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Die Welt ist aus den Fugen. Allerorten zu sehen, zu lesen und zu hören. Das vermiest den Alltag. Das läßt keinen kalt, denn Bedrohungen und allerhand andere Widrigkeiten stehen vor der Haustür: in Form von afrikanischen Flüchtlingen (das war aber schon mal so, denn schließlich liegt die Wiege der Menschheit ja bekanntlich in Afrika), Naturkatastrophen (von wegen alternative Energien – an Sonne, Wind und Wasser sind immerhin schon etliche gestorben!), Epidemien und Skandalen.

Und obwohl es ihnen angesichts dieser Dinge, die Republik, Kontinent und den gesamten Globus in Atem halten, oft genug angst und bange wird: Fritz Litzmann und Hermann Schwaderlappen alias Rainer Pause und Norbert Alich teilen trotzdem heftig aus. Sie lassen sich nicht kleinkriegen. Folgerichtig heißt das neue Programm "Oberwasser". Premiere war am 15. Juli.

Die Welt ist schlecht!

Fritz & Hermann – das bedarf keiner Erklärung mehr. Die Stadt weiß Bescheid. Und das auch schon seit über zwanzig Jahren. Das "Bonner Traditionsduo" steht für Kabarett in Lokalkolorit, wobei es auch ruhig mal ein wenig derber und politisch unkorrekt zugehen darf. Durch die Blume gibt’s da nicht, und das ist auch gut so.

Denn grobe Kellen braucht das Land – auch wenn die in der Mehrzahl auf den Kopf des Gegenüber gedroschen werden. Denn was die beiden an Streitpotential gegen Welt- und Republikgeschehen auffahren, fahren sie auch gerne gegeneinander auf. Aus Gründen, die nach den ersten Salven schon wieder egal sind.

Gemeinsam gegen die Unbillen dieser Welt.
Im gemeinsamen Gegner sind sich die beiden immer einig. Und in trauter Zweisamkeit geht es an die Front. Unverhohlen, verbal auf allen Ebenen, mit Wortwitz, Gesangseinlagen und Ideen, die vor Kreativität nur so strotzen. Wobei sie dem Zuschauer etliche Zusammenhänge aufdecken, die ihm bislang verborgen geblieben sind. Beispielsweise der zwischen spontanen Erdrutschen in Thüringen und Vulkanausbrüchen in Indonesien. Ein Phänomen, das nach Nutzung schreit: Den Atommüll rein ins Loch, dann regnet es im Dschungel eben ein bißchen Asche. Die FDP gleich nachgeschoben – "da kann doch keiner ernsthaft was dagegen haben."

Wohltuend leger gehen Pause und Alich auch in ihrem neuen Programm mit Fettnäpchen und verbalen Tabuzonen um. Damit liegen sie ganz richtig, was am Premierenabend deutlich daran erkennbar war, daß so manche bitterböse Pointe betreten-unsichere Zurückhaltung beim Publikum auslöste.

Besonders schön ist's da, wo's ruhig bleibt

Die alte Geschichte: Flott, locker und unproblematisch kommt besser an als die Gratwanderung vor dem Abgrund der Tabuzonen. Hier schweigt das Publikum lieber, dort lacht der Klatschende dafür zweimal so laut. Aber der Kabarettist bohrt eben gerne da, wo's weh tut.

Das gelingt in "Oberwasser" nicht immer: Fritz' Ereiferung über kirchlichen Mißbrauchsskandal und besonders Zölibat ist weniger Tabuzonen-Getrampel als Revue überholter Meldungen enervierend antikatholischer Gazetten von Republik und Region. Das ist schon lustig, aber zu gefällig, um wirklich "hobeln" zu können. Und obwohl ein gesanglicher Leckerbissen, ist Hermanns Interpretation von Angela Merkel als Opernsängerin nicht unbedingt eine kabarettistische Kneifzange.

Trotz allem sind die Soloparts gekonnt – die größeren Stärken liegen aber deutlich im Duett. Da sind Pause und Alich unerreicht. Und besonders dort spielen sie ihre Klasse aus, wo das Publikum nicht lacht, sondern mit Applaus geizt. Da, wo diese Klasse vielleicht auch keiner so richtig mitbekommen will.

Und auch singen können sie!
Das gewohnte und geliebte "Fritz-und-Hermannsche Tennis" zieht zwar immer und überall – herrlich witzige Wortgefechte und grandiose Gesangseinlagen, weit davon entfernt, in Nonsense abzugleiten. Doch wenn's im Eifer des Gefechtes mal den ein oder anderen unlauteren Ballwechsel gibt, mit einem der beiden vielleicht sogar der McEnroe durchgeht, ganz ohne Pathos und Allgemeinplätze, ganz kurz und knapp aus dem Wortgefecht heraus; wenn alles, aber auch wirklich alles den guten und politisch korrekten Manieren zu entgleiten scheint, ganz nebenbei, ganz selbstverständlich, ganz natürlich – dann ist das wirklich was ganz Feines!

Dann wird die Nummer zum blankpolierten Spiegel: Dann entpuppen sich Fritz & Hermann auch mal als Alter ego des eigenen Publikums. Und das darf sich auch mal auf den Schlips getreten fühlen und ein bißchen pikiert schweigen angesichts dieser Entlarvung.

Dafür ist Kabarett ja da: Ab und zu einfach mal den Irrglauben austreiben, daß es immer nur auf "die anderen da oben" geht. Dazu gehört im Zweifel eben auch mal der, der "da unten" im Parkett sitzt. Der darf dann aber trotzdem lachen. Die beiden sind ja eigentlich ganz lieb...

Fritz & Hermann: Oberwasser
mit Rainer Pause und Norbert Alich
Musik: Stephan Ohm


Nächster Termin: 20. Juli
Ort: Pantheon

www.pantheon.de

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