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Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit Leid und Unglück fertigzuwerden: meistens ist das entweder Aufbegehren oder Resignation. Zu ersterem fehlt zumeist die nötige Kraft, letzteres ist der Tod. Und dann gibt es noch eine dritte Möglichkeit: die Begegnung mit der Kultur. Genau diesen Weg wählten elf Schüler der Johann-Christoph-Winters-Schule der Uniklinik Köln, um ihr eigenes Schicksal zu verarbeiten. Dabei ließen sie sich vom "Hiob-Altar", einem mittelalterlichen Gemälde, inspirieren. Die Ergebnisse präsentiert das Wallraf-Richartz-Museum in der Sonderausstellung "Hiob & Ich", die vom 4. März bis zum 16. Mai zu sehen ist. Das Leiden des Hiob Jeder kennt sie, doch keiner erhält sie gerne: Mitteilungen, die großes Unglück ankündigen, sogenannte "Hiobsbotschaften". Die Bezeichnung geht zurück auf den gläubigen Hiob aus dem Alten Testament, der aufgrund einer Wette zwischen Gott und Teufel schwerstes Leid erfahren muss. Im 15.Jahrhundert war es eben jene Geschichte, die zwei belgische Künstler zu einem opulenten Kunstwerk, dem sogenannten "Hiob-Altar" (Originaltitel: Triptychon mit Szenen aus dem Leben Hiobs) inspirierte. Er befindet sich heute in der Obhut des Wallraf-Richartz-Museums in Köln. Elf Schülerinnen und Schüler der Johann-Christoph-Winters-Schule (Städtische Schule für Kranke in der Uniklinik Köln) haben sich im Unterricht intensiv mit diesem Werk auseinandergesetzt und ihre Gedanken und Empfindungen selbst in kreativer Weise zum Ausdruck gebracht. Kunst als Therapiemöglichkeit "Warum geschieht so etwas? Warum lässt Gott so etwas zu?" Das Theodizee-Problem ist so alt wie das Buch Ijob (Hiob) der Bibel selbst, doch hat es an Aktualität und Brisanz bis heute nichts eingebüßt, was die Schüler selbst nur zu gut wissen: Die Kunst diente auch als Mittel zur Verarbeitung individueller Schicksale. "Die Kunst kann helfen, mit Problemen fertig zu werden" erklärte Fabian S. Ohne jede Scheu gingen die Schüler somit an die Arbeit: kalt und klar wird dem Betrachter die grausame Realität vor Augen geführt, die jeden zu jeder Zeit treffen kann, jedoch nicht ohne auch einen unermüdlichen Hoffnungsglauben durchscheinen zu lassen. "Wir sollten das, was uns als erstes zu dem Bild einfiel, aufschreiben und dann entweder etwas dazu darstellen, malen oder schreiben." erklärte Benny W. So begegnete jeder der Thematik auf seine ganz eigene Art und Weise, entstanden ist schließlich eine vielseitige kleine Ansammlung ausdrucksstarker Arbeiten. Die Hoffnung stirbt zuletzt Die Intensität, mit der sich die Jugendlichen teilweise mit der Thematik des Todes auseinandergesetzt haben, mag den ein oder anderen befremden oder gar erschrecken. Die eigenen Erfahrungen sind unbestreitbar, und trotzdem (oder gerade deswegen) strahlt jedes Exponat auch eine schier unbändige Hoffnung aus. Besonders von dieser Dissonanz geprägt sind vier Pappband-Collagen, zwei der signifikantesten kreierte Benny W. In dunklen Farbtönen, schwarz dominierend, zeigen sie mit fast schon beängstigender Offenheit Todesgestalten und trübsinnige Wortfetzen, denen im gleichen Zug jedoch auch hoffnungsfrohe Lebensbilder in bunten, heiteren Farben unmittelbar gegenüber gestellt werden. In zwei eleganten, großformatigen Fotografien von Marlon R. wurde Fabian S. melancholisch in Szene gesetzt: einmal klammert er sich unter dem Titel "Klage" verzweifelt hilfesuchend an einen Baum, das andere Mal wird ihm von Sarah R. zärtlich "Trost" gespendet. Manche der Schüler schrieben fiktive Briefe an Hiob, in denen sie dem Leidgeprüften Mut zusprechen und ihm Hilfe anbieten. Zwei Schülerinnen kreierten eine Plastische Collage aus Holz und Papier mit einer Vielzahl an Puzzleteilen, die unter sich kurze "Hoffnungsbotschaften" wie etwa Zitate aus dem Hiob-Buch beherbergen. Die Hoffnung muss nicht nur von außen "aufgedeckt" werden, sondern das zerstörte Puzzle will- und vor allem kann- auch wieder gekittet werden. Es ist diese ehrliche Unbefangenheit, mit der die jungen Nachwuchskünstler an die Themen Leid, Tod und Hoffnung herantreten, die so ungemein belebend wirkt. Ihre Stärke und Kraft, die sie vielleicht gerade aus der kreativen Auseinandersetzung mit ihren Schicksalen zehren konnten, wirkt aus ihren Werken heraus, sodass man den Schülern nur Respekt zollen kann. Die Ausstellung ist noch bis zum 16. Mai 2010 im Wallraf-Richartz-Museum zu sehen. Weitere Informationen gibt es hier.
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