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Von April bis Juli 2010 findet in vierzehn nordrhein-westfälischen Städten das Kulturfestival Scene Ungarn in NRW statt. 109 Künstler und Kompanien aus den Bereichen Musik, Theater, Tanz, Literatur, Film, Kunst und Dialog geben Einblicke in die zeitgenössische ungarische Kulturszene. Gábor Gádo – haken wir einmal ab, wofür dieser Name steht: Ausnahmemusiker, einer der bedeutendsten Jazzkünstler Ungarns und Europas, Jazz-Grenzgänger, Grenzüberschreiter, Virtuose, Filmkomponist, gefragter Arrangeur... Und jetzt schnell zum Auftritt und bejubeln, denn das muß ja einfach einen geben! Gelegenheit dazu gab's im Rahmen der Scene Ungarn in NRW am 16. Mai im Rheinischen Landesmuseum Bonn. Dort trat Gábor Gádo mit Bassist Jószef Horváth Barcza und Drummer Joe Quitzke auf. Für den zweiten Teil des Auftrittes kam die Bonner Jazzgröße Peter Materna am Saxophon dazu. Und voilà: fertig ist ein toller Jazzabend. Das Publikum war begeistert, der Applaus üppig. Alles gesagt? Wunderbar! Nächster Termin. Wenn einer auszieht, den Jazz zu verstehen Aber so einfach war es dann doch nicht. Jazz an sich erschließt sich ja leider nicht jedem Menschen. Er lebt davon, daß Musiker ihre Gefühle und inneren Zustände in Improvisationen und Soli umsetzen. Darunter liegt ein Rhythmus, der spontan wechseln kann. Eine Grundmelodie steht dahinter. Zu einem guten Teil ist Jazz also eine höchstindividuelle Sache. Denn der Musiker steht auf der Bühne und spielt für alle hörbar virtuos – trotzdem bleibt sein Part der Musik im letzten kryptisch. Es sei denn, der Zuhörer geht mit und lebt mit, versteht genau, was passiert, und kann nachempfinden. Jazzkenner und -liebhaber müssen also empathiefähig sein. Und zwar nicht zu knapp. Das ist sehr theoretisch, aber immer noch nachvollziehbar. Und auch umsetzbar. Bei Gábor Gádo aber gibt’s hier eine Grenze. Denn es mischt sich sehr viel in diesen Jazz à la Gádo: exotische Rhythmusvariationen, dissonante Soli, schräge (im wahrsten Sinne des Wortes) Ausbrüche aus dem Thema... Das macht die Sache für den Jazz-Analphabeten nicht gerade leicht. Denn der hört hier eher psychedelisch-atmosphärische Klangelemente als geradlinigen Groove mit klaren Melodien. Zwei Stunden träumen können... Und schon fragt er sich, der Laie: "Soll dat so?" Ja, das soll so! Und das muß auch so. Denn Gádo arbeitet viel ein in seinen Jazz, der so gar nicht der Jazz sein will, der überall sonst gespielt wird. Elemente aus Volks- und Populärmusik dürften hier ebenso aufeinandertreffen, wie Anleihen an Rockmusik und Musical-Schmalz ihre Note hinterlassen. "Straighter" Jazz fehlt natürlich auch nicht, ist ja klar. Aus dieser Mischung ergeben sich dann Stimmungen und Klangwelten, die durchaus diverse Wirkungen haben können: nicht nur der "Gnadenhall" in der Gitarre hebt den Zuhörer auf (im Zweifel sehr bunte) Wolken... und läßt ihn träumen... und versinken... und seufzen... Und schon sind sie wieder da, diese Bilder: Weite Graslandschaften im heißen Wind, Flußauen im melancholisch-diffusen Sonnenlicht, dunkelhaarige Frauen mit noch dunkleren Augen lassen bei exotischen Tänzen ihre exotischen Kleider wirbeln, scharfgewürzte Eintöpfe und starke Selbstgebrannte... Ungarischer Jazz als Botschafter platter Klischees?! Nicht doch... keine Klischees... nur der sehnsüchtige Ausflug in eine Welt, die eben so weit weg und so gänzlich verschieden ist von allen Vorstellungen, die man da so hat... Ganz so, wie es die Ankündigungen ja auch ständig glauben machen. Eine Reise also in eine Welt, für die auch Gábor Gádo steht. Und den hört sich der Laie dann an. Und dann genießt er – und will doch wieder zurück zum Ursprung, zum abgedroschenen Ungarn-Klischee. Zugegeben, das liefert mit Sicherheit das falsche Bild. Aber eines, das sich doch so schön träumen läßt... bei diesem Jazz des wirklich phantastischen Gábor Gádo Trios... im zweiten Teil verstärkt durch den grandiosen Peter Materna am Saxophon... Hach ja... Zur Festivalhomepage. Scene Ungarn in NRW bei Facebook und Twitter.
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