Immer unterwegs und immer hoch hinaus der Art knnte die Lebenseinstellung von Edward Theodore Compton gelautet haben, jenem englischen Alpenmaler, der sich sowohl als Meister des Aquarells wie auch als begeisterter Bergsteiger einen Namen machte. Das Wallraf-Richartz-Museum in Kln besitzt mit dem Skizzenbuch Mosel & Eifel. May & June 1868 eines der wenigen komplett erhaltenen Werkreihen. 1984 wurde es erstmals der ffentlichkeit vorgestellt und erntete schon damals spontane Sympathien. Am 5. Februar dieses Jahres wurde die Sammlung erneut hervorgeholt.

Feine Momentaufnahmen und kleine Schelmereien

Die 22 Skizzen der Eifelwanderung stammen aus den Jugendjahren des Knstlers. Gerade einmal 18 Jahre war er bei dieser Reise, doch bereits diese ersten ernsthaften Werke Comptons belegen, dass er von Beginn an ein intuitiver Gefhlsmaler war. Er brachte das, was er sah und empfand auf Papier, womit es ihm gelang, przise die Atmosphre eines bestimmten Augenblickes einzufangen.

Er zeichnete im Moment des Entstehens stets mit Bleistift, erst im Nachhinein wurde der Pinsel zu Hilfe genommen. Doch gerade er gibt das Dargestellte in all seiner natrlichen Herrlichkeit wieder. Die Intensitt dieser Landschaftseindrcke entlang Rhein und Mosel sind schier unglaublich; wie Fotografien muten die kleinen Werke an, nur wesentlich fragiler und eleganter.

Topographisch genau schuf er weitlufige Panorama-Ansichten und fing dabei die natrliche Idylle und Ruhe der Natur ein, immer wieder durchbrochen von den massigen Erhebungen, die stolz und anmutig zum Himmel emporragen. Nur selten finden sich kleine Ausbrche, die man als Schelmenstreiche bezeichnen mchte: kleine Ingredienzen wie zwei tanzende Schmetterlinge oder ein in die Ferne blickender Mann, die Compton in einigen wenigen Werken hinzufgte. Sie ziehen sofort den Blick auf sich, da sie wie Strenfriede in der natrlichen Idylle wirken. Allerdings wie liebenswerte Strer, die eher den Charakter einer verspielten, kleinen Anekdote tragen.

Ein Romantiker ohne verklrten Blick

Sein Blick galt einzig der Natur und der ihr mitgegebenen Schnheit, Akzente setzte er mit Hilfe der Details, die die Landschaft von sich aus anbot. Sie verhalfen den Bergen, Burgen und ihrer Umgebung zu bestechender Klarheit. Gestochen scharf wusste der Knstler etwa einen Steinbrocken in der Nhe von Gerolstein abzubilden. Eine gewisse realistische Auffassung schimmert hier durch, die der ansonsten eher romantischen Sichtweise entgegensteht.

Dass Compton ganz im Sinne der romantischen Tradition stand, lsst sich schon auf den ersten Blick nicht leugnen, obgleich sich auch eine gewisse (zumindest geistige) Verbundenheit mit den franzsischen Impressionisten seiner Zeit nicht leugnen lsst. Von ihnen stammte die auch Compton so tief innewohnende Bestrebung, einen speziellen Augenblick mglichst realittsgetreu und doch imposant darzustellen. Ein Wille, der auch in diesen frhen Skizzen der Eifelwanderung bereits durchschimmert.

Imposant, ja fast schon bedrohlich, sticht das Pulvermaar der Vulkaneifel in seinen dunklen Blautnen hervor. Compton liebte das Spiel mit diesen starken Farben, letztlich sind sie zu einem berhmten Charakteristikum fr seine Bilder geworden. Bengstigend wirkt die aufziehende Wolkenfront, in dunklen Grau- und schwachen Schwarztnen. Beruhigend wirkt hingegen das Erwachen bei Tagesanbruch in zarten silbrigen Grautnen und mit einem Stich Orange am Horizont.

Man betrachtet die Bilder und mchte mehrmals am liebsten gleich losmarschieren, der Spur des Malers folgen und seine Fhrte aufnehmen. Edward Theodore Compton war kein Revolutionr oder Visionr, der die Kunstszene radikal aufmischte. Er bediente sich an dem Gegebenen, griff zurck auf die bewhrten Techniken seiner Vorgnger und Zeitgenossen und blieb dieser Linie sein Leben lang treu. Doch dieses sein Handwerk, beherrschte er meisterlich.


Weitere Informationen zur Ausstellung gibt es auf der Homepage des Museums.

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