Max Uthoff, Kabarettist und einem greren Publikum durch die ZDF-Satiresendung Die Anstalt bekannt, stattete am 15. Dezember der Bonner Oper einen Besuch ab. Im Rahmen der Reihe Quatsch keine Oper prsentierte er sein Programm Gegendarstellung. Etwa zwei Stunden lang stand Uthoff vor ausverkauftem Haus auf der Bhne. Schlicht, in schwarzem Anzug mit Krawatte, und ganz ohne Hokuspokus stellte er sich allem entgegen, was die Welt in seinen Augen ungerecht macht. Seine einzige Waffe, die er als Pazifist auch immer bei sich trgt: die Sprache.

Mittelschicht goes Kultur
Gleich zu Beginn stellt der Mnchner Kabarettist den Abend unter das Motto Mittelschicht goes Kultur. Und obwohl Uthoff seit ber einem Jahr mit seinem Programm durch Deutschland reist, ist es immer noch aktuell: er thematisiert die Anschlge von Paris, den CDU-Parteitag und die Wahl der Christussi Merkel zur Person of the Year. Nicht jeder Kabarettist traut sich, ein Programm zu machen, welches er stets den aktuellen Geschehnissen anpassen muss. Wer regelmig Die Anstalt im ZDF sieht, dem wird die eine oder andere Passage bekannt vorkommen. Dies tut der Genialitt des Programmes jedoch keinen Abbruch: gnadenlos teilt Uthoff aus. Und er geht nicht nur Bundesprsident Gauck scharf an: Max Uthoff schlgt sich durch die komplette deutsche Parteienlandschaft. Auch andere Politiker bekommen ihr Fett weg: Sigmar Gabriel, das frhlichste Endglied der Nahrungskette, und Markus Sder, die satirische Berufsunfhigkeitsversicherung, reihen sich ein in die Liste und gesellen sich damit zu Merkel, Seehofer, von der Leyen und Hcke, um nur einige zu nennen.

Scharfsinnige Analysen
Sehr sarkastisch und mit bser Ironie spricht Uthoff auch das Thema Flchtlingspolitik an. Man merkt, dass es ihn fassungslos macht, wie europische Politiker zaudern statt zu helfen. Uthoff will nicht nur unterhalten, er will auch die Augen ffnen. So gibt es einige Momente, in denen er keinen Gag macht und kein Lacher im Publikum zu hren ist. Momente, in denen er die Politiker scharf kritisiert und mit zusammengetragenen, gut recherchierten und aufbereiteten Fakten das Publikum fassungslos macht. In solchen Augenblicken ist die Stimmung im Saal ernst und bedrckt. Fr vieles, was Uthoff sagt, bekommt er Spontanapplaus.
Bewundernswert an Uthoff ist auch sein Spiel mit der Sprache: er analysiert, kritisiert und hinterfragt die Politik, die Wirtschaft und die Medien. Er findet wunderbare Neologismen, welche man sich am liebsten notieren mchte, weil sie die Zustnde in der Welt so przise beschreiben. Oft kommt auch der Jurist in Uthoff durch: er nimmt Zitate auseinander, spinnt Gedankengnge weiter. Er begeistert durch sein scharfes Urteilsvermgen und die Fhigkeit, die Dinge ohne Umschweife auf den Punkt zu bringen. Sicher, einiges ist etwas weit hergeholt und bertrieben. Sehr oft fhrt Uthoff einem aber vor Augen, was in unserer Gesellschaft eigentlich grundstzlich falsch luft.

Appell statt Pointe
Eine weitere Fhigkeit von Uthoff ist auch, brillante berleitungen zwischen den unterschiedlichsten Themen zu finden. So gelingt es ihm, den G7-Gipfel, indianische Drogen und die Geissens thematisch zu verbinden, ohne dass ein inhaltlicher Bruch zu bemerken ist. Denn Uthoff spricht nicht nur ber Politik, er widmet sich im zweiten Teil seines Programmes auch den Abstrusitten des Lebens: moderne Technik, Glaube und Religion und die typischen Missverstndnisse zwischen Mnnern und Frauen. Dies sind nur einige der Themen, die Uthoff anschneidet und womit er beweist, dass er nicht nur auf Ebene der politischen Kabaretts unterhalten kann. Trotzdem wird immer wieder seine Wut ber soziale Ungerechtigkeit sprbar, sein Zorn ber fehlende Chancengleichheit und Vorurteile. Und so wundert es auch nicht, dass Max Uthoff seine Zuschauer nicht mit einer groen Pointe in den Abend entlsst. Stattdessen gibt er dem Publikum einen Satz mit, ber den man noch eine Weile nachdenken kann: Der soziale Friede braucht ein bisschen Wut.

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