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Und obwohl es ihnen angesichts dieser Dinge, die Republik, Kontinent und den gesamten Globus in Atem halten, oft genug angst und bange wird: Fritz Litzmann und Hermann Schwaderlappen alias Rainer Pause und Norbert Alich teilen trotzdem heftig aus. Sie lassen sich nicht kleinkriegen. Folgerichtig heißt das neue Programm "Oberwasser". Premiere war am 15. Juli.
Die Welt ist schlecht!
Fritz & Hermann – das bedarf keiner Erklärung mehr. Die Stadt weiß Bescheid. Und das auch schon seit über zwanzig Jahren. Das "Bonner Traditionsduo" steht für Kabarett in Lokalkolorit, wobei es auch ruhig mal ein wenig derber und politisch unkorrekt zugehen darf. Durch die Blume gibt’s da nicht, und das ist auch gut so.
Denn grobe Kellen braucht das Land – auch wenn die in der Mehrzahl auf den Kopf des Gegenüber gedroschen werden. Denn was die beiden an Streitpotential gegen Welt- und Republikgeschehen auffahren, fahren sie auch gerne gegeneinander auf. Aus Gründen, die nach den ersten Salven schon wieder egal sind.
![]() Gemeinsam gegen die Unbillen dieser Welt. |
Wohltuend leger gehen Pause und Alich auch in ihrem neuen Programm mit Fettnäpchen und verbalen Tabuzonen um. Damit liegen sie ganz richtig, was am Premierenabend deutlich daran erkennbar war, daß so manche bitterböse Pointe betreten-unsichere Zurückhaltung beim Publikum auslöste.
Besonders schön ist's da, wo's ruhig bleibt
Die alte Geschichte: Flott, locker und unproblematisch kommt besser an als die Gratwanderung vor dem Abgrund der Tabuzonen. Hier schweigt das Publikum lieber, dort lacht der Klatschende dafür zweimal so laut. Aber der Kabarettist bohrt eben gerne da, wo's weh tut.
Das gelingt in "Oberwasser" nicht immer: Fritz' Ereiferung über kirchlichen Mißbrauchsskandal und besonders Zölibat ist weniger Tabuzonen-Getrampel als Revue überholter Meldungen enervierend antikatholischer Gazetten von Republik und Region. Das ist schon lustig, aber zu gefällig, um wirklich "hobeln" zu können. Und obwohl ein gesanglicher Leckerbissen, ist Hermanns Interpretation von Angela Merkel als Opernsängerin nicht unbedingt eine kabarettistische Kneifzange.
Trotz allem sind die Soloparts gekonnt – die größeren Stärken liegen aber deutlich im Duett. Da sind Pause und Alich unerreicht. Und besonders dort spielen sie ihre Klasse aus, wo das Publikum nicht lacht, sondern mit Applaus geizt. Da, wo diese Klasse vielleicht auch keiner so richtig mitbekommen will.
![]() Und auch singen können sie! |
Dann wird die Nummer zum blankpolierten Spiegel: Dann entpuppen sich Fritz & Hermann auch mal als Alter ego des eigenen Publikums. Und das darf sich auch mal auf den Schlips getreten fühlen und ein bißchen pikiert schweigen angesichts dieser Entlarvung.
Dafür ist Kabarett ja da: Ab und zu einfach mal den Irrglauben austreiben, daß es immer nur auf "die anderen da oben" geht. Dazu gehört im Zweifel eben auch mal der, der "da unten" im Parkett sitzt. Der darf dann aber trotzdem lachen. Die beiden sind ja eigentlich ganz lieb...
Fritz & Hermann: Oberwasser
mit Rainer Pause und Norbert Alich
Musik: Stephan Ohm
Nächster Termin: 20. Juli
Ort: Pantheon
www.pantheon.de



















