|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
Es ist wieder geschafft – die Gewinner des Prix Pantheon 2010 stehen fest. An zwei Wettkampftagen im April trafen sich Nachwuchskünstler aus Comedy, Kabarett und Satire im Bonner Pantheon und traten in den Wettstreit. Am Dienstag wurden im Rahmen einer feierlichen Gala die Sieger gekürt. Während Sonderpreisträger Georg Schramm, Publikumsgewinner Sebastian Pufpaff und Jury-Preisträger Sebastian 23 feststanden, blieb das Ergebnis der Fernsehzuschauerwahl bis zum Schluss geheim. Rainer Pause führte wie jedes Jahr mit seinem rheinischen Charme gepaart mit Hyperaktivität und verlegenem Gekicher durch das Programm und begrüßte die Elite der Kleinkunst. Für den musikalischen Rahmen sorgten Die Drei von der Funkstille – passend zur WM eröffneten sie den Abend mit als Blockflöten getarnten Vuvuzelas und einem Sommerhitmedley. Jochen Malmsheimer wunderte sich über die Deutsche Bahn und die seltsame Rhetorik von Schaffnern, die sich um die Sorgen der Fahrgäste kümmern und ICE-Türen, die an die Fahrstühle von Raumschiff Enterprise erinnern. Malmsheimer erntete mit seinen wunderbar ausschweifenden, als Euphemismen getarnten Schimpftiraden erste Lachtränen im Publikum und sorgte für einen amüsanten Auftakt. Publikumspreisträger Sebastian Pufpaff brauchte wieder ein bisschen, um warm zu werden. Seine böse Zunge verkündete wieder Gemeinheiten per excellence, die man ihm dank seines souveränen Charmes aber nicht verübeln mag. Es bedarf sicher noch einiger Übung, um das Publikum schon mit den ersten Pointen zu überzeugen, doch von dem angehenden George Clooney der deutschen Comedyszene darf man noch einiges erwarten. Er riskiert einen zynischen Blick auf die Welt, baut auf "selektive Wahrnehmung" und grenzenlosen Optimismus, der ihn sicher noch weit bringen wird. Sebastian 23, der den Jury-Preis entgegen nehmen durfte, setzt auf ganz anderen Humor. Poetry Slam ist seine Spezialität, doch längst hat er bewiesen, dass er deutlich mehr kann und so begeisterte er das Publikum mit sanft gerappten Änderungsvorschlägen, schön poetisch verpackt und bestens gelaunt. Dave Davis, zweifacher Prix-Pantheon-Preisträger 2009 ist mittlerweile bühnenerprobt und scheint sich vom Komödianten immer mehr zum Kabarettisten zu entwickeln. Sinnierte er als Klomann Motombo Umbokko bisher überwiegend über die Merkwürdigkeiten des Alltags, so beschäftigen ihn mittlerweile deutlich tiefgründigere Themen wie Rassismus. So ganz gelingt ihm die feine Ironie noch nicht. Das ist eben die große Kunst des Kabaretts – unschöne Wahrheiten so verpacken, dass man darüber lachen kann. Sonderpreisträger Georg Schramm ist längst ein Meister seines Fachs. Flankiert von Ellipsen-König Piet Klocke und einem der Urväter des deutschen Kabaretts Dieter Hildebrandt nahm er in seiner Rolle des nörgelnden Rentners Dombrowski den begehrten Preis entgegen. Während Klocke im ihm so eigenen Stil versucht, einen zusammenhängende Text vorzutragen und den ganzen Saal mit seinen verzweifelten Suchen nach den richtigen Worten und sinnbefreiten Versprechern zum Lachen bringt, kann Hildebrandt mit seiner ausschweifenden und eher konservativen Rede nur bedingt begeistern. Hier hätte man sich mehr Biss, mehr Tempo gewünscht und keine Pointen, die in Endlossätzen untergehen. Rainald Grebe kommt da schon schneller auf den Punkt. Er versteht sich als Dienstleister und berichtet kurz und knackig von seinen Erfahrungen bei Betriebsfeiern, wo er nur ein kleiner Programmpunkt zwischen Rinderroulade und Käsevariationen ist – laut, schrill, deutlich und sehr lustig. Ein gelungener Abschluss vor der letzten Überraschung des Abends: Die Wahl der Fernsehzuschauer fiel in diesem Jahr auf das Trio Nordkvark. Die Samimänner aus Samiland suchen immer noch nach den richtigen Frauen, die ihnen beim Lachs-Hunting im einsamen Lappland Gesellschaft leisten. Die drei waren vor Freude kaum zu bremsen, verteilten frisch gebratene Fischstäbchen und fettige Küsse im Publikum, sangen die läppische Version von "Waterloo" und hörten erst auf, als Rainer Pause das Ende des Abends verkündete. Die Aufzeichnung der Prix-Pantheon-Gala wird am 19.06.2010 um 22:45 Uhr im WDR ausgestrahlt. Und ab sofort darf man gespannt sein, wer die Nominierten 2011 sein werden und wie sich die diesjährigen Preisträger so machen. Sebastian 23 ist am 10.09.2010 im Pantheon mit seinem Soloprogramm "Gute Laune hier" zu sehen, am 20.09.2010 wird Sebastian Pufpaff mit dem Bundeskabarett auf der selben Bühne stehen. Georg Schramm ist solo im August zu sehen. Karten gibt es unter anderem online.
|