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Maurice Lalle setzt sich doch tatsächlich ohne Hemd ans Fenster seiner Wohnung. Heutzutage mag das nicht so außergewöhnlich erscheinen, in den 1920er Jahren konnte man mit sowas jedoch intensive Reaktionen hervorrufen. Und dann befinden sich Maurice, seine Wohnung und die Nachbarin, die die entblößte Männerbrust zu Gesicht bekommt, auch noch alle in Paris. Paris, die Stadt der Liebe und all der Sachen, die mit Liebe einhergehen, über die der Gentleman jedoch schweigt. Maurice, dessen nackter Oberkörper zu einem Scheich-Kostüm gehört, bricht in die arabischen Liebesphantasien („Mein Scheich!“) seiner Nachbarin Suzanne ein. Um den unwissenden Verführer in seine Schranken zu verweisen, schickt Suzanne ihren Mann Paul ins Nachbarhaus. Der entdeckt dort jedoch, dass Maurices Angetraute eine alte Liebhaberin ist. Muss man erwähnen, dass daraus ein Ringelpiez mit Anfassen entsteht? Nicht, wenn man sich den Mann hinter der Kamera ins Gedächtnis ruft – Ernst Lubitsch. Stefan Drößler, Leiter des Filmmuseums München, leitete „So This Is Paris“ am 13. August in Bonn mit dem Prädikat „Lubitschs lustigste amerikanische Stummfilmkomödie“ ein. Der deutsche Regisseur hatte seine Meisterschaft im komischen Genre bereits in seinem Heimatland bewiesen, seit 1923 drehte er in Hollywood. Das amerikanische Publikum reagierte zunächst verhalten. „So This Is Paris“ entstand 1926 dementsprechend mit knappen Mitteln. Lubitsch startete jedoch richtig durch und baute auf den Markenzeichen seiner deutschen Produktionen auf. Aberwitzige Situationskomik, absurde Verwechslungen und starke Schauspieler, die in einem Beziehungswirrwarr gefangen sind. Das Publikum der Internationalen Stummfilmtage in Bonn brauchte nicht lange, um sich mit dem Pariser Lotterleben anzufreunden. Durchgängig wurde gelacht – kein Wunder, immerhin saßen die Pointen unglaublich viel treffsicherer als bei heutiger Komödien-Kost. Und auch wenn die „Stadt der Liebe“ heute nicht mehr ganz so verrucht erscheint wie sich die Amerikaner das damals erträumt haben, ist der Film immer noch überaus aktuell. Das Hin und Her zwischen Männlein und Weiblein wird wohl nie aus der Mode kommen. Und ist es nicht schöner, wenn man das statt mit Daily-Soap-Dramatik einfach mal mit einem Augenzwinkern und einem schallenden Lachen verarbeitet? Die Stummfilmtage laufen noch bis zum 22. August. ***Programm und weitere Informationen***
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