Foto: Ursula Edelmann Artothek
   
 

Foto: Jrg P. Anders
   
 

Foto: National Gallery of Scotland
   
 

Foto: Paolo Tosi Artothek
   
Seit letztem Wochenende ist es vorbei: Sandro Botticelli, der groe Meister der italienischen Renaissance, bekam eine monographische Ausstellung im Stdel Museum in Frankfurt. Noch nie wurden so viele seiner Werke an einem Ort gezeigt, selten strmten so viele Besucher in eine Ausstellung, die letztlich nur einem Knstler gewidmet war.

In etwa 80 Werke umfate die Schau. Darunter rund die Hlfte von Botticelli selbst. Die andere Hlfte stammte aus seiner Werkstatt und von anderen groen Malern der Zeit. Die Ausstellung war einzigartig in der Auswahl. Die Prsentation allerdings auch, wenn auch unter anderen Aspekten.

Denn wer das Stdel Museum kennt, wei, da es nicht das modernste und auch nicht das grte unter den deutschen Museen ist. Seit September letzten Jahres wird es aus diesem Grunde auch erweitert. Trotzdem kam Botticelli hierin nach Frankfurt was wohl auch nicht unerheblich dazu beigetragen hat, das Budget fr die Erweiterung zu erhhen.

Viel Besuch auf engem Raum

Der Andrag war enorm. Bei insgesamt 350.000 Besuchern lag der Tagesdurchschnitt bei 4.000. Ein Rekord fr das Museum, das sich sichtlich bemhte, diesem Ansturm Herr zu werden. Doch das gelang in organisatorischer Hinsicht leider nur bedingt: Eine Kasse in einem Container vor dem Eingang ist eine gute Lsung, um lange Warteschlangen im Gebude zu umgehen allerdings nicht in einem kalten Winter. Heizpilze entlang des Brgersteiges nutzten da wenig.

Fr ungnstige Witterungsbedingungen kann aber andererseits niemand etwas. Und fr solch eine "Weltausstellung" blieb die Wartezeit sogar durchaus im Rahmen. Eine bessere Lenkung des Besucherstromes im Foyer wre aber durchaus mglich gewesen, denn hier herrschte wildes Durcheinander zwischen Garderobe und Ausgabe der Audiofhrer.

Der Platz reichte eben nicht aus, da halfen auch Einlabegrenzungen nicht wirklich. Das htte man im Vorfeld schon wissen mssen und entsprechende Systeme entwickeln knnen.

Jedoch offenbarten sich auch die Vorzge des Hauses: Einige Rume der festen Sammlung muten durchquert werden, um zur Ausstellung zu gelangen. Der Besucher konnte also ungestrt noch einmal durch mehrere Rume flanieren, entweder vor oder nach der hohen Kunst des 15. Jahrhunderts.

Gelungenes Konzept

Schlielich war die Konzeption der Ausstellung mit drei groen Einheiten uerst gelungen, wenn sie auch den rumlichen Gegebenheiten geschuldet sein mag: Zu Beginn Portraits und idealisierende Abbilder, wie das berhmte "weibliche Idealbildnis", eine Allegorie um vermutlich Simonetta Vespucci, eine Turnierdame einer der Medici-Brder.

Dem folgten Darstellungen antiker Gottheiten und weitere Portraits in unterschiedlichen Ausrichtungen. Das Motiv der Venus stand im Vordergrund, wenn es auch nicht "die Venus Botticellis", sondern "nur" ein Bild aus seiner Werkstatt war.

Aus dem Untergescho ging es dann wieder nach oben, wo ausnahmslos Werke mit religisen Motiven ausgestellt waren. Fr Botticelli selbst spielten die eine groe Rolle, und so erhielten sie allein schon rumlich entsprechende Wrdigung, indem man ihnen eine eigene Abteilung zugestandt.

Hier fanden sich das beeindruckende Verkndigunsfresko, direkt am Eingang des Bereichs plaziert, komplex komponierte Madonnen und verschiedene Darstellungen Christi als Schmerzensmann. Auch hier jedoch war nicht unbedingt mehr Platz als anderthalb Etagen tiefer.

Nah an den Bildern, tief in der Materie

Trotzdem war die Prsentation insgesamt gelungen, vielleicht gerade weil der Besucher ein wenig wandern mute, sich vor den Bildern nicht zu sehr nach hinten lehnen konnte und so auch nicht verloren im offenen Raum vor den Meisterwerken stand. Dadurch wirkten viele der detailreichen Bilder eindringlicher. Ohnehin konnte man sehr dicht an sie heran.

Die Audiofhrung, gesprochen von Veronika Ferres, tat ein briges hinzu. Denn hier gab es endlich einmal keine aufdringlich pdagogisierende Minimalschwafelei mit Lehrerexpertisen, die ohnehin immer zu dem Ergebnis kommen, da "alte Kunst" ja per se elitr, kinder-, frauen- und sowieso gesellschaftsfeindlich sei.

Hier wurde ausgeholt, der Gesamtkontext beleuchtet und durchaus kulturhistorisches Wissen vorausgesetzt. Und wer sich von den zahlreichen Fhrungen und noch viel zahlreicheren Besuchern aus ganz Europa nicht aus der Ruhe bringen lie, konnte gerade mit Hilfe dieser reichen Erklrungen die Ausstellung richtig genieen.

Nicht nur auf den Namen kommt es an

Ohne Frage war Botticelli ein Publikumsmagnet. Und ohne Frage war die Ausstellung einmalig und beraus beeindruckend, wenn nicht sogar atemberaubend. Sie zeigte aber auch, da es nicht leicht ist, solch einen Kunst-Schatz entprechend zu prsentieren. Besonders dann, wenn die rumlichen Kapazitten eher begrenzt sind.

Das Stdel Museum hat aus der Not eine Tugend gemacht: Eng heit eben auch familir, eindringlich, persnlich. Und die grandiose Audiofhrung machte das Gedrnge und die schlechte Luft locker wett. Und natrlich: Botticellis Werke selbst sie entschdigten den Besucher selbst fr vom Anstehen eingefrorene Fe.

Und das wiederum kann auch solch eine Ausstellung nicht berall auf der Welt bieten.


Informationen im Ausstellungsarchiv der Homepage des Stdel Museums.

Zur Museumshomepage.

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