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Zwischen Tibet und Indien, in gut 2000 Metern Höhe mitten im Himalaya liegt es, und damit in unmittelbarer Nachbarschaft zu den höchsten Bergen der Welt: das kleine Königreich Bhutan, bis heute eines der wenigen Länder, das nie kolonisiert wurde. Das einzige buddhistische Königreich in der Tradition des sogenannten Vajrayana-Buddhismus (eine esoterische Strömung des Mahayana-Buddhismus) ist berühmt für die Wahrung seiner traditionellen Kultur, die im alltäglichen Leben des Volkes eine zentrale Rolle spielt. Die Honolulu Academy of Arts hat die wesentlichen Elemente dieser Kultur in einer Ausstellung versammelt, die nun im Museum für Ostasiatische Kunst in Köln gezeigt werden. Schlechtes Karma fernhalten Man kooperierte eng mit dem Innen- und Kulturministerium des Königreiches Bhutan sowie dem Vorstand der dortigen Mönchsgemeinschaft. So gelang es, 117 Exponate zusammenzutragen, die zu einem großen Teil aus aktiven Tempeln und Klöstern stammen, wo sie noch immer Anwendung in rituellen Zeremonien finden. Umso wichtiger ist eine tägliche rituelle Reinigung der Objekte. Dafür reisen eigens zwei Mönche mit der Ausstellung um die Welt und versuchen das von Besuchern mitgebrachte schlechte Karma von den heiligen Schätzen fernzuhalten, ein Ritual, das zweimal täglich öffentlich durchgeführt werden wird. Ein Mönch empfängt die Besucher bereits im ersten Raum der Ausstellung, wo in mehreren Wochen Kleinstarbeit ein Sand-Mandala entsteht. Man darf dem buddhistischen Schüler über die Schulter schauen und erlebt so hautnah mit, wie mit unglaublicher Akribie und scheinbar unerschöpflicher Ruhe ein bunter Stein neben den anderen gelegt wird. Farbenprächtige Einführung in den Buddhismus Das allein ist schon einen Besuch wert, doch sind es vor allem die heiligen Schätze, die alle Blicke auf sich ziehen und fesseln, allen voran die farbenprächtigen Tangkas, auf Stoff gemalte religiöse Rollbilder, die normalerweise nur zu bestimmten Ritualen entrollt werden. In den charakteristischen Farben rot, gelb, ultramarinblau und mit einer reichen Motivvielfalt tauchen sie die Räume des Museums in eine feudale Stimmung. Erzählt werden mal Legenden, die sich um verschiedene Gottheiten und Bodhisattvas – "Erleuchtungswesen", die den Gläubigen auf seinem religiösen Weg unterstützen – ranken, mal die Lebensgeschichte Buddhas oder Abstammungslinien einzelner Schüler. Daneben trifft man auf große tibetische Meister wie den Verbreiter des Vajrayana-Buddhismus Padmasambhava, der von vielen Bhutanern gar als zweiter Buddha betrachtet wird, oder den überragenden Shabdrung Ngawang Namgyal, der als Nationalheld verehrte Einiger Bhutans. Das Gold des Himalaya Dieser prächtig bunte Reigen an gemalten Kunstwerken wird hell erleuchtet vom strahlenden Gold der unzähligen, prunkvoll verzierten Kultplastiken und Ritualgegenstände, die im 18. und 19. Jahrhundert zumeist aus Bronze, in älterer Zeit (bis ins 8. Jahrhundert hinein) auch aus Eisen oder – was jedoch selbst in Bhutan eine Rarität darstellt – aus Holz hergestellt wurden. Das zentrale, dominierende Motiv ist die Gestalt des transzendenten Buddhas, der in verschiedener Typologie und Ausformung, jedoch stets respektvoll und mit geradezu königlicher Anmut auftritt. Und natürlich fehlt auch Padmasambhava, der "Guru Rinpoche" ("Kostbarer Lehrer") nicht, ebenso wie der Schatzfinder Pema Lingpa, der in Bhutan als großer Heiliger verehrt wird. Darüberhinaus findet sich eine recht opulente Auswahl an lokalen Gottheiten und verschiedenen Bodhisattvas, wie etwa den zornvollen Vajrapani oder den furchteinflößende Guru Dragpo Marchen, dessen Unterkörper von einem Dolch gebildet wird. Einen solchen Dolch findet man auch in Einzelausführung, stellt er doch ebenso wie die Dorje, eine hierzulande fast unbekannte Waffe in Donnerkeilform, einen zentrales Element einiger Rituale dar. Spirituelle Cham-Tänze Zur aktiven Religionsausübung gehören auch in allen Teilen des Himalaya-Landes zelebrierte Festlichkeiten, die von Mönchen und geschulten Laientänzern durchgeführt werden. Letztere führen dabei sogenannte "Cham-Tänze" auf, sichtbarer Ausdruck der tantrischen Kosmologie des Vajrayana-Buddhismus, die sich in ihrer Bedeutungshoheit in keiner anderen Kultur über die Jahrhunderte hinweg derart erhalten konnten. Um diese weitgehend unbekannten Rituale der Öffentlichkeit näherzubringen, wurden in die Ausstellungen speziell für dieses Projekt erstellte Videodokumentationen der "Core of Culture", einer Organisation zum Erhalt traditioneller Tanzformen, integriert, die durch Aufnahmen von 17 Cham-Festen aus ganz Bhutan einen seltenen Einblick in dieses traditionelle Ritual geben. Ausstieg aus dem Alltag Das komplexe Göttergeflecht, die weitschweifige Glaubensstruktur des Vajrayana-Buddhismus wird man schwerlich innerhalb eines Besuches zu erfassen lernen. Jedoch bekommt man einen Eindruck davon, welche Bedeutung die Religion in Bhutan spielt. Alle Aufmerksamkeit richtet sich auf eine würdevolle Ehrung ihrer Heiligen. Die Ausstellung belegt dies eindrucksvoll und entführt den Besucher selbst kurzzeitig in eine andere Welt, in der Hektik und alltäglicher Wahnsinn keinen Platz zu haben scheinen. Weitere Informationen zur Ausstellung gibt es auf der Homepage des Museums.
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