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Ein Experimentallabor – nicht unbedingt die erste Assoziation, die sich in Verbindung mit der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland ergibt. Und doch hat sie sich nun in eines verwandelt: Parallel zur Liam-Gillick-Ausstellung wurde am 31. März 2010 auch der ECHORAUM eröffnet, der junge, aktuelle Medienkunst präsentiert. Bei dem innovativen Projekt handelt es sich um eine Kooperation der Kunst- und Ausstellungshalle mit verschiedenen internationalen Medienhochschulen. Im Rhythmus von zwei Jahren werden wechselnd Ausstellungen von Werken der Studenten und Absolventen gezeigt. Erster Partner ist nun die Kunsthochschule für Medien (KHM) in Köln mit ihrem -1/MinusEins Experimentallabor. -1/MinusEins ging auf Initiative von Prof. Mischa Kuball aus dem bisherigen Holographielabor der KHM hervor und soll als interdisziplinäre technische Werkstatt dienen, die den Studenten die Umsetzung ihrer künstlerischen Projekte ermöglicht. Mit Sehtest, Barrikadenkreuzen und Küssen beweisen die ersten Ergebnisse, die man nun im Untergeschoss der Kunst- und Ausstellungshalle bewundern kann, dass eine intensivere Nachwuchsförderung durchaus lohnenswert ist. Evamaria Schaller küsst dem Museum für die Unterstützung sprichwörtlich "die Füße". Ihre Videoarbeit "Treppich" filmte sie dabei, wie sie die Treppenstufen zum Untergeschoss auf Knien herunter- und wieder heraufklettert und jede einzelne Stufe küsst. Was auf den ersten Blick belustigend wirkt, entpuppt sich als klarsichtige Reflektion der Chancen, die eine Institution wie die Bundeskunsthalle jungen Künstlern zukommen lassen kann: Aufstieg und Abstieg in der Kunstszene. Es ist kein Wunder, dass diese Installation an den oberen Treppenabsatz in der Halle gesetzt wurde, fungiert es damit doch als prägnante Einführung in den Sinn und Zweck des ECHORAUMES: Neues entdecken und Grenzen ausloten. Da wird auch vom Besucher einiges an Experimentierfreude verlangt. Tobias Daemgen hat mit seinem "Lichtparasit" dem Ort zum adäquaten Charakter verholfen. Durch eine Bastelei aus Laborstativmaterial und Vergrößerungsgläsern wird eine Lichtquelle auf einen Projektor modifiziert, der schließlich mosaikartige Formen auf eine Wand wirft. Diese Versuchslabor-Atmosphäre unterstreicht die Installation "Monitoring Bensberg September 2009" von Lea Hartlaub. Auf sechs Fernsehbildschirmen werden immer abwechselnd kurze fragmentarische Sequenzen aus einer Station zur Überwachung und Aufzeichnung der Erdbewegung nahe Köln gezeigt. Interieur, Außenansichten, Archivmaterial, jedoch nie Mitarbeiter. Man erlebt den Ort in einer eigenartigen, jedoch trotzdem privaten Atmosphäre, der man sich nur schwerlich wieder entziehen kann. In den angrenzenden Studioräumen des Hauses finden sich Lichtinstallationen wie etwa "Window Blind" von Noa Gur. Aus dem Blickwinkel eines Fensters kann man mittels Projektion das Licht- und Schattenspiel der vorbeifahrenden Autos mit entsprechender Geräuschkulisse erleben. Jan Hoeft verwandelte den Regieraum daneben in eine Barrikadenlandschaft: "Offensive und Defensive" lässt auf den Bildschirmen anonyme Skizzen großer deutscher Unternehmen auferstehen und wieder mit dem Horizont verschmelzen, davor jedoch türmen sich Holzelemente, die an Panzersperren erinnern und somit kein Durchkommen zulassen. Im Foyer hat Jennifer Marre ein "KCINKCIP" aufgebaut. Schon dieser Zungenbrecher weist darauf hin, dass hier das Ritual des "Picknick" (Titel rückwärts gelesen) kurzerhand "umgedreht" wurde: statt Lebensmittel und Geschirr auf die Decke zu stellen, packte die Künstlerin alles in diese ein. Wer bei diesem illustren Anblick zunächst an seinem Sehvermögen zweifelt, kann den Blick auf die Wand dahinter schweifen lassen und sich am überdimensionalen Sehtest von Allan Gretzki versuchen, der von Ober- bis ins Untergeschoss des Hauses reicht. Weniger Platz nimmt Jens Pecho in Anspruch, der für seine banal-geniale Installation "Tag ein / Tag aus" lediglich die Anzeigetafel an der Außenfassade der Kunst- und Ausstellungshalle beanspruchte. Auf simple Weise lässt er den Betrachter in der modernen Schnellebigkeit wieder Zeit wahrnehmen: von 6 bis 18 Uhr erscheint "Tag ein", von 18 bis 6 Uhr "Tag aus". Noch kleiner hielt es Kriss Salmanis, die sich ebenfalls mit dem Thema Zeit auseinandersetzte. "Morgenrot" zeigt einen Loop von ein und demselben Sonnenaufgang, der ein Jahr lang jeden Morgen fotografiert wurde, wodurch verspielte Farb- und Lichtkompositionen entstehen. Der ECHORAUM ist noch bis zum 6. Juni 2010 geöffnet. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage der Kunst- und Ausstellungshalle.
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