Suprematistische Komposition, 1915
   
 

Dynamischer Suprematismus (Supremus Nr. 38), 1916
   
Unter dem Motto "Wege zur Abstraktion und zurck" zeigt das Museum Ludwig seit Februar eine Ausstellung zu Kasimir Malewitsch und seinem knstlerischen Umfeld. Nachdem im letzten Jahr bereits eine Ausstellung zum Thema Kubofuturismus und dem Aufbruch zur Moderne in Russland gezeigt wurde, ist dies nun der zweite Teil der Projektreihe "Russische Avantgarde".

Der Meister des Suprematismus

Zu sehen sind insgesamt sechzig Arbeiten, zumeist Zeichnungen auf Papier. Das Museum Ludwig besitzt eine der international grten Sammlungen von Werken des Begrnders des Suprematismus. Diese Kunstrichtung malte als erste konsequent ungegenstndlich und abstrakt. Ins Leben gerufen wurde sie mit einem schwarzen Quadrat, das Malewitsch 1913 fr ein Bhnenbild malte. Als berhmtestes suprematistisches Werk gilt "Das Schwarze Quadrat auf weiem Grund", das sich heute in der Tretjakow-Galerie in Moskau befindet. Malewitsch zeigte diese Ikone der modernen Kunst erstmals 1915 auf einer futuristischen Ausstellung.

Seit nunmehr zwanzig Jahren wurden nicht mehr alle Werke der Malewitsch-Sammlung in einer Ausstellung gezeigt. Neben den bereits erwhnten Zeichnungen sind auch vier Gemlde zu sehen. Diese stammen aus ganz unterschiedlichen Schaffensperioden, sodass man den Werdegang des Knstlers sehr gut nachvollziehen kann, ohne dass man ihn jedoch vielleicht verstehen knnte. Durch kunsttechnologische Methoden konnte man feststellen, dass zum Beispiel das Gemlde "Landschaft (Der Winter)" tatschlich 1927 entstanden ist, Malewitsch jedoch datierte es auf 1909. Vermutlich ging er so vor, um im Nachhinein seinen knstlerischen Werdegang kohrenter zu gestalten.

Facettenreiches Gesamtwerk

Die Idee der Ausstellung war es ein mglichst breites Spektrum von Malewitschs Kunst zu zeigen und sich nicht nur auf seine suprematistische Phase zu beschrnken. Dies ist auch sehr gut gelungen, obwohl man sich an manchen Stellen doch ein paar Erklrungen zu den Bildern wnscht. So zum Beispiel in dem Raum, der sich dem Sptwerk Malewitschs widmet und neben einigen klassisch orientierten Zeichnungen auch ein impressionistisch wirkendes Gemlde zeigt, was eher in sein Frhwerk passen wrde.

Eine mgliche Erklrung fr die Abkehr vom Suprematismus hin zu konventionelleren Kunstgattungen ist die politische Situation in der Sowjetunion, die wie einst das Naziregime realistische Kunst forderte, die die Zustnde im Land idealisierte. Allen Knstlern, die sich dagegen wehrten, drohte Verfolgung. Dennoch knnen diese spten Bilder nicht als Rettungsversuch gesehen werden, da sie eben auch nicht die von den Fhrern der Sowjetunion geforderte idealisierende Kunst zeigen.

Seltene Einblicke in die Vorarbeit

Ein besonderes Augenmerk legt die Ausstellung auf den kunsttechnologischen Aspekt, der die Arbeit im Vorfeld einer Ausstellung zeigt. Dabei stehen zwei suprematistische Gemlde Malewitschs im Mittelpunkt: zum einen "Suprematistische Komposition" von 1915 und zum anderen "Dynamischer Suprematismus (Supremus Nr. 38)" von 1916. Ersteres wurde 1994, zwei Jahre bevor es in den Besitz des Museums Ludwig kam, restauriert. Dabei wurde die original Malschicht an manchen Stellen verletzt und der ausgeprgte Pinselduktus, welcher ein wesentliches Gestaltungsmittel Malewitschs war, fast komplett geglttet. Diese Fehler versuchte man im Vorfeld der jetzigen Ausstellung wieder zu beheben.

Das Bild "Dynamischer Suprematismus (Supremus Nr. 38)" unterlief bereits in den 70er Jahren einer Restaurierung, bei der jedoch die heute umstrittene und nur noch sehr selten angewandte Methode der Doublierung benutzt wurde. Bei dieser Art der Restaurierung wird die Leinwand mit einem zweiten Gewebe hinterklebt, womit es dann auf einer starren Platte befestigt wird.

Malewitsch als Inspiration

Um die Ausstellung abzurunden, entschied man sich auch Bilder aus dem Umfeld Malewitschs zu zeigen. Es wurden ausschlielich russische Knstler und Knstlerinnen ausgewhlt, die den Suprematismus Malewitschs in ihren Arbeiten aufgriffen. Dabei kann man die Spannweite sehen, die diese Kunstgattung bietet.

Bei Nikolai Suetin, von dem drei Bilder gezeigt werden, kann man eine sehr enge Verwandtschaft zu den Werken des Begrnders dieser Gattung beobachten. Kliment Redko schien bei der Entstehung des Bildes "Suprematismus" von 1921/1922 hingegen mit weiteren Gattungen, wie dem Kubismus Picassos, zu experimentieren. Alles in allem waren diese Knstler, die in der Tradition Malewitschs standen, aber wesentlich praxisorientierter als ihr Vorbild und bemalten zum Beispiel auch Teeservices.


Die Ausstellung ist noch bis zum 22. August 2010 zu sehen. Geffnet hat das Museum Dienstag bis Sonntag (inkl. Feiertage) von 10 bis 18 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat sogar von 10 bis 22 Uhr. Der Eintritt kostet fr die Sammlung und alle Sonderausstellungen 9 Euro, ermigt 6 Euro.

Weitere Informationen auf der Homepage.

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