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Ein großes Science-Fiction-Spektakel mit herausragenden visuellen Effekten, dünner Handlung, offensichtlicher Botschaft und einer schmalzigen Liebesgeschichte – kurz, ein Meilenstein der Filmgeschichte. Die Rede ist jedoch nicht von James Camerons „Avatar“, auf den alle oben erwähnten Eigenschaften sicherlich auch zutreffen. „Metropolis“ konnte mit dieser Formel bereits im Jahr 1927 sein Publikum erreichen. Perfekt war die Zukunftsvision des deutschen Regisseurs Fritz Lang bei weitem nicht, wie auch so manche zeitgenössische Kritik anmerkt. Trotzdem bleibt das Werk bis heute einer der bekanntesten Stummfilme. Nicht zuletzt wegen seiner Funktion als Urvater des Sci-Fi-Genres: Mega-Städte wie in „Blade Runner“ oder „Das Fünfte Element“ funktionieren stets nur als Homage an die gute alte Metropolis. Und auch C-3PO aus „Krieg der Sterne“ ist nur die leicht maskulinere Version des „Maria“-Roboters.

Zur Eröffnung der 26. Internationalen Stummfilmtage im Arkadenhof des Bonner Universitäts-Hauptgebäudes kamen weitere Faktoren hinzu, die „Metropolis“ ein weiteres Mal zum unverzichtbaren Ereignis machten. Nicht nur ein Eröffnungsfilm – nein, vielleicht das letzte Mal, dass die Stummfilmtage überhaupt eröffnet werden. Wer will das schon verpassen? Außerdem war die neu restaurierte Fassung des Klassikers gerade dieses Jahr wieder ins Bewußtsein gerückt worden, vor allem durch die große „Zweit-Premiere“ auf der Berlinale (live im Fernsehen übertragen, aber nur auf Arte, denn so spannend ist Filmgeschichte für das Massenmedium ja doch nicht). Lange hatten ganze Szenen aus „Metropolis“ gefehlt, jetzt hatte man in Buenos Aires noch eine alte, fast komplette Kopie gefunden. Um solch einen Siegeszug der Stummfilm-Restauration kamen folglich weder das Bonner Sommerkino noch das Bonner Publikum herum.

Fast eine Stunde vor Filmbeginn mußten die Tore des Arkadenhofs bereits geschlossen werden. Im Zuschauerraum munkelte man, bis zu 400 Interessierte seien wieder nach Hause geschickt worden. Ein wichtiges Zeichen für die Beliebtheit der Stummfilmtage. Insbesondere, da man offensichtlich nicht nur das Fachpublikum erreicht hatte. Auch wenn „Metropolis“ eins der bekanntesten Werke seiner Ära ist und dieses Jahr bereits durch die Medien gegeistert war – das Publikum hatte scheinbar nicht gewusst, was es erwartete. Es gab zwar kein ungläubiges Staunen in Anbetracht der futuristischen Häuserschluchten, dafür aber ungläubiges Lachen, als nach Verstreichen der ersten Stunde Spielzeit die nüchterne Texttafel „Ende des Auftaktes“ erschien. Wenn das der Auftakt war, wie lang wäre erst der Hauptteil?

Zweieinhalb Stunden Konzentration und Ausharren auf den Stühlen, dazu ein eisiger Wind, der von oben in den Arkadenhof zog – das forderte seinen Tribut. Mit schwindenden Kräften reagierte das Publikum immer lockerer auf die Geschichte des Klassenkampfs zwischen Arbeitern und Konzernbesitzer. Sowohl die Liebe zwischen dem pathetischen Freder und seiner Maria als auch der actionreiche Showdown auf dem Dach einer alten Kathedrale forderten immer mehr Lacher heraus. Als der Wahlspruch des Films – „Mittler zwischen Hirn und Hand muss das Herz sein“ – schließlich zum dritten Mal auftauchte und plakativ das beherzte Eingreifen des „Mittlers“ Freder untermalte, feierte das Publikum mit johlendem Applaus. Man merkt: wenn es um Stummfilm geht, können auch die größten Klassiker noch auf neue Augen treffen. Selbst ein Standardwerk wie „Metropolis“ demonstriert so die Daseinsberechtigung der Internationalen Stummfilmtage in Bonn – als Vermittler der Filmkultur.

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