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Ein Witzchen hier, ein Späßchen da und immer mal wieder einen Hauch Ironie obendrauf - so sind wir es in unserer modernen Welt gewöhnt. Das Leben ist ernst genug, warum auch nicht über schlimme Dinge lachen? Und über Politik lacht man am liebsten im Kabarett. Hagen Rether ist da so eine Klasse für sich. Mit scharfem Spürsinn und beißender, bitterböser Ironie plaudert er Wahrheiten aus, die man nicht gern hört.

Hagen Rether sinnierte am Samstag auf der Bühne der Bonner Oper. Sein Piano hatte dabei eher eine Statistenrolle - kam erst nach mehr als 100 Minuten für die wenigen Minuten bis zur Pause und im letzten zehntel der Vorstellung zum Einsatz. Hagen Rether ist bekannt für sein Durchhaltevermögen - drei Stunden Programm sind ein Leichtes. Und er weiß sie mühelos zu füllen. Es gibt soviel, was die CIA rausbekommen hat und über das man sich nicht aufregen sollte.

Rether lümmelt sich im Bürostuhl, verstellt die Armlehnen immer wieder aufs neue, dreht sich ein wenig, steht auf und putzt akribisch das Klavier, während er über Politik, Gesellschaft und die Katholische Kirche. Politikerparodien? Nicht Rethers Ding. Er verläßt sich eher auf die erzählerische Komponente. Kommentiert, dokumentiert, rezitiert für die "handverlesene Bonner Kulturelite". Er präsentiert bittere Fakten ungeschönt und nicht immer lustig. Er deckt Verlogenheit, Doppelmoral und Mentalitätsprobleme in Deutschland auf, zieht Parallelen zwischen Ereignissen, die Jahre auseinander liegen und deren Zusammenhänge in Rethers Vortrag doch so offen auf der Hand liegen. Ist mediale Wirklichkeit realer als das Leben draußen? Und warum geben wir unsere Privatheit für ein bißchen Internetkommunikation auf?

Aber Rether regt sich nicht auf. Hat er noch nie getan. Den einen oder anderen wird es wohl aufgeregt haben - die unbequeme Wahrheit, der gesellschaftliche Spiegel. Rether will nicht unbedingt gefallen, kämpft nicht um jeden Lacher und läßt ein zwiegespaltenes Publikum zurück - zwischen Nachdenklichkeit, Wut, Unverständnis. Es war ein lehrreicher Abend. Mal unbequem, fast traurig, aber dennoch unterhaltsam, sogar bewegend. Mit "Desperado" von den Eagles verabschiedet sich Rether dann doch musikalisch - ein Titel, der heute Abend Bischof Mixa gewidmet sein soll, dem "Alphatierchen, das in einer Woche zum Omegamann" wurde.

Die nächste Veranstaltung im Rahmen der Reihe Quatsch keine Oper! findet am 18.06.2010 mit Andreas Vollenweider & dem Freiluftorchester statt.

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