Amazon


   
Dornröschen weint bittere Tränen. „Der Prinz, der liebt mich gar nicht wirklich!“, schluchzt die Frau in dem rosa Tüllkleid. Auch Schneewittchen findet ihren Galan unglaublich nervig. Denn was kann die vielbeschäftigte moderne Frau schon mit einem Mann anfangen? „Männer sind eine Randgruppe, die dringend unserer Hilfe bedarf“, appelliert die Moderatorin vom Sessel ihrer Talkrunde aus an das Publikum. In den anderen Sesseln sitzen Expertinnen und Aktivistinnen. Der Mann ist eine verwahrloste Spezies, erklären sie, er kann mit den einfachsten Haushaltsgeräten nichts anfangen und lebt unter schrecklichen Bedingungen. Deshalb, so appellieren die Damen, solle man für Organisationen wie Terre des Hommes oder Aktion Sorgenmann spenden, „da bekommen Männer ein warmes Essen, ein Minimum an Bildung und morgens was Sauberes angezogen.“

Von wegen schwaches Geschlecht - Frauen regieren die Welt!

Der Mann ist ein Problemfall, die Frau in balanciert selbstbewusst-überfordert zwischen Beruf, Kind und Selbstverwirklichung aus. Im „Miststück für drei Damen“ widmen sich die Kabarettistinnen Tanja Haller, Sonja Kling und Beate Bohr mit viel Elan dem Thema Emanzipation. Auf einer Bühne, die mit lila- und pinkfarbenem Licht ausgeleuchtet wird, regieren an den Abenden, in denen das „Miststück“ aufgeführt wird, die Frauen die Welt. Das Programm wechselt stetig zwischen kurzen Sketchen und Gesangseinlagen, und dabei beweisen Tanja Haller und ihre Mitstreiterinnen sowohl schauspielerisches als auch komödiantisches Talent. Der Humor des „Miststücks“ kommt hervorragend beim Publikum an. In ihren Sketchen mimen die Kabarettistinnen sogar absurde Charaktere wie eine weibliche Mrs. Hitler. Diese Führerin reagiert während der Lagebesprechungen mit ihren Heerführerinnen oft sehr emotional und rät ihren Mitstreiterinnen, den Feind bösartig zu ignorieren. Am Ende verteilt das Weib angesichts der aussichtslosen Lage statt Zyankali-Kapseln Minzbonbons für den frischen Atem.

Astronautinnen auf dem Weg zur Venus

In der Tat: Die drei Damen in diesem „Miststück“ bedienen sich eines überaus schwarzen Humors. Genussvoll breiten sie alte Geschlechterklischees aus. Die drei Astronautinnen auf dem Weg zur Venus können nicht einparken und geraten in Panik, wenn sie ihren Lipgloss vergessen haben. Männer sind hier trotzdem das schwache Geschlecht, sie haben gegenüber den Power-Weibern auf der Bühne nichts zu sagen. Es geht hier um Frauen, um die Weiblichkeit in all ihren Dimensionen und Varianten. Vom Mannsweib bis zur Tussi poltern sie lautstark über die Bühne – und verheddern sich dabei in den gleichzeitigen Anforderungen von Karriere und Familie. „Nach Feierabend, da bin ich Hausfrau, ganz still und heimlich“, schmettern die Damen. „Ich wünsche mir, dass man mich bügeln lässt, das weckt in mir das Tier!“ Die vielbeschäftigte Karrierefrau und berufstätige Mutter, sie kann alles und muss alles können. Ihre Probleme stehen im „Miststück“ oft am Pranger, und Kristina Schröder ist eine der Lieblingsfeindinnen der drei Damen. Doch auch die Daniela Katzenbergers und Lady Gagas dieser Welt finden sich auf der Bühne in engen Leopardenkleidern und Dosen-BHs wieder.

Die drei Damen verkörpern im „Miststück“ aber vor allem eines: richtige Frauen. Haller, Kling und Bohr sind nicht nur selbst wahre Vollweiber, auch die Charaktere ihrer Sketche passen in keines der althergebrachten Rollenklischees. Laut, grell, singend und tanzend stehlen sie den Männern die Show – und bieten dem Publikum einen unterhaltsamen Abend mit süffisantem politischem Understatement.

Artikel drucken