet. Kinder und Frauen mssen weite Strecken auf der Suche nach Wasser zurcklegen, stndig in Lebensgefahr wegen versteckten Minen, Vergewaltigungen und berfllen, nur um letztendlich aus einer verseuchten Quelle Wasser zu schpfen, das Infektionskrankheiten und Tod ber die Menschen bringt. Der gebrtige Bonner whlte eine deutliche Sprache, um dem Publikum, das sich zu groen Teilen aus regionaler Prominenz, aber auch aus vielen Afghanen zusammensetzte, die schockierende Problematik nahe zu bringen.

Gastgeber und Gste nahmen an einem langen traditionell afghanisch gedeckten Tisch auf der Bhne Platz, links daneben spielte sich das musikalische Rahmenprogramm des Abends ab. Frank Chastenier, Pianist der WDR-Big Band, spielte, begleitet von Kontrabass, virtuos am schwarzen Flgel Gershwin und andere Jazz-Klassiker und auerdem eine komplett neue musikalische Interpretation von Grnemeyers Mensch zwischen den Darbietungen und Gesprchen. Die islndische Opernsngerin Sigrun Palmadottir vom Ensemble der Oper Bonn steuerte ebenfalls ein Lied zum Abend bei. Der Hhepunkt in dieser Hinsicht war allerdings ohne jeden Zweifel der Auftritt von Farhad Darya, dem grten und bekanntesten Musiker Afghanistans, der extra aus den USA anreiste und zwei Lieder fr diesen Abend schrieb. Im Gesprch mit Roger Willemsen erzhlte der Snger zudem einige Anekdoten und Geschichten ber sein Land und seine Landsleute.

Auch wenn der humanitre Aspekt im Mittelpunkt stand, darf man die illustre Prominentenschar mit ihren kleinen Alleinunterhaltereinlagen nicht vernachlssigen. Hier versteckten sich nmlich wirklich einige Perlen, und es wird den ein oder anderen nicht berraschen, dass sich Charlotte Roche den imaginren Preis fr die originellste und lustigste Einlage mit nach Hause nehmen durfte. In ihrer ersten Runde las sie noch relativ konventionell aus einem Kinderbuch von Jrg Schubinger vor, bevor sie dann zum groen Schlag ausholte und eine einmalige bersetzungs-Interpretations-Showtanz-Einlage zu Elvis Presleys Polk Salad Annie darbot. Sptestens jetzt merkte man, wie sehr diese Frau dem deutschen Fernsehen fehlt! Ein weiteres Highlight war Bastian Pastewka, der Unterhaltsames aus Tommy Jauds Millionr vortrug und sich wie gewohnt ber Fernsehserien und Filme auslie. Als grandioser Vorleser stellte sich Christoph Waltz heraus, der einen brillianten Text aus Karl Kraus Fackel und eine amsante Geschichte vom sterreichischen Dichter Fritz von Herzmanovsky-Orlando zum besten gab.

Ganze vier Stunden dauerte die Benefizgala, nicht zuletzt deswegen, weil Roger Willemsen eine fast einstndige abschlieende Publikums-Auktion an die Veranstaltung anhngte. Zur Versteigerung kam die afghanische Tischdecke, die den Tisch schmckte, an dem Willemsen und seine Gste den Abend ber saen. Komplett improvisiert und sehr eloquent trieb der Moderator den Preis schlielich auf 2.600 Euro und konnte sogar zahlreiche spontane Spenden aus dem Publikum erwirken. Alles in allem ein erfolgreicher Abend fr Afghanistan. Viele Spenden kamen zusammen, und mit einem solch engagierten und motivierten Untersttzer wie Roger Willemsen kann man noch Groes erwarten. Sie bringen es noch so weit, dass wir diese Veranstaltung jedes Jahr machen, so der sichtlich gerhrte Moderator whrend der Auktion. Wir sind gespannt.

Mehr Informationen zum Afghanischen Frauenverein: www.afghanischer-frauenverein.de

WDR 5 bertrgt diese Veranstaltung am 6. Januar 2008 um 20.05 Uhr im Radio.

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