Das Klangwelten-Festival hat auer seinem Titel wenige Gemeinsamkeiten mit dem derzeitigen Tourneeprogramm des Elektro-Projektes Schiller. So verzichtet der Organisator Rdiger Oppermann bewusst auf elektronische Musik oder knstliche Verstrker. Seit 25 Jahren fhrt der Harfenist Oppermann Knstler aus aller Welt zu einem jhrlichen Weltmusik-Tourneeprogramm und einem auergewhnlichen musikalischen Dialog zusammen. Knstler unter anderem aus Java, Gambia, der Mongolei, Indien und Kanada spielten am 15. November bei dem Jubilumskonzert in der Bundeskunsthalle. Viele der Konzertbesucher kommen schon seit Jahren zu der, am Abend selber meist ausverkauften Konzertreihe.

Dialog der Kulturen

Spontan und sichtlich emotional bewegt fhrt Oppermann durch den dreistndigen Abend. Er erzhlt witzige Anekdoten darber, wie er die einzeln oder zu mehreren auftretenden Knstler kennenlernte und erklrt ungewhnliche Instrumente, wie etwa das Streichinstrument Kora aus Gambia oder die Pferdegeige. Er lobt die Location in der Bundeskunsthalle aufgrund der guten Akustik, dem Luftabzug und der bequemen Sitzmglichkeiten. Leider mussten jedoch einige Musikinteressierte wieder nach Hause geschickt werden, weil der Konzertsaal dem Besucherandrang nicht gerecht werden kann. In diesem Jahr traten beim Jubilumskonzert nur Knstler auf, die bereits bei frheren Klangwelten-Konzerten gespielt hatten. Auch verzichtete Oppermann bei dem Jubilumskonzert darauf, eigene Kompositionen mit den Knstlern zur Auffhrung zu bringen. Dies wolle er jedoch Ende 2012 nachholen, wo er zusammen mit den Knstlern nur eigene Kompositionen vorfhren mchte.

Berhrende fremdlndische Gesnge

Die schamanischen Sngerinnen Cynthia Pitsiulak und Annie Aningmiuq sind extra fr Oppermanns Konzertreihe aus einem Eismeer-Gebiet der kanadischen Arktis angereist. Sie erffnen den Konzertabend mit archaischem Kehlkopfgesang. Ihr Song Katajaq ist ein traditioneller Gesang der Eskimo-Kultur. Die beiden jungen Frauen stehen sich gegenber, fassen sich bei den Schultern und beginnen sich zu wiegen. Wie ein Keuchen singen sie ineinander verschlungen hohe und tiefe Tne. Die sich wiederholenden Tne verlagern sich, werden gedehnt und vibrieren. Sie ergeben schlielich eine beruhigende Melodie, die spter wieder gebrochen wird. Auch Enkh Jargal aus der Mongolei steuert an dem Abend Schamanengesang bei. Jargal begleitet seinen stimmungsvollen Gesang bei Ev Eij virtuos an einer Pferdegeige. Seine sanfte, kraftvolle Stimme gleitet gekonnt improvisiert zwischen fnf Oktaven. Untersttzt wird Jargal von Oppermann an einer Harfe.

Kontemplative Klangteppiche

Tata Dindin aus Gambia begleitet seinen gefhlvoll zurckgenommenen Gesang bei Adinna und Kano ebenso an einer Harfenlaute. Der Zuhrer vernimmt dabei kontemplative Klangteppiche. Der Inder Jatinder Thakur an der Tablas und die Trommler Agus Supriawan und Wahyu Rochewandy aus Java sorgen beim Song Contact fr lange andauernde, rhythmisch groovende Trommelwirbel. Versetzt sitzend und die Trommelschlge stimmlich durch Ausrufe begleitend wirkt ihre Performance wie ein begeistertes Wetttrommeln. Der New Yorker Park Stickney tritt schlielich mit seiner selbstgeschriebenen melancholischen Harfenkomposition Still Live With Jazz Harp auf. Leider musste der afrikanische Jazz-Trompeter Terrence Ngassa seinen Aufritt aufgrund einer Krankheit kurzfristig absagen. Er hatte unter anderem 2009 bei KlangWelten mitgewirkt. Insgesamt gab es eine Vielzahl sehr anregender, wohltuender Hrerlebnisse fernab des europischem Mainstreams.

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