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22 Semester an der Uni, das dürfte eine Seltenheit sein. Im Jahr 2000 veranstalteten Bonner Skandinavistik-Studenten erstmals ein eigenes Film-Festival. Selbstverständlich haben die Gründer ihr Studium heute beendet. Die Skandinavischen Filmtage Bonn existieren jedoch weiter. Einen Rückgang beim studentischen Interesse muss man nicht befürchten. Das Engagement, die Filmtage weiter am Leben zu erhalten, steige eher an. Zur Eröffnung am 6. Mai nahm die studentische Kulturgruppe ihr zweites Lebensjahrzehnt voller Energie in Angriff. Erste Grußworte wurden von Franziska Kremser stellvertretend für den langjährigen Partner, das Kino in der Brotfabrik ausgesprochen. Thomas Fechner-Smarsly folgte als Vertreter der Universität Bonn, bevor die Studenten selbst eine Einführung für Festival und Film gaben. Nach der Vorführung sowie anonymer Filmbewertung und Verlosung gab es bei einem Empfang die Möglichkeit, sich weiter mit dem Projekt und dem Kulturraum auseinanderzusetzen. Idealismus im Krieg Als Eröffnungsfilm wurde "Tears of April" gezeigt. Das finnische Werk aus dem Jahr 2008 basiert auf Leener Landers Roman "Die Unbeugsame". Lander hatte auch die Vorlage für den Film "Die Insel der schwarzen Schmetterlinge" geschrieben, den Publikumsliebling bei den Skandinavischen Filmtagen 2009. "Tears of April" spielt im finnischen Bürgerkrieg im Jahr 1918. Ein Frauenregiment des Widerstandes gerät in Gefangenschaft. Die Soldatinnen werden vergewaltigt und ermordet. Miina, die einzige Überlebende, wird bei einem Fluchtversuch vom jungen Soldaten Aaro gestellt. Aaro will moralisch richtig handeln und Miina zum Ärger seiner Truppe vor ein ordentliches Gericht bringen. Auf dem Weg zum Richter Hallenberg kommt es zu einem Zwischenfall, sie stranden auf einer kleinen Insel. Der schüchterne Idealist und die verbitterte Frau entwickeln in der Isolationen scheinbar eine Liebe zueinander. Nach ihrer Rettung bringt Aaro seine Gefangene jedoch unbeirrt zu Hallenberg. Der Richter war ursprünglich Gelehrter und Poet. Der Krieg hat ihn zynisch werden lassen, denn statt Schönheit gibt es in seinem Leben nur noch Massenexekutionen. In Aaro sieht er eine verwandte Seele, in Miina eine Herausforderung. Wird die "Unbeugsame" ihm verraten, was zwischen ihr und Aaro vorgefallen ist? Währenddessen muss Aaro hinterfragen, ob er seinen Idealismus bewahren, und ob das Recht wirklich Gerechtigkeit bringen kann. Er kehrt nicht zu seiner Truppe zurück, sondern beobachtet Hallenberg in der Hoffnung, dass der Miina freilässt. Ohnmächtig oder unbeugsam Regisseur Aku Louhimies inszeniert "Tears of April" mit der für das skandinavische Kino typischen Ruhe. Aaro, Miina und Hallenberg scheinen oft teilnahmslos auf ihr Schicksal zu warten. Der Richter ist hinter seiner eiskalten Fassade offensichtlich ein gebrochener Mann. In einer Schlüsselszene rezitiert er Goethes "Erlkönig" wie ein Rammstein-Lied und stellt damit eine Kernfrage: Sieht der sterbende Junge im Gedicht wirklich eine Fabelgestalt, oder halluziniert er nur im Fiebertraum? Kann Aaro seinen Glauben an hohe Ideale behalten, oder wird er wie Hallenberg als zynischer Realist enden? "Tears of April" fesselt den Zuschauer durch Aaros selbstauferlegte Ohnmacht im Angesicht von Miinas Gefangenschaft. Viel wichtiger als die Frage, ob die Unbeugsame Miina sich doch noch beugt, ist die, ob der rechtsgläubige Soldat selbst zum Unbeugsamen wird. Die Wahl zwischen Hallenberg und Miina wird seine Zukunft entscheiden. Der Auftakt der 11. Skandinavischen Filmtage Bonn konnte auf Anhieb überzeugen. Weitere Geschichtsstunden, aber vor allem persönliche Konflikte werden in den sieben folgenden Filmen beleuchtet. Am abschließenden Kurzfilm-Abend wird man erfahren, ob "Tears of April" auch der Publikumsliebling des Festivals war. Und danach? Danach sollte man sich bereits die 12. Skandinavischen Filmtage im Jahr 2011 vormerken. Die weiteren Termine im Überblick: Di. 11.05. Nord (im LandesMuseum), OmU, 19.30 Uhr (N) Mi. 12.05. Troubled Water, OmU, 19.00 Uhr (N) Do. 13.05. Starring Maja, OmeU, 20.00 Uhr (S) Fr. 14.05. Kurzfilmabend, 21.00 Uhr (N,S,DK) Offizielle Homepage der Skandinavischen Filmtage Kino in der Brotfabrik
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