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Tanz und Raum – ein weites Feld, was sich die Kuratoren des Tanzarchivs da als Thema ihrer Ausstellung überlegt haben. "Kunsträume, Gedankenräume und Tanzräume" will die Schau unter die Lupe nehmen. Das klingt zwar gut, aber auch ganz schön abstrakt. Konkreter wird es im Ausstellungsraum Umso mehr freut es, dass im Ausstellungsraum von dieser Abstraktion wenig zu spüren ist: Von der Decke hängen große Pendel, auf einem Sockel steht ein Laptop, der dazu einlädt, ihn zu benutzen. Verschiedenste Klänge durchziehen den Raum und lenken die Aufmerksamkeit des Besuchers schnell auf eine Reihe von Monitoren. Die Videos, die hier zu sehen sind, zeigen wie vielfältig die be- und ertanzten Räume sein können. Da gibt es Tänzer, die sich zwischen abstrakten, computeranimierten Elementen bewegen und solche, die auf einem Holzplateau im offenen Meer tanzen. Andere nehmen Fabrikräume in ihren Besitz oder verwandeln ein schnödes Wohnzimmer in eine Bühne. Während Fred Astaire sein „Singin' in the Rain“ vor Theaterkulissen performt, die ihre Künstlichkeit nicht verbergen, lässt die Choreographin Sasha Waltz fünf Tänzer auf dem Bürgersteig agieren – Autos und Straßenbahnen im Hintergrund inklusive. Neue Perspektiven Dass sich der Tanz im Laufe des 20. Jahrhunderts aus dem engen Korsett des Theaters befreit und neue Räume erobert hat, wird hier unmittelbar anschaulich. Nicht zuletzt zeigen die Video-Ausschnitte wie das Medium Film die tänzerischen Räume verändert und durch Montage, Kamerafahrten und Special Effects erweitern kann. Welche neuen Perspektiven auf den Tanz das Internet eröffnet, kann der Besucher selbst entdecken: Dazu dient der oben erwähnte Laptop. Seit Anfang der 90er Jahre nutzen Tänzer und Choreographen verstärkt das neue Medium, um mit innovativen Ausdrucksformen zu experimentieren. William Forsythe etwa unterstützt die komplexen Bewegungsabläufe, die seine Tänzer vollführen, durch graphische Elemente. Bunte Kreise und Linien vergrößern die Amplituden von Armen und Beinen und spinnen zwischen den einzelnen Körpern ein farbenfrohes Netz. Neben solchen Projekten einzelner Choreographen gibt es im Internet Tanzunterricht und Tanzfestivals – ganz zu schweigen von den zahllosen Tanzvideos auf youtube. Ein Appetitanreger, der Lust macht auf mehr Skizzen von Bühnenbildern, choreographische Aufzeichnungen und Fotos runden die Ausstellung ab. Vom traditionellen Bühnenraum des Guckkasten-Theaters bis hin zur Expansion des Tanzes in den Cyber Space werden so schlaglichtartig verschiedene historische Tanz-Räume beleuchtet. Abgesehen von einer Wand mit Zitaten von Choreographen, Tänzern und Philosophen finden sich kaum erklärende Texte. So lebt die Schau von visuellen Eindrücken, die plastisch vor Augen führen wie unterschiedliche Räume den Tanz prägen – und wie der Tanz seinerseits neue Räume entstehen lässt. Einziges Manko der Ausstellung: Weil die sehenswerten Videos nicht in abgetrennten Kabinen gezeigt werden, verbindet sich deren Sound im Ohr des Besuchers zu einer auf die Dauer anstrengenden Kakophonie. Abgesehen von diesem kleinen Wermutstropfen, der wohl dem mangelnden Platz des Tanzarchivs geschuldet ist, ist die kleine, aber feine Ausstellung allen Tanzfans zu empfehlen. In Räumen denken. Bühne. Tanz. Traum ist noch bis zum 15. August im Tanzarchiv Köln in der SK Stiftung Kultur zu sehen. Montags ist der Eintritt für alle Besucher kostenlos; ansonsten bezahlen Studenten 2 €. Weitere Infos auf der Homepage.
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