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Düstere Klaviertöne, ganz weit unten im tiefen Bereich, dort, wo die Leinwandmonster lauern. So begann Stephen Hornes Vertonung des japanischen Kurzfilms „Modern Horror 100.000.000 Yen“ im Bonner Sommerkino. Das geschulte Horror-Publikum erhält bei solchen Klängen sofort eine Gänsehaut, wie durch einen Pawlowschen Reflex. Bedrohliche Bilder der japanischen Wildnis erscheinen. Zwischentitel leiten die Geschichte eines jungen Paares ein, dass die Zivilisation verlassen hat, weil der Vater der Frau eine Hochzeit nicht erlauben wollte.

Sämtliche Vorahnungen auf ein übles Ende der Geschichte lösen sich jedoch schnell in Luft auf, als man das Paar mit eigenen Augen sieht. Er wirkt wie eine Mischung aus Goofy und dem titelgebenden Helden der Serie „Gilligans Insel“, und sie hat ihre liebe Mühe, ihn auf der Flucht vor einem verrückten Alten durch tiefhängendes Geäst zu manövrieren. Man merkt, „Modern Horror 100.000.000 Yen“ ist eine Horror-Komödie. Kein Wunder also, dass zwischendurch auch leichtere Klänge den Film untermalen. Als Krönung der Albernheiten wird das Gespenst des Schatzhüters schließlich mit dem Ausruf „Polizei! Sie sind verhaftet!“ in Schach gehalten. Das Publikum schien aber sehr zufrieden damit, sich zu amüsieren statt zu gruseln.

Ein wenig wirkt „Modern Horror 100.000.000 Yen“ zwar so, als hätte man es mit einer heutigen Privatproduktion zu tun – gedreht mit einem Camcorder im heimischen Wäldchen. Trotz des geringen Umfangs sitzt aber alles am rechten Platz, und der Kurzfilm aus dem Jahr 1929 kann auf ganzer Linie überzeugen. Regisseur Torajiro Saito, Spezialist für gesellschaftskritische Komödien, meisterte den Exkurs mit Bravour und konnte auch noch seine Kritik an der auf Geld und Stellung fixierten Standesgesellschaft unterbringen. Materielle Alterserscheinungen – der Film lag vor seiner Restauration nur noch als alte Heimkino-Kopie vor – trüben den Genuss nicht, man ist eher von der Zeitlosigkeit des kleinen Werks überrascht. Den Stummfilmtagen ist somit wieder ein Glücksgriff in die Filmarchive der Welt gelungen.

Die Stummfilmtage laufen noch bis zum 22. August.

***Programm und weitere Informationen***

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