Das einwchige Musikfestival Romanischer Sommer feiert dieses Jahr in den zwlf romanischen Kirchen Klns sein 25jhriges Jubilum. Am Freitag, den 11. Juli, findet es mit der Romanischen Nacht seinen Hhepunkt. In Klns grter romanischer Basilika, St. Maria im Kapitol, wird von 20 Uhr an bis tief in die Nacht musikalischer Facettenreichtum geboten. Allen Stcken gemein ist der Bezug auf das Thema des Festivals: Angelus - Diabolus. Im Wechselspiel von Licht und Schatten wird die imposante Architektur der Kirchenrume in warmen Farben beleuchtet. Sanftes Licht fllt in den Kirchengngen ebenso auf ganzkrpergroe, verwitterte Jesus- und Marienstatuen wie auf, in das Holz des Chorgesthls eingelassene Schlangen oder Teufel. Auch die Kompositionen erscheinen in rtselhaften Klangfarben und werden von prominenten Knstlern wie Fragmente oder Bruchstcke interpretiert.

Das Blatt wendet sich - Im Kartenspiel einer lochkartengesteuerten Orgel
Saxophonist Michael Riessler, Drehorgelspieler Pierre Charial


Rhythmisch vertrackt und melodisch eingngig stimmen der Klarinettist Michael Riessler und der franzsische Drehorgelspieler Pierre Charial ab 20 Uhr auf die Romanische Nacht ein. Jeux de cartes, wie sie ihr Programm nennen, zielt auf die erstaunlichen Klangmglichkeiten der Lochkarten der Drehorgel ab, einem Instrument mit 42 Tasten, 114 Pfeifen und 3 Registern. Gleichzeitig meint Kartenspiel, so die deutsche bersetzung, auch das Improvisationsgeschick beim Spiel der Knstler, die ohne Pause stndig die musikalischen Motive abndern, ohne dass der Grundcharakter der Stcke aufgegeben wird. Die Palette ihres Programms reicht von Eigenkompositionen ber Igor Strawinskys Le Sacre du printemps bis hin zu Ennio Morricones A laube. Ihre Soundcollagen klingen erst tastend und leise hmmernd, dann berlagern und steigern sie sich. In mosaikartigen Wellen bildet sich eine lebendige Melodie, um langsam wieder abzuebben und lange nachzuhallen.

Bulgarische Frauengesnge
Das Eva Quartet aus Bulgarien


Danach werden vom Eva Quartet, einem Frauenensemble aus Bulgarien, traditionelle Gesnge aus den Rhodopen, einem Gebirge im Sden Bulgariens und Norden Griechenlands wiedergegeben. Die Kompositionen basieren oft auf Volksmotiven und stehen unter dem Einfluss der frhen bulgarischen Kirchen- und Folkloretradition. Gergana Dimitrova, Sofia Kovacheva, Evelina Christova und Daniela Stoichkova singen mit beachtlichem Ausdruck unterschiedliche Stimmlagen von Mezzosopran bis Kontraalt. Mal dunkel, jammernd oder klagend wird eine reich verzierte Melodiestimme von weiteren Stimmen gefolgt und bereichert. Milde Stimmkoloraturen antworten sich berlagernd und aufeinander einpendelnd. Doch tosender Beifall nach jedem Stck zerstrt die besinnliche, meditative Atmosphre wie prasselnder Regen, der gegen eine Fensterscheibe klatscht. Die Begeisterung wie bei einem Popkonzert kommt vielleicht daher, dass das Eva Quartet im November 2012 zusammen mit Hector Zazou die Weltmusik-CD The Arch verffentlichte und deshalb jngst von der FAZ als Stimmen-Klang-Ereignis gefeiert wurde.

thiopische Musik auf einer Begenna
Alemu Aga an der Begenna


Ab 23 Uhr werden thiopische Gottesgebete und Hymnen von der Schpfung auf ganz besonderen Saiten begleitet. Die 5800 Jahre alte Begenna gilt in thiopien als heiliges Instrument, denn sie ist die Harfe Knig Davids aus Israel, der auf ihr spielte und die 150 Psalmen der Bibel schrieb. Das Zupfinstrument aus Schafsdarm und einem mit Leder bedeckten Resonanzkrper wird so auch biblische Davidsharfe genannt. In der traditionellen thiopischen Musik erklingt sie ausschlielich als religises Instrument zum Gebet, zum Lob Gottes und zur Meditation. Dies erzhlt der Musiker Alemu Aga ehrfrchtig, der in thiopien selbst als ein Reprsentant der orthodoxen Kirche und ihrer uralten Kultur angesehen ist. Er begleitet sein andchtiges Spiel auf der Begenna mit monotonem Gesang. Die Klnge wiederholen sich in minimalistischer Gleichmigkeit. Zwischen seinen leisen Stcken wird zum Glck nicht Beifall geklatscht. So schwingt man sich auf die sonore Melodie schnell ein.

Leise und geheimnisvoll kaleidoskopische Klnge
Auf Muschelhrnern gegen Mitternacht die "interlude"


Ab Mitternacht blst Marco Blaauw mit seinem fnfkpfigen Ensemble von vier im Raum verteilten Muschel- und Tierhrnern eine selbstkomponierte, kontemplative interlude. Nun berauschen ungewhnliche Blasinstrumente mit lang gedehnten Tnen die Ohrmuscheln. Zu noch spterer Stunde tritt der WDR Rundfunkchor Kln unter der Leitung von Nicolas Fink mit der Vesper Das groe Abend- und Morgenlob (Vsenoscnoe bdenie) von Sergej Rachmaninow auf.
Wie jedes Jahr war die Veranstaltung gut besucht und manchmal mussten Zuhrer sich mit Stehpltzen begngen. Es entfaltete sich in der romanischen Kirche wieder eine besondere Atmosphre. Den Zuschauern war es erlaubt, sich auch whrend des Konzertes in der Kirche leise zu bewegen, was ganz besondere Perspektiven und Raumeindrcke ermglichte. Oft war es auch erholsam, sich von den harten Kirchenbnken fr kurze Augenblicke zu lsen. Auch fr das leibliche Wohl war im Kreuzgang wieder bestens gesorgt. Im Wesentlichen fanden die Darbietungen hinter dem Lettner statt, was fr die im Mittelschiff sitzenden Besucher alles etwas zu sehr in die Ferne rckte.

Bleibt nun nur noch die Frage, was das Teuflische denn nun eigentlich sein soll? Eine Antwort wre vielleicht eine Faust fr ein Halleluja.

Artikel drucken