Das hessische Comedy-Duo "Badesalz" bringt in "Dugi Otok" Land- und Meeresbewohner zueinander.

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Es steht außer Frage, dass der Mensch nicht vom Affen, sondern vom Fisch abstammt. Ein Beweis: Legt man ein Baby ins Wasser, fängt es fast automatisch an zu schwimmen. Legt man es aber neben eine Palme, klettert es nicht sofort hinauf und pflückt die Kokosnuss.
Dieser Argumentation von Henni Nachtsheim, der sensiblen Bade-Hälfte des hessischen Duos "Badesalz", ist kaum noch etwas zu entgegnen. Bei der Aufführung des aktuellen Programms "Dugi Otok", dass das Pantheon in der Bonner Oper präsentierte, setzte er alle Entgegnungen souverän außer Kraft. Immerhin hatte Henni auch genug Zeit, um sich über dieses Thema Gedanken zu machen, denn in "Betzels Guittar Shop", in dem er zusammen mit seinem salzig-bissigen Partner Gerd Knebel (Hebbe) unter dem Namen Gemal arbeitet, ist sonst nichts zu tun. Kein Kunde kommt in den Musikladen – zumindest kein ernstzunehmender. Irgendwas muss sich tun, denken sich die beiden. Und so planen sie ein Open-Air-Konzert auf der kroatischen Insel Dugi Otok (daher auch der Name des Programms), erfinden neue Werbetricks und Geschäftsideen und testen die Instrumente im Laden selbst aus. Oder erklären eben die menschliche Herkunft. Dass es dabei immer wieder zu Reibereien zwischen dem oft unschuldig-verträumten Gemal und dem aufbrausenden Hebbe kommt, versteht sich von selbst.
In bewährtem hessischen Dialekt startete Badesalz mit "Dugi Otok" ein Feuerwerk hintersinniger Kalauer. Immer wieder bezogen Nachtsheim und Knebel das Publikum mit ein, das zumindest in Bonn auch dankbar reagierte. Und sei es nur, um Hebbe zu bestätigen, wie cool er doch sei – er, für den das Wort Ungeduld förmlich erfunden wurde. Kein Wunder, dass etwa sein Plan, eine Kindertelefonhotline zu eröffnen, schon bei einem Probelauf mit Gemal als kindlichem Partner in Schieflage gerät. Mr. Brain erklärt die Welt – für 9,80 Euro, und nur wenn er gut drauf ist, die Frage mag und sie innerhalb von zehn Sekunden beantworten kann. Auf die Stimme der Vernunft, in diesem Fall also auf Gemal, hört Hebbe dabei nicht. "Pädagogisch wertvoll", so ein Quatsch.
Auch eine Idee von Gemal muss ausprobiert werden: ein Aktionstag, in dem sowohl Kunden als auch Verkäufer nur singen dürfen. Die musikalischen Qualitäten des als Frau verkleideten Gemal werden allerdings von Hebbe – zu Unrecht – nur mitleidig belächelt. Das ändert sich allerdings, als es Ersterem gelingt, ein Lied für Greenpeace zu schreiben, dass auf Dugi Otok aufgeführt werden soll – auf der Insel, auf der Hebbe sein Open-Air-Festival plant, zu der er bis jetzt aber noch keine Kontakte hat. Mit einem Song über Klimaerwärmung will Gemal unter dem Künstlernamen „Robin Fisch“ die Welt zu einem besseren Ort machen. Hebbe ist für die Gitarrenbegleitung zuständig – und zusammen rocken sie das Haus.
Ja, auch musikalisch haben die beiden Badesalze einiges auf dem Kasten. Von "Message in a Bottle" über "House of the Rising Sun" bis hin zu "Footloose" reichte das Spektrum der parodierten Melodien, die Gerd Knebel hervorragend runterspielte, während Henni Nachtsheim dazu mit Fisch auf dem Kopf den Gesangspart übernahm und sogar ein Saxofon-Solo mit einfließen ließ. Mehr davon, bitte! Das klappte aber leider nur noch begrenzt: kurz darauf war das Programm schon zu Ende, nur eine wirklich hitverdächtige Hymne an eine ganz besondere Besuchergruppe konnte die musik- und badesalzbegeisterten Fans noch entschädigen. Diese Gruppe hat übrigens für ihren Part in dem interaktiven Song ein besonderes Lob verdient. Mehr sei an dieser Stelle aber nicht verraten.
Keine zwei Stunden dauerte das Programm, mit einer gefühlten Spielzeit von höchstens 60 Minuten. Kurzweilig und brüllend komisch – das Publikum war begeistert. Eine Zugabe wäre allerdings noch ganz nett gewesen, denn schließlich war der Abend noch jung. Dafür hat es dann aber wohl aus welchen Gründen auch immer nicht mehr gereicht. Dies jedoch der einzige Wermutstropfen im ansonsten schönen Badesalz-Programm. Nicht nur für Fischfreunde und Hessen fern der Heimat ist "Dugi Otok" somit die Gelegenheit zu einem wirklich netten Abend.