Marwan "Ohne Titel"
   
 

J. Gerz "Verwunderung ber die Poesie"
   
 

K Wittkugel "Spirale und Gitter"
   
 

M. Jetelov "Iceland"
   
Eine Urform der Bildenden Kunst, ein Fundament der menschlichen Kulturgeschichte und das erste, was schon Kinder beherrschen: das Zeichnen. Und dennoch mussten die Protagonisten stets hart um Anerkennung kmpfen. Eine davon ist Kthe Kollwitz, die durch ihr Werk der Ausdrucksform entscheidende Impulse gegeben hat. Passend zum 25jhrigen Jubilum zeigt das Kthe Kollwitz Museum Kln nun eine Ausstellung der Akademie der Knste, Berlin, die unter dem Titel "aus/gezeichnet/zeichnen" einen berblick ber die Entwicklung der Zeichnungsszene in den letzten 50 Jahren zeigt.

Die rund sechzig ausgestellten Knstler sind allesamt Mitglieder der Akademie, ltere als auch jngere, lebende ebenso wie bereits verstorbene. Schon beim ersten flchtigen Durchgang wird deutlich, dass sich der Begriff der "Zeichnung" in vielerlei Hinsicht definieren lsst und in den letzten Jahren eine klar erkennbare Wandlung durchlaufen hat.

Das Zeichnen ist autonom geworden, eine Entwicklung, die die Kunstszene immer wieder zu Diskussionen anregt. Genau diesen Disput will die Ausstellung bewusst forcieren, weshalb man bei der endgltigen Auswahl auf eine recht ppige Vielfalt an Gestaltungstechniken achtete.

Stift, Papier, Linie

Filigrane Linien, auf Papier gebracht mit Stift oder Federkiel. Joachim John, Gerhard Kettner oder Marwan sind typische Vertreter des Genres in klassischer Ausprgung und erfllen damit genau die Erwartungen, die man an eine Zeichnung gemeinhin stellt. Hans Vent und Hartwig Ebersbach gehen bereits einen Schritt weiter und beweisen, dass auch die Malerei in zeichnerischer Weise funktioniert.

Die Knstler steuerten zum Teil bewusst ltere Werke bei, um eine mglichst konstante Entwicklungsgeschichte des Genres gewhrleisten zu knnen. So fllt auf, dass eine eindeutige Dissonanz zwischen Urtypus und moderner Form besteht.

Neue Impulse

Auf der einen Seite stehen die klassischen Zeichner, deren Darstellungsweisen sich in den letzten fnfzig Jahren nicht groartig verndert haben. Auf der anderen Seite gnzlich andere Darstellungsformen, die erfordern, dass man den Begriff offener betrachtet. Der Kontext hat sich erweitert, eine "Zeichnung" umfasst heute alles, was in irgendeiner Weise "gezeichnet" erscheint, was durch die neuen Medien und Techniken der letzten Jahrzehnte zu vllig neuen Impulsen gefhrt hat.

Im Zuge dessen haben es Knstler wie Gnther Uecker gewagt, auch unkonventionelle Materialien, wie in diesem Fall Ngel, in groflchigen Installationen zeichnerisch in Szene zu setzen. Magdalena Jetelov inszenierte eindrucksvoll eine Leuchtdiode, die sich als Strich durch die Landschaft zieht.

Klaus Wittkugel spielte in den 20er/30er Jahren in seinen Fotografien auf damals geradezu revolutionre Art und Weise mit den Lichtverhltnissen, was seinen Bildern tatschlich eine zeichnungstypische Zartheit verleiht.

Selbst die bildhauerische Zunft hat im Laufe der letzten Jahre ein eigenes Verstndnis fr Zeichnungen entwickelt und begonnen, sich dieser Technik zu widmen. Dabei heben Knstler wie etwa Michael Schoenholtz das Zeichnen aus der reinen Funktionalitt der Entwurf-Ttigkeit heraus und projizieren den Blick zurck auf die Flche an sich.

Ein Zeichen setzen

Schlielich impliziert der Terminus auch das "Zeichen" im Sinne eines Hinweises, der aus dem Werk herausdringt. Auch dies wurde im Laufe der Jahre in vielerlei Hinsicht interpretiert. Ein kleines Schmankerl schuf in diesem Zuge Markus Raetz in Gedenken an seinen ebenfalls vertretenen, leider bereits verstorbenen, Kollegen Joseph Beuys. In einer putzigen Spiegelinstallation von 1988 zeigte er wie eng Beuys und ein Hase miteinander verknpft waren.

Christina Kubisch schuf in ihren Tintenzeichnungen doppeldeutiges: Kopien von Schallwellenbildern, die einerseits selbst eine "Zeichnung" im klassischen Stil sind, andererseits aber auch Zeichen nach auen vermitteln. Letzteres lsst sich noch eindeutiger in der "Schriftkunst" der Knstler Eberhard Blum oder Jochen Gerz erkennen, die durch den Einbezug schriftlicher Elemente wie Buchstaben oder gar ganzer Textpassagen Botschaften an den Betrachter senden.

Diese gilt es zu ergrnden, sowie auch das gesamte Medium an sich neu entdeckt werden muss. Die Ausstellung wird ihrem Anspruch, mit gngigen Vorstellungen und Klischees zu brechen, nur allzu gerecht und beweist impressionsvoll, dass Zeichnen viel mehr ist als nur eine Strich-Kunst.


Die Ausstellung ist ab heute, 12. Mrz, bis zum 9. Mai 2010 zu sehen. Dazu gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm mit Fhrungen, Vortrgen und exklusiven Veranstaltungen.

Weitere Informationen gibt es auf der Homepage.

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