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Seit letztem Wochenende ist es vorbei: Sandro Botticelli, der große Meister der italienischen Renaissance, bekam eine monographische Ausstellung im Städel Museum in Frankfurt. Noch nie wurden so viele seiner Werke an einem Ort gezeigt, selten strömten so viele Besucher in eine Ausstellung, die letztlich nur einem Künstler gewidmet war. In etwa 80 Werke umfaßte die Schau. Darunter rund die Hälfte von Botticelli selbst. Die andere Hälfte stammte aus seiner Werkstatt und von anderen großen Malern der Zeit. Die Ausstellung war einzigartig in der Auswahl. Die Präsentation allerdings auch, wenn auch unter anderen Aspekten. Denn wer das Städel Museum kennt, weiß, daß es nicht das modernste und auch nicht das größte unter den deutschen Museen ist. Seit September letzten Jahres wird es aus diesem Grunde auch erweitert. Trotzdem kam Botticelli hierin nach Frankfurt – was wohl auch nicht unerheblich dazu beigetragen hat, das Budget für die Erweiterung zu erhöhen. Viel Besuch auf engem Raum Der Andrag war enorm. Bei insgesamt 350.000 Besuchern lag der Tagesdurchschnitt bei 4.000. Ein Rekord für das Museum, das sich sichtlich bemühte, diesem Ansturm Herr zu werden. Doch das gelang in organisatorischer Hinsicht leider nur bedingt: Eine Kasse in einem Container vor dem Eingang ist eine gute Lösung, um lange Warteschlangen im Gebäude zu umgehen – allerdings nicht in einem kalten Winter. Heizpilze entlang des Bürgersteiges nutzten da wenig. Für ungünstige Witterungsbedingungen kann aber andererseits niemand etwas. Und für solch eine "Weltausstellung" blieb die Wartezeit sogar durchaus im Rahmen. Eine bessere Lenkung des Besucherstromes im Foyer wäre aber durchaus möglich gewesen, denn hier herrschte wildes Durcheinander zwischen Garderobe und Ausgabe der Audioführer. Der Platz reichte eben nicht aus, da halfen auch Einlaßbegrenzungen nicht wirklich. Das hätte man im Vorfeld schon wissen müssen und entsprechende Systeme entwickeln können. Jedoch offenbarten sich auch die Vorzüge des Hauses: Einige Räume der festen Sammlung mußten durchquert werden, um zur Ausstellung zu gelangen. Der Besucher konnte also ungestört noch einmal durch mehrere Räume flanieren, entweder vor oder nach der hohen Kunst des 15. Jahrhunderts. Gelungenes Konzept Schließlich war die Konzeption der Ausstellung mit drei großen Einheiten äußerst gelungen, wenn sie auch den räumlichen Gegebenheiten geschuldet sein mag: Zu Beginn Portraits und idealisierende Abbilder, wie das berühmte "weibliche Idealbildnis", eine Allegorie um – vermutlich – Simonetta Vespucci, eine Turnierdame einer der Medici-Brüder. Dem folgten Darstellungen antiker Gottheiten und weitere Portraits in unterschiedlichen Ausrichtungen. Das Motiv der Venus stand im Vordergrund, wenn es auch nicht "die Venus Botticellis", sondern "nur" ein Bild aus seiner Werkstatt war. Aus dem Untergeschoß ging es dann wieder nach oben, wo ausnahmslos Werke mit religiösen Motiven ausgestellt waren. Für Botticelli selbst spielten die eine große Rolle, und so erhielten sie allein schon räumlich entsprechende Würdigung, indem man ihnen eine eigene Abteilung zugestandt. Hier fanden sich das beeindruckende Verkündigunsfresko, direkt am Eingang des Bereichs plaziert, komplex komponierte Madonnen und verschiedene Darstellungen Christi als Schmerzensmann. Auch hier jedoch war nicht unbedingt mehr Platz als anderthalb Etagen tiefer. Nah an den Bildern, tief in der Materie Trotzdem war die Präsentation insgesamt gelungen, vielleicht gerade weil der Besucher ein wenig wandern mußte, sich vor den Bildern nicht zu sehr nach hinten lehnen konnte und so auch nicht verloren im offenen Raum vor den Meisterwerken stand. Dadurch wirkten viele der detailreichen Bilder eindringlicher. Ohnehin konnte man sehr dicht an sie heran. Die Audioführung, gesprochen von Veronika Ferres, tat ein übriges hinzu. Denn hier gab es endlich einmal keine aufdringlich pädagogisierende Minimalschwafelei mit Lehrerexpertisen, die ohnehin immer zu dem Ergebnis kommen, daß "alte Kunst" ja per se elitär, kinder-, frauen- und sowieso gesellschaftsfeindlich sei. Hier wurde ausgeholt, der Gesamtkontext beleuchtet und durchaus kulturhistorisches Wissen vorausgesetzt. Und wer sich von den zahlreichen Führungen und noch viel zahlreicheren Besuchern aus ganz Europa nicht aus der Ruhe bringen ließ, konnte gerade mit Hilfe dieser reichen Erklärungen die Ausstellung richtig genießen. Nicht nur auf den Namen kommt es an Ohne Frage war Botticelli ein Publikumsmagnet. Und ohne Frage war die Ausstellung einmalig und überaus beeindruckend, wenn nicht sogar atemberaubend. Sie zeigte aber auch, daß es nicht leicht ist, solch einen Kunst-Schatz entprechend zu präsentieren. Besonders dann, wenn die räumlichen Kapazitäten eher begrenzt sind. Das Städel Museum hat aus der Not eine Tugend gemacht: Eng heißt eben auch familiär, eindringlich, persönlich. Und die grandiose Audioführung machte das Gedränge und die schlechte Luft locker wett. Und natürlich: Botticellis Werke selbst – sie entschädigten den Besucher selbst für vom Anstehen eingefrorene Füße. Und das wiederum kann auch solch eine Ausstellung nicht überall auf der Welt bieten. Informationen im Ausstellungsarchiv der Homepage des Städel Museums. Zur Museumshomepage.
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