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Hubert Kuschnick "Inferno der Naturkräfte"
   
 

Marianne Pitzen "Und Adam zeugte..."
   
 

Inge Broska "Immer zu Diensten"
   
Gerade war man noch "vernetzt", jetzt ist man schon heilig: Seit Sonntag, 7. März 2010, zeigt das Künstlerforum Bonn eine Ausstellung der Bonner Künstlerinnengruppe "zart & zackig", die sich mit dem Begriff des "Pater Noster" auseinandersetzt. Zur Kooperation und Reflexion haben sich die Damen sieben männliche Künstler vom Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Frankfurt/M e.V. ins Boot geholt.

"Pater Noster" (lat.), das heißt auf Deutsch "Vater Unser", was den Anfangsworten des bekanntesten Gebets des Christentums entspricht. Doch die Künstlerinnen von "z & z" und ihre sieben Gäste assoziieren mit dem Begriff keineswegs nur den "Heiligen Vater", sondern haben während ihren Recherchen ganz eigene, vollkommen unterschiedliche Definitionen gefunden, die allesamt in der ein oder anderen Weise mit dem Titelbegriff der Ausstellung verbunden sind.

Gute Väter, schlechte Väter

Es geht um Väter generell, um die Erinnerungen an die eigenen, die zumeist im zweiten Weltkrieg gedient haben und danach als gebrochene Menschen wiederkamen. So sind es keineswegs nur gute Erfahrungen, die sich in den Werken der Künstler widerspiegeln, sondern auch kritische Töne, wie etwa bei Anna S. von Holleben, die mit Patronenhülsen aus Honigwachs einen grotesken Kontrast von Brachialem und Zärtlichem schuf, mit dem sie nach eigenen Angaben die "Kriegsgeilheit" der Männer anprangern möchte.

In wohlwollenden Erinnerungen schwelgen hingegen Inge Broska und Heide Pawelzik, letztere schuf ein Andenken in Form eines Ehrenkranzes aus Magnolienblättern. Inge Broska hat unter dem bezeichnenden Titel "Immer zu Diensten" Relikte aus dem Kriegsdienst ihres Vaters zusammengestellt, darunter finden sich unter anderem auch Briefe von der Front. Anlässlich der Ausstellungseröffnung trug Broska diese ausdrucksstark in einer Lesung vor, eindringlich schildern sie die Hoffnung und Verzweiflung des kämpfenden Soldaten, der sich gar als gläubiger Mann offenbart.

Die "heilige Unfehlbarkeit"?

Der kirchliche Aspekt ist dennoch nicht zu kurz gekommen. Tina Wedel und Hartmut Düde-Neumann begegnen dem "Pater" noch voller Ehrfurcht, die "z&z"-Dame installierte eine Leiter zum Himmel, der männliche Gast brachte unter anderem Zinkstelen in Form von Grabsteinen mit, die Fotografien derer zeigen, die gemäß dem Titel "vorausgegangen" sind. Davor positionierte er das "Maß aller Dinge und Handlungen", weist damit ohne Scheu auf die Vergänglichkeit des Seins hin, ein Aspekt, mit dem der Künstler in Folge eines kurzzeitigen Hirntodes selbst unmittelbar konfrontiert wurde.

Marlen Seibert erlaubte sich einen kritischeren Blick auf den "Heiligen Vater": provokant steckte sie eine Mitra ins Gefängnis, eine Symbolik, die ob der aktuellen Debatte um Missbräuche in katholischen Einrichtungen brisanter kaum sein könnte. Marianne Pitzen schließlich warf einen schelmischen Blick in die Bibel und setzte sich mit den Urvätern auseinander, indem sie in Form kleiner Pappmaschee-Gnome wie in der Genesis beschrieben, die Nachkommenschaft Adams kreierte, der zeugte und zeugte und zeugte…

Vom Vater zum "Bonzenheber"

Die Personifizierung des Pater Noster mag zwar die Ausstellung dominieren, doch ist sie keineswegs die einzige Definition, die der Begriff zulässt. Bei den Recherchen stieß mancher Künstler auf gänzlich andere Assoziationen, so setzte Ilse Wegmann den "Bonzenheber" (eine Bezeichnung im Ruhrpott für den Personenaufzug Paternoster) großformatig in schwarz-weiß-gemalte Szene.

Den Blickfang schlechthin der Ausstellung stellen darüberhinaus die fünf Ölbilder von Hubert Kuschnick dar, die in aggressiven Neonfarben Naturschauspiele wie einen "Tornado" oder ein fulminantes "Inferno der Naturkräfte" darstellen, bei denen in Natura sicherlich auch der ein oder andere ein flehendes "Pater Noster" gen Himmel schicken würde.

Heiliger, Vaterfigur, Aufzug – die Ausstellung „Pater Noster“ zeigt deutlich, dass hinter dem Begriff um einiges mehr steckt als man auf den ersten Blick vermuten mag. Und dank der Künstlervielfalt (die durch die Gastkünstler noch gesteigert wurde) wird ein derart buntes Zusammenspiel von lauter eigenen Stilen präsentiert, das die Interpretationsbreite schier unendlich erscheint.


Die Ausstellung läuft noch bis zum 28. März 2010.

Weitere Informationen gibt es auf der Homepage des Künstlerforums.

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