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Dieser Tage beeindruckt Christopher Nolans „Inception“ weltweit das Kino-Publikum. Die muntere Hatz durch Traum und Traum im Traum begeistert vor allem durch eine „komplexe“ Struktur, die aber zum Glück eigentlich gar nicht so komplex ist, da ja alles ausgiebig erklärt wird. Reaktionen direkt unmittelbar nach dem letzten Filmbild bestehen daher öfters aus einem erleuchteten „Ah!“ und relativ selten aus einem hilflosen „Hä?“. Im Arkadenhof der Uni Bonn sah das ganz ähnlich aus, als „Ein beunruhigendes Abenteuer“ seinen letzten Akt eröffnete. Der große Ausweg, den der Held des Films findet, rief zwar auch das eine oder andere laute „Hä?“ hervor. Im Kern nahm das Publikum die plötzliche Wendung (verraten wollen wir diese natürlich nicht) äußerst amüsiert auf. Und es war auch Zeit, dass man wieder etwas Amüsement verspürte. Begonnen hatte der französische Stummfilm durchaus heiter, mit einer Verlobungsfeier in den besten Kreisen und der Nebenfigur des „frauenhassenden“ Onkels, der die Junggesellen-Liga leitet und selbst nicht wie die beste Partie aussieht. Und auch die Erlebnisse des Helden sorgen zunächst für Heiterkeit: Octave, Bruder des baldigen Bräutigams, muss diesen aus einem zwielichtigen Etablissement herauszerren und zur Braut zurückbringen. Dabei weckt er den Zorn der Sängerin und Schauspielein Yvonne, die sich in ihrem Stolz verletzt sieht. Ihre Rache am „impertinenten“ Jüngling besteht daraus, dass sie ihn um den Finger wickelt. Sie animiert ihn zum Verprassen des Geldes seines reichen Vaters und bietet ihm schließlich an, mit ihr auf Tourneereise zu gehen. In der Nacht, bevor das Kreuzfahrtschiff ablegt, schläft Octave sehr unruhig – soll er seine Familie wirklich verlassen? Seine Entscheidung führt ihn auf einen Weg, der immer weniger zum Lachen anregt. Nach dem Aufstieg kommt der bodenlose Fall, und die Jahre vergehen wie im Flug, so, als wäre man auf einmal in einem anderen Film gelandet. Die düstere Stimmung, die eine Zeit lang eintritt, kann man sich vielleicht durch die Produktionsgeschichte des Films erklären. 1919 trieb die Oktoberrevolution in Russland viele Filmschaffende ins Exil, Ende des Jahres verlegte auch Joseph Ermoliev seine Produktionfirma fluchtartig nach Frankreich. Sein Regisseur Jakov Protazanov arbeitete bereits während der Reise am „Beunruhigenden Abenteuer“ und konnte für die Kreuzfahrt des Liebespaares so die Originalschauplätze einfangen. Jalta, Konstantinopel, Marseille und schließlich Paris – in Wirklichkeit fand die Reise in umgekehrter Reihenfolge statt. Mit in den Westen exportiert wurden zwei Schauspielgrößen des Stummfilms, Iwan Mosjukin und Nathalie Lissenko. Beide machen den Film zu einer wahren Freude. Und wenn Mosjukin Freude oder Trauer in die Zuschauermenge hinaus projiziert, denkt man vielleicht einen Moment an den wirklichen Menschen, der uns nach 90 Jahren nur als stummes Abbild erhalten geblieben ist, einem aber so nah wirkt, als hätte man ihn selbst gekannt. Die Stummfilmtage laufen noch bis zum 22. August. ***Programm und weitere Informationen*** Du wolltest immer schon mit einer Stummfilmlegende “befreundet” sein? Iwan Mosjukins MySpace-Profil!
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