cw: Die Spielemusikkonzerte machen sich auf zu neuen Ufern. Mit "East meets West" steuern sie ein Konzert zum medienbergreifenden Musikfestival "Soundtrack Cologne" bei, mit "Final Symphony" findet die Premiere eines Spielemusikkonzerts erstmals auerhalb von Kln statt. Welche Zukunft und Ziele sehen Sie fr die Konzertreihe?

TB: Zunchst, das Konzert zu "Soundtrack Cologne" begleite ich als Berater. D. h. es ist kein Projekt der Dimension eines "Symphonic Fantasies" oder "Symphonic Odysseys", wo wir rund ein Jahr daran arbeiten. Mein Team wird aber einen groen Teil der neuen Arrangements beisteuern, Jonne Valtonen und Roger Wanamo sind bereits dabei, Musik aus Spielen wie "Turrican" fr das Orchester umzusetzen.

"Final Symphony" ist meine zehnte Produktion, die 2013 uraufgefhrt wird. Die Idee dafr entstand 2009, ber die Jahre haben wir skizziert. Seit geraumer Zeit sind wir rund um die Uhr mit der Realisierung beschftigt, um zum zehnjhrigen Jubilum der Spielemusikkonzert-Reihe eine wrdige Veranstaltung prsentieren zu knnen. Das Team ist hochmotiviert, wir haben groe Plne fr "Final Symphony".

cw: Was darf der Zuhrer von East meets West erwarten? Wo unterscheidet es sich von den vorherigen Konzerten? Was ist hnlich?

TB: Es gibt Parallelen zu den Konzerten in Leipzig, was den Programmaufbau angeht. D. h. es gibt eine Mischung verschiedener Spielemusik aus aller Welt.
Vorteil bei Veranstaltungen wie Symphonic Shades, Fantasies, Legends und Odysseys ist es gewesen, dass man einen bestimmten Fokus hatte - speziell bei den Tribut-Konzerten fr Chris Hlsbeck und Nobuo Uematsu. Stilistisch betrachtet geht es also etwas grober zu, das ist dem Konzept geschuldet. Was ohne Frage einen gewissen Reiz ausmacht.

hnlichkeiten wird man natrlich schon deswegen feststellen, weil Jonne Valtonen und Roger Wanamo fr viele der Arrangements verantwortlich zeichnen.

cw: Ist das Konzert zu Soundtrack Cologne dann als eine Art reprsentatives Empfehlungsschreiben der Spielemusik zu sehen?

TB: Ich denke, Soundtrack Cologne ist recht speziell damit verknpft, was in Kln bisher passiert ist in Sachen Spielemusik. Das zeigt sich in den groen Parts, die Chris Hlsbeck (Symphonic Shades) und Nobuo Uematsu (Symphonic Odysseys) mit jeweils rund 20 Minuten gewidmet werden.

Ich wrde nicht behaupten wollen, dass dieses Konzert problemlos berall in der Welt funktionieren wrde reprsentativ ist es allerdings in der Hinsicht, dass es zeigt: diese hohe Qualitt hat Spielemusik.

cw: Bei East meets West werden die Stcke von vielen unterschiedlichen Komponisten aufgefhrt. Werden einige von Ihnen auch nach Kln kommen?

TB: Ja, dazu wird es eine Ankndigung geben. Es ist definitiv damit zu rechnen.

cw: Im Gegensatz zu East meets West konzentriert sich Final Symphony ausschlielich auf die Musik von Final Fantasy. Was sind die Grnde, dass Sie sich auf diese Spielereihe konzentrieren?

TB: Einerseits mein persnliches Interesse an der Reihe mit dieser herausragenden Musik, andererseits der Wunsch von Nobuo Uematsu, der nach Symphonic Fantasies an mich herantrat und fragte, ob eine Prsentation seiner Kompositionen aus Final Fantasy auf diesem Niveau ebenfalls denkbar wre. Das war 2009 und 2012 bekamen wir die Genehmigung von Square Enix, mit den Plnen an die ffentlichkeit gehen zu drfen.

cw: Warum haben Sie die Genehmigung erst jetzt bekommen? Was hatte Square Enix berzeugt?

TB: Square Enix plant weit, weit in die Zukunft. Zunchst galt es, "Distant Worlds" zu ermglichen, sich zu etablieren. Das war der hauptschliche Grund.
Ich bin in der glcklichen Lage, dass mir Square Enix dank unserer langen Zusammenarbeit vertraut. Es musste nur ein passender Termin gefunden werden, um "Final Symphony" anzukndigen: im Jubilumsjahr von "Final Fantasy".

cw: Wie schon erwhnt, findet Final Symphony nicht in Kln statt, sondern in Wuppertal. Was hat Sie dazu bewogen, das Konzert dort stattfinden zu lassen?

TB: Mein Ziel ist es schon immer gewesen, Spielemusik durch verschiedene Orchester prsentieren zu lassen. Das Sinfonieorchester Wuppertal signalisierte Interesse das war die Ausgangsbasis fr die Entscheidung. Ich freue mich sehr darauf. Wir haben es mit einem hervorragenden Klangkrper zu tun und die Stadthalle Wuppertal bietet meiner Meinung nach das perfekte Ambiente.

cw: Wird es in naher Zukunft auch wieder Kollaboration mit dem WDR Rundfunkorchester und -chor geben?

TB: Es wrde uns sehr freuen. Die Arbeit mit diesem Orchester und diesem Chor macht sehr viel Spa.

cw: Bei Final Symphony wird Winfried Fechner beide Konzerte moderieren. Wie kam es zu dieser berraschung? Haben Sie ihn gefragt oder ging die Initiative von ihm aus?

TB: Ich bin der Meinung, dass Winfried Fechner ein sehr guter Moderator ist. Egal, ob man ihn im Radio hrt oder in einem Konzert sieht man merkt: dieser Mann ist mit Leidenschaft dabei. Das sprt das Publikum.

Ich glaube, die Wichtigkeit einer guten Moderation wird oft unterschtzt. Man kann sehr viel falsch machen nicht nur beim Text, sondern auch, was das Timing angeht. Man kann solche Konzerte zerreden und damit Fluss zerstren, wenn man kein Experte ist. Ich habe Winfried Fechner also gebeten, die Moderation zu bernehmen - und glcklicherweise war er sofort dazu bereit.

cw: Mit dem Erfolg kommt auch die Berhmtheit: Sie gehren mittlerweile zum meist interviewten Produzenten im Bereich der Spielemusik. Gehen Ihnen die vielen Anfragen nicht auf die Nerven?

TB: Nein, auf keinen Fall. Ich bin sehr froh, dass Interesse an diesem Thema besteht und dass sich nach neun, zehn Jahren Spielemusik soweit etabliert hat und in Konzertslen weltweit aufgefhrt wird.

cw: Zum Thema Etablierung: Ein oft geuerter Wunsch von Ihnen ist, dass Spielemusik neben klassischer Musik zum Standardrepertoire von Orchestern gehrt. Wieweit sehen Sie diesen Wunsch heute schon realisiert?

TB: Das ist etwas, woran wir arbeiten mssen. Frher oder spter wird es gelingen, davon bin ich berzeugt, aber es bedarf eben hchster Qualitt, wenn wir das erreichen wollen. Es gab erste Bewegungen in diese Richtung, das tuscht jedoch nicht darber hinweg, dass wir Orchester in Zukunft weiter berzeugen mssen.

cw: Knnen Sie sich vorstellen, dass z.B. Symphonic Shades oder Symphonic Fantasies als regelmige Veranstaltungen angeboten werden?

TB: Teile davon auf jeden Fall. Das wre auch das erklrte Ziel dass wir beispielsweise ein "Secret of Mana" in einem Konzert hren, das sich sonst auf klassische Werke konzentriert. Oder das Klavierkonzert mit Musik aus Final Fantasy. Ich wsste nicht, was knstlerisch dagegen sprechen sollte. Es muss sich lediglich ein Verantwortlicher mit etwas Mut finden lassen.

cw: Verbringen Sie noch Zeit mit Spielen?

TB: In letzter Zeit eher weniger, weil mich die Arbeit an den Konzerten stark fordert, allerdings spiele ich schon an der Konsole, ja. Das letzte Spiel, das mich bis zum Abspann in seinen Bann gezogen hat, war Legend of Zelda - Skyward Sword.

cw: Welche drei Spiele wrden Sie mit auf eine einsame Insel nehmen?

TB: Legend of Zelda Wind Waker, Final Fantasy VI und Trainyard (iPhone).

cw: Ich hoffe, dieses Interview hat nicht zu viel Zeit in Anspruch genommen und bedanke mich herzlich bei Ihnen fr das Gesprch. :)

TB: Sehr gern! Es hat viel Spa gemacht!

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