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Um die Beantwortung dieser und anderer Fragen drehte sich die Lesenacht "Unterwanderers Nachtlied" zur Sommersonnenwende auf dem Dach der Bonner Kunst- und Ausstellungshalle. Martin Stankowski und Roger Willemsen führten charmant und frech durch ein Programm der besonderen Art: Märchen, Mythen, Sensationen aus aller Welt vom Urknall bis heute, vorgetragen von hochkarätigen und vorlese-erfahrenen Gästen, unterlegt und begleitet von sphärischen Klängen und angereichert mit Ausschnitten aus Hörspielproduktionen des WDR.

Auch wenn der Wettergott nicht gerade den lauen Sommerabend hernieder geschickt hatte, den sich die Veranstalter gewünscht hätten, tat dies der liebevoll inszenierten Veranstaltung doch kaum einen Abbruch: dem Himmel nahe im Dachgarten der Ausstellungshalle, im Schein der bunt erleuchteten Kegel-Architektur und des Posttowers, wurde eine behaglich-mystische Atmosphäre aufgebaut und den teilweise doch etwas kühl daher wehenden Winden mit einem Schälchen Ursuppe mit Zauberstab getrotzt (landläufig auch bekannt als Gulasch mit Käsestangen). Für den Fall einer plötzlich hereinbrechenden Sintflut war mit dem Austeilen von Einmal-Regenjacken am Eingang vorgesorgt worden.

Mit Christian Morgensterns Gedicht "Der Papagei" ging es mit Sonnenuntergang erstmal fröhlich und unbeschwert los. Es folgten Schöpfungsgeschichten aus China, Bulgarien, Schweden und Ägypten, Auszüge aus den Metamorphosen von Ovid und dem Gilgamesch-Epos. Aber nicht nur die Entstehung der Welt sollte an diesem Abend von allen Seiten beleuchtet werden. Verschwörung lautete Thema No.2, ein Sujet welches sich laut Roger Willemsen seit jeher in den Schöpfungsmythen dieser Welt widerspiegle. Und so erfuhr der geneigte Zuhörer einiges Wissenswertes über die Zahl 23, dem numerischen Inbegriff für Verschwörungen schlechthin: Cäsar starb an 23 Schwertstichen, das Blut braucht 23 Sekunden um durch den menschlichen Körper zu zirkulieren, Theodor Fontanes Stammplatz im Theater war Sitz No.23 und wenn man die Buchstaben in der Adresse der Kunst- und Ausstellungshalle addiert und durch die Quersumme teilt, ja dann….

Auf dererlei schweren Stoff folgten ein paar Auflockerungsübungen von Kabarettist und Rheinländer Jürgen Becker, der zwar die Frage nach unserem Ursprung nicht zu beantworten vermochte, jedoch anschaulich erklärte warum Faulheit göttlich ist und die Sumerer die Rheinländer des Orients waren.

Bis 5 Uhr 30 am nächsten Morgen, bis Sonnenaufgang, dauerte das Spektakel und natürlich machte die persönliche Erschöpfungsgeschichte dem Ein oder Anderen einen Strich durch die Rechnung. Nur gut dass das ganze Spektakel von WDR5 übertragen wurde, so dass man als weniger Nachtaktiver das Nachtlied am heimischen Radio zum Schlaflied umfunktionieren konnte.


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