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Nicht Take That, nicht die Backstreet Boys, nicht *N Sync. Es sind die deutschen Comedian Harmonists, die sich als erste Boygroup der Welt bezeichnen dürfen. Derzeit wird in der Bonner Oper in Zusammenarbeit mit dem Staatstheater Darmstadt eine Oper über das Sextett, das mit Vokalmusik weltbekannt wurde, aufgeführt. Bereits 1997 schrieben Gottfried Greiffenhagen (Text) und Franz Wittenbrink (Musik) diese Oper, in der die verschiedensten Lieder der Gruppe verarbeitet wurden, allen voran natürlich "Mein kleiner grüner Kaktus" und "Veronika, der Lenz ist da".

Die Rahmenhandlung ist schnell erzählt: zunächst wird die Gründung der Gruppe 1927 gezeigt, die aufgrund einer Zeitungsannonce und eines anschließenden Vorsingens zustande kam. Dann wird der Aufstieg der Band erzählt, bis zu ihrem großen Durchbruch Anfang der 30er Jahre. Schließlich werden die Ereignisse bis zur Trennung des Sextetts im Jahre 1935 wiedergegeben. Da drei Mitglieder der Gruppe Juden waren, durften sie im nationalsozialistischen Deutschland nicht auftreten. Außerdem werden auch die Konflikte innerhalb der Gruppe angesprochen.

Die Oper an sich scheint weniger wie eine Oper. Es ist vielmehr ein Theaterstück mit musikalischer Untermalung. Es gibt kein großes Orchester, nur einen Pianisten, Tobias Engeli, der auch den Pianisten der Comedian Harmonists, Erwin Bootz, verkörpert. Die Geschichte wird in Dialogen erzählt und die Lieder der Berliner werden eingestreut, um Proben oder Konzerte zu inszenieren. Dabei wird auch das Publikum eingebunden, nämlich als Publikum der Schauspielhäuser in Berlin, Leipzig oder Paris.

Das Ensemble ist fast auf die sechs Mitglieder der Comedian Harmonists beschränkt. Dabei gehen alle in ihren Rollen auf und lassen den Witz der Gruppe aufleben, vor allem bei der Darbietung der Songs. Abgerundet wird die Besetzung durch Jean-Michel Räber, der alle sonstigen Rollen übernimmt: vom Entdecker der Gruppe, Bruno Levy, mit charmanter Berliner Schnauze; bis zum Ministerialrat, der ihnen mitteilt, dass sie nicht mehr auftreten dürfen und dann dreist nach einem Autogramm fragt. Außerdem übernimmt er alle Ansagerrollen und kann sogar sein Französisch unter Beweis stellen. Jede dieser kleinen Rollen bietet er so charmant und witzig dar, dass er wohl die meisten Lacher des Abends erhielt.

An vielen Stellen fängt die Oper den besonderen Witz der Comedian Harmonists ein, der zum Teil an Slapstick erinnert. Zwar ist die Geschichte nicht ganz korrekt erzählt, zum Beispiel gab es zu Beginn der Gruppe einen Wechsel in der Formation. Jedoch war die historisch korrekte Nacherzählung der Geschehnisse gar nicht die Absicht des Duos Greiffenhagen/Wittenbrink.
Am Ende gab es für das gesamte Ensemble tosenden Applaus und sogar Standing Ovations, gefolgt von vier Zugaben.

Alles in allem ist diese Oper für Musikinteressierte ein absolutes Muss. Aber auch Geschichtsfans kommen auf ihre Kosten, da man viel von dem Flair der 20er und 30er Jahre mitbekommt und eben auch die Nazizeit thematisiert wird.

Weitere Vorstellungen finden am 30. Mai beziehungsweise am 22. und 27. Juni im Opernhaus in Bonn statt.

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