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"Unser Anspruch lautet nicht, das 70er-Jahre-Gesocks hier zu befriedigen!" sprach Nest und machte wahr: statt Pop gab's Jazz ("Knowing me, Knowing you" mit einem schier endlosen pianol‘schem Vorspiel, bei dem selbst die Sangeskollegen nicht wach bleiben konnten), statt Evergreens Hip-Hop („Super Trouper“), zur Entlastung beziehungsweise zukünftiger Entlassung des Pianisten (der ohnehin bei keinem Vergnügen mitmachen kann, weil ihm dann die Stütze gestrichen wird) auch mit türkischer Beatuntermalung.
Zusätzlichen Spaßfaktor boten die herzergreifenden Auseinandersetzungen zwischen den Kollegen, die jede eigentlich so gut geplante Ansage aufs neue vollends dekonstruierten. Thilo Nest fühlte sich unterfordert, als Burgschauspieler behagte ihm das niedrige Niveau einer ABBA-Show ganz und gar nicht. Hanno Friedrich fühlte sich unterschätzt und versuchte immer wieder umsonst, den Abend doch noch zu retten. Heißblütig peitschten die beiden Sturköpfe verbal aufeinander ein, vertrugen sich wieder und begannen von neuem. Zum Schreien! Und Alexander Paeffgen? Tja…der ist eben der Musiker. "Gibt’s ja auch wie Sand am Meer!"
Bei so viel Komödie kann der eigentliche ABBA-Bezug schon mal auf der Strecke bleiben, doch den dreien gelingt es durch immer neue Überraschungen trotzdem, einen stringenten Bogen zu spannen. Wenn Thilo Nest dann etwa als Bariton-Virtuose Hermann Prey im Duett mit Hanno Friedrichs Bob Dylan-Interpretation anmutig "One of us" darbietet, bleibt einem vor Erstaunen auch schon mal die Luft weg.
Kurzum: Ein gelungener, furioser Abend mit allerhand Bekanntem in unbekannter Art und Weise. Viel zum Staunen und vor allem viel zum Lachen. "Thank you for the music" – ein Abend, der sich lohnt.
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