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Viva Voce - es leben die Stimmen. 
Viva Voce - das ist Latein und bedeutet in etwa "Es lebe die Stimme" (Altphilologen mögen etwaige Ungenauigkeiten verzeihen). Im Pantheon gab es gleich fünf davon, und sie lebten sogar hoch, denn was die ehemalige Boy- und inzwischen zur Men-Group herangereifte Formation Viva Voce auf der kleinen aber feinen Bühne zum Besten gab, ließ das Publikum in wahre Begeisterungsstürme ausbrechen. Zu recht. Unglaublich sauberer a-capella-Gesang, mehr oder weniger unplugged (ohne Micros geht's dann doch nicht) und, von der wandernden Beat-Machine mit Smudo-Brille einmal abgesehen, auch ohne Instrumente. "Wir machen alles mit dem Mund", sagten sie von sich selbst. Zumindest beim Auftritt stimmte das.

Dabei setzten die fünf Boys zu Beginn des Konzerts eher ruhige Akzente. Kein Bombast-Auftritt, dagegen mit "Tears in Heaven" was für's Herz und für die Ohren. Man(n) ließ es langsam angehen, stellte sich erstmal in Ruhe vor und kam mit der Zeit in Schwung. Nicht so sehr musikalisch, denn da waren Heiko, Jörg, Thomas, Basti und David von Anfang an auf höchstem Niveau. Doch sowohl die Moderation als auch der Groove der Stücke schien noch etwas angefroren und steif und bedurfte etwas Publikumswärme.

Aber was soll's, die ersten paar Minuten dürfen ruhig etwas gemütlicher sein. Spätestens als David mit Powerstimme eine Version des Nina-Simone-Klassikers "Feelin' good" sang, das selbst die momentan so erfolgreiche Big-Band-Aufnahme von Michael Bublé in den Schatten stellte, waren anfängliche Schwächen vergessen. Überhaupt waren die richtig kraftvollen Songs der Bereich, in dem Viva Voce am meisten brillierte. So etwa bei "It's my life", das als Ballade begann und in klassischer Rock-Manier endete. Oder "What's up" von den 4 Non Blondes - allerdings im doppelten Tempo. Oder "It's not unusual" mit einigen wirklich köstlichen "muted trumpets". Oder - einfach mehr davon.

Wer jetzt allerdings meint, dass es sich bei Viva Voce nur um eine Cover-Band handelt, ist im Irrtum. "Wir machen alles mit dem Mund" - Komponieren scheint auch auf diese Weise zu gehen. Auf jeden Fall finden sich im aktuellen Programm diverse selbstgeschriebene Lobes-, Hass- und Liebeslieder über Italien, weinende Männer, den Sommer und natürlich Viva Voce. Neben Standardstricktexten ("so soll Sommer sein" - hatten das nicht schon die Wise Guys in zehn Versionen zum Besten gegeben?) finden sich im Schatzkästchen der Eigenproduktionen auch Perlen wie das Lied über die Fliege, in dem Bass Heiko mit viel Einfühlungsvermögen über das Leben und Sterben eines als lästig eingestuften Insekts philosophierte. Nicht Straß, nicht Zirkon, das ist ein echter Diamant.

Die Stimmung im Publikum stieg im Laufe des Abends immer weiter an - die der Band anscheinend auch. Vor allem die zweite Hälfte des Konzerts war viel lockerer, immer öfter spielte Viva Voce mit den Gästen und setzte die Gesangsgewalt des Saals für ihre Performance ein. Und natürlich machten alle mit. Insbesondere bei den Zugaben: nachdem die Boys (OK: Men) Dieter Bohlens Zwei-Akkord-Hit "You're my heart, you're my soul" auf Anfragen als Trash-Jazz, Reggae, klassische Oper (ohne Placido Domingo, dafür mit David - das war sogar besser), Hip Hop und Trash-Metal darboten und damit deutlich verbesserten, gab es für das Publikum kein Halten mehr. Dafür ging "Volare" dann sehr schnell - vielleicht, weil David zugeben musste, dass sein Spanischunterricht schon eine Weile her war (leider ist "Volare" auf italienisch). Vielleicht aber auch, damit Viva Voce noch vor Mitternacht die Bühne verlassen konnte. Denn natürlich mussten sie auch ein drittes Mal wiederkommen. Da diese letztenZugabe selbst für den Tontechniker eine Premiere war, gibt es an dieser Stelle keine weiteren Details. Nur soviel: es handelt sich um einen echten Geheimtipp.

Nach zwei Stunden Konzert lässt sich abschließend nur ein Urteil fällen: wieder hingehen. Und wer noch nicht da war, sollte das umgehend nachholen. Auch heute (Freitag, 26. Oktober) ist die "Men-Band" im Rahmen des a-capella-Festivals zu bewundern. Ansonsten gibt es erst am 10. April wieder die Möglichkeit, sich in Bonn von einem nagelneuen Programm verzaubern zu lassen. Hoffentlich wieder mit Slap-Bass-Soli von Heiko, der Beatbox namens Jörg, Arien von David, strahlenden Balladen von Thomas und dem verschmitzten Lachen von Basti, der nichts jemals wirklich böse meint.

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